Geburtshelferinnen demonstrieren in Korbach für bessere Arbeitsbedingungen

Hebammen mit Nachwuchssorgen

+
Knapp 50 Frauen und einige Männer sind gestern durch die Korbacher Fußgängerzone gezogen. Gemeinsam mit Hebammen aus Wal-deck-Frankenberg demonstrierten sie für bessere Arbeitsbedingungen der Geburtshelferinnen. Foto: Lutz Benseler

Korbach - Für bessere Arbeitsbedingungen haben am Internationalen Hebammentag Geburtshelferinnen aus dem gesamten Landkreis in der Korbacher Innenstadt demonstriert.

„Für einen guten Start ins Leben mit einer Hebamme“ , stand auf den Plakaten. Oder: „Freie Wahl des Geburtsorts“. Bei der Demonstration am späten Nachmittag zog die bunte Truppe in einer langen Schlange mit vielen Kinderwagen durch die Fußgängerzone. Knapp 50 Frauen, darunter viele Mütter und Schwangere, und auch einige Männer beteiligten sich an dem Protestzug.

Verhandlungen mit Krankenkassen gescheitert

Hintergründe der Aktion zum internationalen Hebammentag sind unter anderem die gescheiterten Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband, der zentralen Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen, zu Ausschlusskriterien für Hausgeburten. Damit liege auch eine fünfprozentige Vergütungssteigerung auf Eis, erklärte Sabine Peter, Kreisvorsitzende des Hebammenverbandes, bei der Kundgebung am Berndorfer-Tor-Platz.

Zudem sei die Ausgestaltung des geplanten finanziellen Ausgleichs für freiberufliche Hebammen nicht vorangekommen. Viele freiberufliche Hebammen könnten außerdem die hohen Haftpflichtprämien nicht erwirtschaften (siehe Hintergrund). Die Folge: „In den vergangenen Jahren haben immer mehr Hebammen ihre freiberufliche Tätigkeit in der Geburtshilfe aufgegeben. Vor allem in den Ballungsgebieten finden viele Frauen in Wohnortnähe keine Hebamme mehr“, sagte Peter.

Arbeitsbelastung deutlich gestiegen

Für die verbliebenen Geburtshelferinnen ist die Arbeitsbelastung deutlich gestiegen - bei nahezu gleichgebliebenem Verdienst. Hebammen, die beispielsweise in Krankenhäusern arbeiten, betreuten meist mehrere Geburten gleichzeitig, so Peter: „Ideal wäre die 1:1-Betreuung.“ Der Verband fordert deshalb bessere Arbeitsbedingungen: Hebammen in Kliniken müssten wieder genügend Zeit für die Begleitung von Geburten haben, freiberufliche Hebammen müssten von ihrem Beruf wieder leben können. Dazu gehörten bezahlbare Haftpflichtprämien. Schließlich müsse das Problem der Unterversorgung gelöst werden.

Um Unterstützung ihrer Forderungen bitten die Hebammen unter anderem auf der Internetseite www.unsere-hebammen.de oder auf Facebook unter www.facebook.com/deutscher.hebammenverband.

Von Lutz Benseler

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare