Dimitrios Kaloudis (86) sucht zweimal vergeblich Hilfe

Herzkranker Korbacher wird von Arztpraxen wieder weggeschickt

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Mit einem zu hohem Blutdruck wollte der Korbacher Dimitrios Kaloudis zum Arzt. Doch Hilfe fand er erst im dritten Anlauf. Zwei Internisten hatten ihn zuvor abgewiesen.

Mit viel zu hohem Blutdruck wollte der herzkranke Korbacher Dimitrios Kaloudis (86) zum Arzt. Doch er sei von zwei Praxen abgewiesen worden, berichtet er. Erst das Korbacher Stadtkrankenhaus habe ihn als Notfall stationär aufgenommen.

Einen Herzinfarkt hat er schon hinter sich, außerdem hat er mehrere Stents gelegt bekommen: Dimitrios Kaloudis weiß, wie ernst ein zu hoher Blutdruck für ihn sein kann. „Am diesem Montagmorgen zeigte mein Messgerät um 6 Uhr morgens 253/132“, sagt Kaloudis. Ab einem Wert von 180/110 sprechen Mediziner von einem „schweren Bluthochdruck“.

Der erste Weg führte den 86-jährigen Korbacher zu seinem Hausarzt. „Die Empfangsdame teilte mir mit, dass der Doktor krank sei.“ Kaloudis ging also zu einem Internisten, bei dem er schon als Patient war. Dort habe er die Auskunft erhalten, dass nur Patienten mit Überweisung und Termin angenommen würden. „Ich versuchte zu erklären, dass mein Fall akut sei. Es half nicht.“ Auch bei einem zweiten Internisten habe er dieselbe Auskunft bekommen. Kaloudis: „Ist das nicht unterlassene Hilfeleistung?“

Er ging schließlich ins Korbacher Stadtkrankenhaus. „Dort wurde ich sofort als Notfall stationär aufgenommen“, berichtet der 86-Jährige.

Ärzte dürfen Notfälle nicht ablehnen

Doch gibt es eine Behandlungspflicht für Ärzte? Grundsätzlich sieht die Berufsordnung in Hessen vor, dass die Ärzte frei sind, eine Behandlung abzulehnen – von Notfällen oder besonderen rechtlichen Verpflichtungen abgesehen, wie die Landesärztekammer auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt.

Anders sieht es bei Vertragsärzten der Kassenärztlichen Vereinigung aus: Sie dürfen die Behandlung von Patienten nur in begründeten Fällen ablehnen, da sie sich sonst einer Verletzung ihre Pflicht als Vertragsärzte schuldig machen. Mögliche Gründe können sei: Der Arzt hat schon zu viele Patienten und ist überlastet, der Fall entspricht nicht seinem Fachgebiet oder das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient ist gestört, beispielsweise weil der Patient seinen Arzt beleidigt oder bedroht hat.

Doch was können Patienten tun, wenn der Arzt die Behandlung verweigert? „Ihnen steht die Möglichkeit offen, sich bei Problemen in der Arzt-Patienten-Beziehung mit einer schriftlichen Beschwerde an die Landesärztekammer Hessen zu wenden“, erklärt Alla Soumm, Sprecherin des Gremiums. 

Wichtig ist: Die Betroffenen sollten den konkreten Sachverhalt schildern und den Namen des behandelnden Arztes nennen. Das funktioniert einfach übers Internet: Für Patientenbeschwerden stellt die Landesärztekammer ein Online-Formular zur Verfügung. Auch die zuständige Kassenärztliche Vereinigung nimmt Beschwerden entgegen.

Sollte der Arzt tatsächlich einen echten Notfall abgewiesen haben, bleibt noch der Weg zur Staatsanwaltschaft, denn das wäre unterlassene Hilfeleistung. Diese wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe sanktioniert.

Dimitrios Kaloudis ist nach drei Tagen im Stadtkrankenhaus jedenfalls wieder entlassen worden: „Nachdem ich jetzt die richtigen Medikamente bekomme, geht es mir wieder gut“, sagt er.

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