Meineringhäuser in tierischer Gesellschaft unterwegs

Harald Bangert ist einer der letzten Wanderschäfer in der Region

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Auf der Sommerweide: Schäfer Harald Bangert aus Meineringhausen zieht mit seiner Herde derzeit um Bromskirchen.

Korbach/Bromskirchen. Am Kreisleistungshüten bei Matthias Bauch in Allendorf/Hardberg nahm am Wochenende auch Harald Bangert teil.

Der Meineringhäuser ist einer der letzten seines Berufsstandes: In den Sommermonaten zieht er als Wanderschäfer mit seiner Herde rund um Bromskirchen und beweidet dort Flächen, die für landwirtschaftliche Geräte nur schwer zugänglich sind. Ich treffe den Vorsitzenden des Kreisschäfer - und Schafhaltervereins Waldeck in der Gemarkung Untermühle in einem ruhig gelegenen Tal vor den Toren Bromskirchens. 

Die Sonne scheint aus einem wolkenlosen Himmel, ein Bach plätschert vor sich hin und Bangerts Herde liegt friedlich im Schatten der Bäume. „Ja, jeder denkt, Schäfer sein heißt Idylle pur“, sagt der 62-Jährige und lacht, als ich zur Begrüßung sage: „Schön haben Sie es hier.“ Aber auch im Sommer ist das Wetter natürlich nicht immer gut, es gibt Regentage oder Gewitter. „Das mögen die Schafe auch nicht. Wenn es regnet und stürmt, stehen sie ruhig da und drehen dem Wetter ihr Hinterteil entgegen.“ 

Regenfeste Kleidung 

Bangert zieht sich bei Dauerregen schon mal in das Führerhaus seines Schleppers zurück. „Ansonsten braucht man eben regenfeste Kleidung“, sagt der ehemalige Handwerker, der seit 2005 hauptberuflich eine Bioschäferei mit rund 900 Tieren in seinem Heimatort Meineringhausen betreibt. Mitte Juni zieht er mit seiner Herde Richtung Bromskirchen. „Ich brauche drei Tage, bis ich da bin. Wir haben eine feste Route und feste Stationen, wo wir unterwegs übernachten können.“

Wenn er von „wir“ spricht, meint er die Helfer, die ihn beim Zug auf die Sommerweiden unterstützen. Auch seine Frau sei dann dabei. „Alleine ginge das nicht“, betont er. „Die jungen Lämmer bleiben manchmal bei frischem Gras zurück, während die übrige Herde schon weiterzieht. Die muss dann jemand holen“, berichtet er. Auch beim Überqueren von vielbefahrenen Straßen benötige er Hilfe. 

Hunde wichtigste Mitarbeiter

Seine wichtigsten „Mitarbeiter“ seien jedoch seine Hunde, betont Bangert. „Je besser die ausgebildet sind, desto einfacher ist die Arbeit.“ Bangert besitzt vier Altdeutsche Hütehunde vom Schlag Harzer Fuchs und Mitteldeutsche Gelbbacken. „Die sind sehr selbstständig und haben einen starken Hütetrieb“, sagt er. Während wir uns unterhalten, halten sie die Herde zusammen und helfen kurz darauf, die Schafe geordnet auf eine andere Wiese zu treiben. Eifrig und gehorsam befolgen sie Bangerts Anweisungen.

Herde folgt selbständig

 Dabei agieren sowohl Schäfer als auch Hunde ruhig und unaufgeregt Auch die Leitschafe sind wichtig. Manchmal fahre er nur mit dem Trecker vorneweg und die Herde folge ihm dann selbstständig, so Bangert. Über Nacht werden die Schafe eingepfercht und auch Harald Bangert bezieht sein Nachtquartier in Bromskirchen. Auf die Frage, ob ihm der Tag nicht manchmal lang werde, wenn er allein mit den Schafen unterwegs ist, antwortet er: „Ich beschäftige mich viel mit den Hunden und deren Ausbildung. Da bin ich sehr ehrgeizig.“ Außerdem komme er gut ohne Gesellschaft aus. Von Susanna Battefeld

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