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Schweißtreibende Arbeiten im Jahr 1774: Heißer Hausbau in Hillershausen war nicht lustig

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Von: Philipp Daum, Karl Schilling

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Fachwerkhaus in Hillershausen: Über der Haustür und den Fenstern im Erdgeschoss deutet ein Schriftzug darauf hin, dass es 1774 eine „große Hitze“ gab.
Fachwerkhaus in Hillershausen: Über der Haustür und den Fenstern im Erdgeschoss deutet ein Schriftzug darauf hin, dass es 1774 eine „große Hitze“ gab. © Philipp Daum

Der Schriftzug endet abrupt. „Wenn es diese Bausünde nicht gegeben hätte, könnte man alles bis zum Ende lesen“, sagt Kaspar Schulte. Der 70-Jährige steht zusammen mit seinem Bruder vor dem großen Fachwerkhaus in Hillershausen, das sie gemeinsam bewohnen.

Als es in den vergangenen Tagen so heiß war, erinnerten sie sich sofort an den Schriftzug über den Fenstern des Erdgeschosses.

„Auch damals schien die Hitze schon sehr heftig gewesen zu sein“, sagt Kaspar Schulte – die Buchstaben in den Fachwerkbalken ließen dies nämlich erkennen. Dass die Schrift nicht bis zum Schluss zu sehen sei, liege an der im Jahre 1912 erbauten Scheune – jene „Bausünde“, die damals unmittelbar an das 1774 errichtete Fachwerkhaus angebaut worden sei.

Doch erinnert die Inschrift tatsächlich an eine große Hitze? Unsere Zeitung hat sich die Buchstaben ganz genau angeschaut. Es ist wahrlich nicht leicht, alles zu entziffern, da die farbig abgesetzten Anfangsbuchstaben schlecht herauskommen. Gut zu lesen sind stattdessen die weißen Buchstaben und der Anfang.

Allem Anschein nach steht Folgendes in den Balken über dem linken Fenster und der Haustür geschrieben: „DiESES HAUS STEHET ERBAUET IN GOTTES NAMEN DURCH ANDREAS SHMiT UND SEiNE EHiGE HAUSFRAU ANNiA CATTRiNA SH…“. Es folgt eine Fehlstelle. Vermutlich waren dort einmal die Buchstaben „MiT“ zu sehen gewesen – damit wäre der Name komplett: „ANNiA CATTRiNA SHMiT“. Weiter geht es mit den Worten „IM JAHR...“.

Sind stolz auf ihr Elternhaus: Die Brüder Josef und Kaspar Schulte (rechts) leben gemeinsam auf dem Hof.
Sind stolz auf ihr Elternhaus: Die Brüder Josef und Kaspar Schulte (rechts) leben gemeinsam auf dem Hof. © Philipp Daum

Die sich unmittelbar anschließenden, verschnörkelten roten Buchstaben könnten „1774“ bedeuten – somit wäre eine Übereinstimmung mit dem ganz rechts stehenden Hinweis „ANNO 1774“ – also dem Baujahr des Fachwerkhauses – gegeben. Weiter heißt es mit Bezug auf das genannte Jahr: „DA DiE HiZE SO GROS WAR DAS DiE HiTZE DiE ZIMMERLEUTE KAMEN UM IHREN WITZ GESHE“. Gemeint ist möglicherweise, dass die Hitze 1774 so groß war, dass den Zimmerleuten bei der Arbeit ihr Witz abhanden gekommen ist. Mögliche andere Lesarten wären: Die Zimmerleute waren um ihren Witz gebracht – oder: es war um den Witz der Zimmerleute geschehen.

Besonderes Schild: In dem Hof gab es früher auch einen Lebensmittel- und Krämerladen.
Besonderes Schild: In dem Hof gab es früher auch einen Lebensmittel- und Krämerladen. © Philipp Daum

Auffällig ist noch: Im gesamten Schriftzug ist der Buchstabe „i“ meistens klein geschrieben, alle übrigen Letter sind Großbuchstaben.

Kaspar und Josef Schulte – das wird beim Besuch der WLZ mehrmals deutlich – sind stolz auf ihr Elternhaus. Josef Schulte verdiente dort als Vollerwerbslandwirt auch viele Jahre lang sein Geld. Mittlerweile hat der 77-Jährige den Hof, auf dem noch Ammenkuh- und Schweinehaltung betrieben werden, verpachtet.

Kaspar Schulte erinnert außerdem noch daran, dass der Bruder seines Großvaters – Franz Schulte – in dem Haus einst einen Lebensmittel- und Krämerladen führte. Das Schild, das damals die Eingangstür vor dem Geschäft zierte, holt der Hillershäuser immer wieder gerne hervor. Es ist eines dieser Erinnerungsstücke, das ihm zeigt: Das Haus steckt voller Geschichte.

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