Drittes Open-Stage-Konzert im K20

Hauskonzert mit guten Bekannten

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Debüt auf offener Bühne: Alex Krüger

Korbach - Lag es an Halloween oder dem Ende der Herbstferien? Beim dritten Open Stage blieb die Anzahl der neuen Acts ziemlich überschaubar. Insofern geriet der Abend zum Hauskonzert mit guten Bekannten.

Der musikalischen Bilanz tat dies aber keinen Abbruch, ganz im Gegenteil, ob Solo-Auftritt mit neuen Songs oder beim Zusammenspiel mit alten Favoriten in den unterschiedlichsten Konstellationen, die Weiterentwicklung blieb unüberhörbar. Basti Hamel eröffnete den Abend „dylanesk“ mit der Mundharmonika.

Sein erster Song war eine Ballade über die eigene Verletzlichkeit und die Angst, seine große Liebe zu verlieren, die der Singer-Songwriter mit Träne in der Stimme vortrug. „Der Soundtrack meines Lebens wird von dir geschrieben“ lautete das Fazit der frisch geschriebenen und erstmals live gesungenen Liebeserklärung an die Freunde, in der geteilte Betten, zerredete Nächte und die Intensität im Inneren des Kreises thematisiert wurden.

Kooshan Bahzeri eröffnete seinen Set mit einem Lied über Einsamkeit und Sehnsucht auf persisch, doch die Klangsprache der mit sanfter Stimme vorgetragenen Klage war unmissverständlich. Streckenweise lauter und stärker abgestuft klang „A Prayer“, der intensive zweite neue Song war ganz im Gestus einer intensiven Zwiesprache mit Gott gehalten. Als heiteres Kontrastprogramm mit ernsthaften Inhalten setzten Frank Becker und sein mittlerweile 87 Jahre alter Vater Heinz. Mit seinem Arsenal an Mundharmonikas und einem Tänzchen zu „Die Geisterreiter zieh‘n vorbei“ illustrierte er die Inhalte der Lieder. Die deutsche Fassung von „Ghost Riders“ war der gut angenommene abschließende Teil zum Mitsingen. Mit dem Ökosong „Weißt du wo die Sonne sinkt?“ leistete Frank Becker im Piratenlook seinen musikalischen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel und zog sich für den heiteren Song über „Mexikanische Nächte“ einen Sombrero über.

Mit einer ergreifend düsteren Version der schauerlichen Liebesballade „Girl with one eye“ eröffnete Madlen Hamel die zweite Hälfte und ließ einen ebenfalls im Stil von Florence & The Machine arrangierten „Candy Shop“ folgen, der sich denkbar weit von den Hiphop-Wurzeln entfernt hatte. Ganz auf Gefühl und sanfte nuancierte Töne setzte die junge Sängerin bei ihrer Interpretation von John Legends „All of me“.

Mit zwei eigenwilligen Eigenkompositionen zur ungewöhnlichen Bassbegleitung gab Alex Krüger sein Open Stage Debüt. „Un Altro“ erwies sich als spukhaft-düsteres Stück mit unvergesslichem Gänsehaut-Touch. In „Das Leben ist nicht lächerlich“ nahm er die Paradoxien des Alltags und der Reaktionen darauf aufs Korn.

Janina Filippi nutzte das Open Stage in erster Linie zum Testen neuer Songs, eröffnete ihren Set aber zunächst mit einer bis in die kleinste Nuance ausgereiften Interpretation von „Birds in the Sky“ mit einem starken Crescendo bis zur finalen Zeile „He is on my side, he‘ll be here tonight“. Zartere Töne schlug die ehemalige Frontfrau von „No one important“ bei „David Heyses Song“. „I can‘t change anything“ lautete die letzte Zeile des neuen Liedes, das trotzdem erst einmal mit einem improvisierten Schluss zu Ende ging.

Für eine lebhafte Version des NOI-Favoriten „You got the love“ (Florence & The Machine) bildete sie ein Trio mit Basti und Madlen Hamel, dabei übernahmen die Geschwister nicht nur die Hauptarbeit an den Gitarren, sondern steuerten auch Harmonien bei. Für das fast schon zum Ritual gewordene „One More Time“ tauschte sie die Plätze mit Basti Hamel tauschte sie die Plätze für eine überaus inspirierte Trio-Version des Britney-Spears-Hits.

Von Armin Hennig

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