Vor 40 Jahren forderten junge Korbacher ein Jugendhaus

Die Hausbesetzer von Korbach

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Korbach - Hausbesetzungen sind vor allem aus Großstädten bekannt. In der Silvesternacht 1972/73 nutzten auch Korbacher Jugendliche dieses Druckmittel. Sie wollten ein Jugendhaus – und bekamen es später auch.

Das Jugendhaus in der Kirchstraße 20 bietet jungen Menschen in Korbach eine breite Palette an Unterhaltung: egal ob Konzerte im K20, Kinderkino oder Kicker-Turniere. Das war nicht immer so. Anfang der 1970er gab es keinen festen Treffpunkt für junge Menschen in Korbach. Also setzten sich die Jugendlichen dafür ein – und besetzten vor 40 Jahren das Haus Volke, das heutige Jugendhaus.

Realisierung verzögert sich

Schon im November 1971 fordert der Ortsjugendring ein Jugendhaus. Gemeinsam mit den Jusos wird eine Planstudie entworfen und dem Magistrat vorgeschlagen, das ehemalige Forsthaus in der Hagenstraße als Jugendhaus zu nutzen. Zudem soll ein Verein gegründet werden, der die Trägerschaft für das Jugendhaus übernimmt.

Anfangs entwickelt sich aus Sicht der Jugendlichen vieles positiv. Die Stadtverordnetenversammlung beschließt am 25. März 1972 mit zwölf zu neun Stimmen, dass das alte Forsthaus für die Jugendlichen reserviert wird. Gegenstimmen kommen unter anderem aus dem CDU-Lager. Die Begründung: Mit dem Bau des Hallenbades und der Stadthalle würden die Interessen der Jugendlichen berücksichtigt. Vor allem sind es aber finanzielle Aspekte, die in der Folge die Umsetzung hinauszögern.

Auch der Standort scheint irgendwann nicht mehr sicher zu sein, im Gespräch ist nun auch das Haus Volke in der Kirchstraße. Die Jugendlichen entschließen sich, das leer stehende Haus an Silvester 1972 zu besetzen. Es ist eine friedliche Besetzung, die Jugendlichen hängen Plakate auf und erklären das Jugendhaus kurzerhand für eröffnet. So schnell geht es dann aber doch nicht. Im Gespräch ist eine Mitfinanzierung durch das Land Hessen. Der Jugendclub soll als Modellprojekt gefördert werden. Als die Stadt Korbach sich an den Kosten für Jugendarbeiter und Veranstaltungen mit 90 000 DM beteiligen soll, kommen Bedenken auf, dabei steht der damalige Bürgermeister Dr. Horst Bökemeier dem Projekt eigentlich positiv gegenüber.

Die Jugendlichen zeigen zu dieser Zeit, was ihnen das Jugendhaus bedeuten würde. Ein Jugendclub wird gegründet, zu einer Vollversammlung im Bürgerhaus 1973 kommen 138 junge Menschen. In der Folge kommt es zu Gesprächen mit dem Magistrat, Podiumsdiskussionen und weiteren Streitigkeiten.

Im August 1974 beschließt die Stadt letztendlich, dass der Jugendclub alleiniger Träger des Jugendhauses wird. Der Bürgermeister übergibt den Schlüssel an den Vorsitzenden des Jugendclubs, Wolfgang Herold. Gut ein halbes Jahr später wird die Jugendetage eröffnet. Die WLZ berichtet am 26. Februar 1975 von einem „Run“: 200 Gäste in vier Stunden, die freiwilligen Helfer seien mit dem Schmieren der Schmalzbrote kaum hinterhergekommen, zuvor besorgte Mütter hätten nach genauer Kontrolle ihre Kinder beruhigt in die Jugendetage entlassen.Doch auch danach kommt es zu Problemen, Anwohner beschweren sich über Lärm und Trinkgelage. Erst 1978 wird der dauerhafte Bestand des Jugendhauses beschlossen.

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