Korbach

Heizkraftwerk: Betreiber MVV sieht sich in der Bringschuld

- Korbach. Eine offene Gesprächsrunde soll es sein, doch der Auftakt war eher ein Treffen politischer Akteure: das erste Bürgerforum zum Heizkraftwerk. Betreiber MVV will künftig für mehr Öffentlichkeit sorgen.

Nach einer Serie von Betriebsstörungen seit Herbst 2008 im Heizkraftwerk, schickte Betreiber MVV Energie (Mannheim) im September einen Krisenmanager ins Feld. Dr. Hermann Teufel soll dafür sorgen, Vertrauensbrüche wieder zu kitten.

Auslöser war vor allem, dass MVV im August 2009 fast drei Tage lang zu viel Quecksilber aus dem Schornstein blies. Der Betreiber vermutete einen Defekt im Messgerät. Tatsächlich aber war das Gerät nicht nur falsch justiert, sondern im Müll steckte wirklich zu viel des giftigen Schwermetalls. Bis in den November lag die Müllverbrennung in Korbach still, das Regierungspräsidium (Kassel) machte als Kontrollbehörde zusätzliche Auflagen – und nicht nur die Bürgerinitiative schlug Alarm.

Auch in der Korbacher Stadtverwaltung und im Parlament hatte das Ansehen von MVV gelitten. Schließlich geht es um die Gesundheit der Bevölkerung. Bürgermeister Klaus Friedrich schlug ein Bürgerforum vor, dass im zweiten Anlauf dann am Mittwochabend im Bürgerhaus eröffnet wurde.

Teufel versprach „keine MVV-Frontalveranstaltung“, sondern offene Fragen zu klären, für mehr Vertrauen zu sorgen: „Ich sehe uns hier absolut in einer Bringschuld.“

Viel Beifall gab es für den evangelischen Dekan Bernd Böttner, der das Bürgerforum künftig als unabhängiger Moderator leiten wird. Alle drei Monate soll die Runde nunmehr einberufen werden. Das nächste Treffen des Bürgerforums ist am 28. April.

Zum Auftakt tummelten sich unter den rund 30 Besuchern vor allem Vertreter der politischen Fraktionen im Korbacher Parlament, von Stadtverwaltung und Regierungspräsidium (RP), Conti-Werksleiter Lothar Salokat und Sicherheitsbeauftragter Jörg Zenke, dazu MVV-Sprecher Dirk Pohlmann und Kraftwerksleiter Friedhelm Kaiser. Ansonsten waren fünf interessierte Bürger und ein Mitglied der Bürgerinitiative dabei.

Hintergrund war, dass MVV zunächst gezielt Parteien, Vereine und Gruppen eingeladen hatte. Das wird sich künftig ändern, wie der Kraftwerksbetreiber signalisierte. Das Forum soll für alle interessierten Bürger geöffnet werden, um Fragen und Kritik loszuwerden. Im Gegenzug will MVV „als Teil der Korbacher Szene“ über Betrieb, Technik und Verbesserungen im Kraftwerk informieren.

Für Bürgermeister Klaus Friedrich geht es darum, künftig das Optimum zu erreichen: „optimale Informationspolitik, optimale Messtechnik, optimale Betriebsführung und optimale Filtertechnik“, wie der Rathauschef als Anforderungen an MVV formulierte. (jk)

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