Philipp Merhof hat sich für Deutschen Meisterschafte im Pole Sport qualifiziert

Mit hartem Muskeltraining zum Champion

Diemelsee-Adorf - Beim Tanz an der Stange ist er der Beste seiner Kategorie: Philipp Merhof aus Adorf hat bei der Pole Sport-Weltmeisterschaft in Prag den Titel geholt. Im Sommer stehen die Deutschen Meisterschaften an.

Sobald seine Hände festen Halt an der glänzenden Metallstange gefunden haben, holt Philipp Merhof artistisch den Rest seines Körpers nach - in ein, zwei Meter Höhe bringt er ihn in die Waagerechte, in die Senkrechte, immer mit ausgefallenen akrobatischen Figuren, die er scheinbar mühelos in gewandter Abfolge darbietet. Doch der Kraftaufwand dafür ist enorm. Bis zu vier Minuten ohne Pause tanzt er auf diese Weise eine Choreografie an der Stange. Und um das auf so hohem Niveau zu schaffen, dass er an Meisterschaften teilnehmen kann, trainiert der 20-Jährige aus Adorf zwei Stunden - täglich.

Pole-Sport oder Pole-Dance heißt der Sport, der ihn so begeistert, dass er bereit ist, seinen Körper hart zu trainieren. Der Begriff „Pole“ kommt aus dem Englischen und bedeutet Stange. Seinen Ursprung hat der Tanz an der senkrechten Stange im Rotlichtmilieu. Durch das Einbinden von artistischen Figuren habe sich die ästhetische Darbietung jedoch als Fitnessart etabliert, die in Amerika zum Trendsport wurde und auch in Europa stetig an Popularität zunehme, erklärt Philipp Merhof.

Die Sportart trainiert Kraft, Ausdauer, Konzentration ebenso wie Gleichgewicht, Kreativität und Ausdruck. „Pole Sport formt den ganzen Körper bis in die tiefsten Muskelschichten, er verbindet Akrobatik mit Gymnastik und Tanz und ist ein knallhartes Muskeltraining“, weiß der 20-Jährige: Als er mit dem Training begann, wog er bei einer Größe von 1,77 Metern 55 Kilogramm - inzwischen bringt er 73 Kilo auf die Waage. „Muskeln sind schwer“, sagt er und lacht. Und dass er sich beim Training blaue Flecken und wunde Kniekehlen holt, nimmt er mit Gleichmut.

Auf Pole-Sport wurde der Adorfer durch einen Fernsehbericht aufmerksam. „Ich war sofort interessiert. Als meine Schwester dann mit dem Sport begann, zog ich nach“, erklärt Merhof. Das war vor drei Jahren. Bis dahin hatte er an Sport nur wenig Gefallen gefunden - nur Turnen und Tanz lagen ihm und beides kann er beim Pole-Sport perfekt kombinieren.

Die ersten zweieinhalb Jahre trainierte Philipp Merhof allein. „Ich habe eine Stange in meinem Zimmer installiert und mir alles selbst beigebracht“, erklärt der Adorfer. Informationen fand er im Internet. Viel Zeit brauchte er anfangs fürs Dehnen des Körpers, aber auch für das Krafttraining, „denn es ist sehr schwierig, einen Spagat in der Luft zu machen.“ Videoaufnahmen halfen ihm, sich gezielt zu verbessern.

Als er von anderthalb Jahren nach Mainz zog, schaute er bei der Suche nach einem Zimmer vor allem danach, ob es auch groß genug für sein Training ist. Denn die richtige Schule zu finden sei nicht einfach, „der Sport ist noch nicht einheitlich organisiert“, erklärt Merhof. In Deutschland steckt der Pole Sport eher noch in den Kinderschuhen.

Seit einem Jahr geht er zusätzlich einmal die Woche zum Ballettunterricht, um Bewegungsabläufe und Haltung zu perfektionieren. Als im Herbst 2014 in Passau die Qualifikationsrunde für die Deutschen Meisterschaften 2015 stattfand, nahm er teil. „Ich wollte mich unbedingt qualifizieren“, sagt Philipp Merhof - und war erfolgreich.

Er gewann die Deutsche Ehrenflagge in Silber, den höchsten Preis in seiner Altersklasse. Außerdem lernte der 20-Jährige dort die Pole Dance-Trainerin Jeannine Wilkerling aus Frankfurt kennen, bei der er seitdem alle zwei Wochen trainiert. Sie war es auch, die ihn ermunterte, im Dezember 2014 an der Pole Sport Weltmeisterschaft in Prag teilzunehmen, die ein Verein organisiert hatte. Dort setzte er sich gegen fünf Mitbewerber durch und ging als Weltmeister in der Kategorie „Men solo B“ heraus, wobei B für Background (sportlicher Hintergrund) steht - seinen Ballettunterricht. Ein Video seiner Präsentation ist im Internet bei Youtube zu finden.

Für Philipp Merhof sind die Wettbewerbe Ansporn, noch besser zu werden. „Es ist erstaunlich, wie rasant sich derzeit alles verändert“, sagt Merhof, der in Mainz Publizistik und Germanistik studiert und für ZDF Neo arbeitet. Seine Familie und Freunde stehen voll hinter ihm, „ich bekomme viel positives Feedback“, freut er sich.

Einheitliche Richtlinien und Olympische Disziplin als Ziel

Dabei muss Pole Dance wegen seines Ursprungs noch um seinen guten Ruf kämpfen. „Das wird sich ändern. Denn es gibt es strenge Regeln bei den Wettbewerben, die Anzügliches komplett unterbinden sollen. Frauen dürfen keine offenen Haare tragen, man darf sich mit der Hand nicht über den Körper streichen, das Dekolleté muss geschlossen sein. Wer sich nicht daran hält, wird disqualifiziert“, sagt Merhof. Dafür, dass Pole Dance einmal als seriöser Sport anerkannt wird, setzt sich auch der Deutsche Pole Sport Verband ein.

Seine Aufgabe sieht der eingetragene Verein darin, einheitliche Richtlinien für den Pole Sport in Deutschland einzuführen und ihn als anerkannte Sportart in Deutschland zu etablieren mit allem, was dazu gehört - offiziellen Meisterschaften und Ausbildungen. „Großes Ziel ist, dass der Pole Sport einmal als olympische Disziplin zugelassen wird und weltweit dieselben Regeln und Wertungen gelten,“ sagt der Adorfer und ist sich sicher, dass sie das Ziel erreichen.

„Der Sport ist sehr anspruchsvoll, er bekommt immer mehr Zulauf und ich kenne keinen, der damit nicht auch sein Leben verändert hat: Alle haben aufgehört zu rauchen, ernähren sich gesund. Der Sport verändert viel mehr als nur deinen Körper, fordert einen immer wieder heraus,“ ist Philipp Merhof begeistert. Eines ist klar: Er hat den Sport seines Lebens gefunden und wird ihn betreiben, so lange es geht - bis ins hohe Alter.

Von Marianne Dämmer

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