Korbach

„Heiße Zeit“ für Winterreifen beginnt

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- Korbach (lb). Bei den Reifendiensten herrscht jetzt schon Hochbetrieb. Seit vergangenem Jahr müssen Autofahrer mit einem Bußgeld rechnen, wenn sie ohne entsprechende Reifen unterwegs sind.

Kaum ist der Spätsommer zum Start in den Oktober verflogen, da beschäftigen sich viele Waldeck-Frankenberger bereits mit dem nahenden Winter. Bei den Reifenhändlern steigt die Nachfrage nach Winterreifen und nach Terminen zum Reifenwechsel von Tag zu Tag. Bereits jetzt gibt es erste Engpässe: „Wir haben schon im Dezember 2010 unsere Winterreifenbevorratung für diesen Winter bei der Reifenindustrie disponiert respektive bestellt. Bis heute ist gerade mal gut die Hälfte der bestellten Winterreifen bei uns eingetroffen“, sagt Udo Lossau, Geschäftsführer von Reifen-Apel in Korbach und Landesinnungsmeister des Vulkaniseur- und Reifenmechanikerhandwerks Hessen. Einzelne spezielle Reifengrößen seien schon ausverkauft. „Wir können aber noch jeden Verbraucher versorgen. Das geht möglicherweise nur nicht von jetzt auf gleich“, sagt Lossau.

Laut dem Landesinnungsmeister ist die Reifenknappheit ein strukturelles Problem. Lossau spricht von gravierenden Fehlern der Reifenindustrie: So seien seit Ende 2008 Kapazitäten in West-Europa abgebaut und Produktionsstätten in Billiglohnländer verlagert worden, deren Kapazitäten erst künftig greifen würden. Gleichzeitig habe die sogenannte Erstausrüstung von Neufahrzeugen oberste Priorität in der Belieferung, dort sei die Nachfrage deutlich gestiegen. „Für den Ersatzmarkt blieb schon in 2010 nur der Rest übrig, was zu einer deutlichen Verknappung der Reifen führte, verbunden mit deutlichen Preissprüngen“, erklärt Lossau. Kritik übt der Landesinnungsmeister auch an der Preispolitik des international tätigen Reifen-Großhandels. Je nach Nachfrage und Verfügbarkeit würden die Reifen zu Tagespreisen gehandelt: „Es wird also auch hier zunehmend spekuliert, was verbraucherfreundliche Preise sicherlich nicht fördert“, so Lossau.

„Wir sind lieferfähig“, erklärt unterdessen Klaus Engelhart, zuständiger Sprecher für den Bereich Pkw-Reifen im Continental-Konzern. Seit Mai würden Winterreifen produziert, die Werke – auch das Korbacher – seien voll ausgelastet. Mit der Umstellung auf die Fertigung von Sommerreifen will sich Continental allerdings etwas mehr Zeit lassen als in anderen Jahren. Die starke Nachfrage aus dem Ersatzgeschäft und aus der Erstausrüstung erfordere zusätzliche Produktion, teilt das Unternehmen mit. Trotzdem könne es bei einzelnen Reifen-Dimensionen in den kommenden Wochen zu Engpässen kommen, räumt Engelhart ein.

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