Kosten für Krankenhausanbau in Korbach steigen:

Helikopter landet künftig auf dem Dach

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Für den neuen Krankenhausanbau hat der große Aufriss begonnen. Der Rohbau soll bis Frühjahr 2014 stehen.

Korbach - Über 20 Millionen Euro wird der dritte Abschnitt beim Korbacher Klinikneubau kosten. Zusätzliches Geld muss für einen Hubschrauberlandeplatz fließen: Der soll künftig aufs Dach.

Der Weg in die Zukunft ist teuer, denn im Wett-rennen der Krankenhäuser kommt es wie im Sport stark auf Ausrüstung und Material an. Rund 30 Millionen Euro investierte die Korbacher Klinik in Phase eins und zwei, die von 2005 bis 2008 eine gründliche bauliche Operation brachte. Sanierung am Altbau, großzügiger Anbau mit neuen Pflegestationen, OP-Sälen, Foyer bis hin zur Cafeteria gehörten dazu.

Parallel stellten Pflegedienst und Ärzte ihre Organisation um.Mitte April begann der dritte Abschnitt zur Moderni-sierung der Hessenklinik. Neue Intensivstation, neue Pflege-stationen, „Intermediate Care“ als Zwischenstufe plus neue Räume für Labor, Küche und Verwaltung wachsen aus dem Boden. Bis Frühjahr 2014 soll der Rohbau möglichst stehen, Mitte 2015 wird der Anbau voraussichtlich fertig sein.

Bislang war Phase drei auf 19,6 Millionen Euro taxiert worden. Davon gehen 14,6 Millionen Euro auf das Konto des Landes Hessen. Rund fünf Millionen Euro muss die Klinik selbst erwirtschaften.

Doch ein wichtiges und teures Detail war in dieser Rechnung nicht inbegriffen: Das Stadtkrankenhaus braucht einen neuen und aufwendigeren Landeplatz für Rettungshubschrauber. Die Kostenschätzung addiert sich „unter allem Vorbehalt“ auf weitere 2,4 Millionen, erklärt Betriebsleiter Wolfgang Kluß, denn eine exakte Kalkulation steht noch aus.

Der frühere Korbacher Krankenhauschef (bis 2005) hat im März vorübergehend für Betriebsleiter Heinz Gerdes die Regie übernommen - bis ein Nachfolger gefunden ist. „Eine meiner ersten Amtshandlungen war, eine Lösung für den Hubschrauberlandeplatz zu finden“, sagt Kluß.

2,4 Millionen Euro mehr

Bisher landen die Rettungshelikopter auf einer Fläche neben dem Besucherparkplatz an der Schillerstraße. Doch genau auf diesem Terrain entsteht der neue Anbau. So wird der Raum zwischen Wohn-vierteln und Krankenhaus offenbar zu eng für einen regulären Landeplatz. Im Hinter-grund geht es um gesetzliche Anforderungen, Zahl der Flugbewegungen, Landeanflug - aber auch Belange der Bewohner rund um die Klinik. Bislang rotieren die Rettungsmaschinen ohnehin schon recht niedrig über den Wohngebäuden, um einen günstigen Einflugwinkel für die Piloten zu erreichen.

„Ein neuer Landeplatz auf dem Dach des Krankenhauses ist deshalb die nachhaltigste Lösung für die Zukunft“, unterstreicht Bürgermeister Klaus Friedrich - ob für die Klinik oder das Wohngebiet.

Das Stadtkrankenhaus ist als „regionales Traumazentrum“ im Traumanetzwerk Göttingen ein wichtiger Anlaufpunkt. Im Klartext: Viele Unfallopfer werden im Korbacher Krankenhaus akut versorgt. Die schnelle und fachgerechte Behandlung hilft, Leben zu retten.

Mit teils über 90 Flugbewegungen (Landungen und Starts) pro Jahr ist die einfache „Hubschrauberlandefläche“ aber weitgehend ausgereizt. Ab 100 Flugbewegungen ist ein regulärer „Hubschrauberlandeplatz“ erforderlich.

Im Nachhinein hätte sich mancher - ob Bewohner, Besucher oder Pilo - mehr Weitblick gewünscht, als die Stadtväter Ende der 90er-Jahre das neue Wohngebiet zwischen Krankenhaus und Südring absteckten. Mehr Abstand hätte gutgetan, denn viele Besucher und Lieferanten fahren direkt durch Wohn-viertel zur Korbacher Klinik.

Aber die Planung des Baugebiets ist Schnee von gestern, denn die Häuser stehen bereits seit zehn bis zwölf Jahren. So soll der Landeplatz sicherheitshalber aufs Dach des neuen Gebäudetrakts. Zwischenzeitlich war von einer Million Euro Mehrkosten die Rede, doch diese Rechnung geht mit dem neuen Konzept nicht auf.

„Teller“ und Aufzug

Über dem Dach des Neu-baus wird dabei ein „Teller“ konstruiert für die Rettungshubschrauber. Zum Transport der Patienten ist auch ein Außenfahrstuhl vorgesehen. Das alles lässt die Gesamtkosten des dritten Bauabschnitts vermutlich um 2,4 Millionen Euro auf über 22 Millionen Euro klettern.

Betriebsleiter Wolfgang Kluß und Bürgermeister Klaus Friedrich hoffen indes, dass Wiesbaden zusätzliches Fördergeld dafür bereitstellt. Ein entsprechender Antrag an die „Wirtschafts- und Infrastrukturbank“ (WiBank) des Landes Hessen wird vorbereitet.(jk)

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