Hansestadt steckt Rahmen ab für eine mögliche Hessentagsbewerbung

Hessen hat Lust auf Korbach

Korbach - Hessentag 2018 in Korbach? Die Landesregierung findet offenbar viel Gefallen daran, die Hansestadt zum zweiten Mal als möglichen Gastgeber des großen Hessenfests zu gewinnen.

Inkognito war Thorsten Hermann zum Altstadt-Kulturfest Anfang Juli angereist. Am Ende blieb der neue Hessentagsbeauftragte aus der Wiesbadener Staatskanzlei dann doch nicht anonym: Hermann feierte am Festsamstag abends gehörig mit, lernte die Korbacher von ihrer beschwingten Seite kennen. Der frühere Bensheimer Bürgermeister hatte Tuchfühlung mit der Stadt Korbach aufgenommen, um das Terrain im Waldecker Land kennenzulernen. Dass die Hansestadt zu den Favoriten zählt, wenn es um die Ausrichtung des Hessentags 2018 geht, ist ohnehin kein Geheimnis mehr (wir berichteten). Erst im Februar schickte Korbach ein dickes Paket ins Finanzministerium, um vor allem die Rahmenbedingungen für eine mögliche formelle Hessentagsbewerbung abzustecken. Am vergangenen Montag folgte nunmehr die nächste Etappe: Bürgermeister Klaus Friedrich war mit einer Abordnung in der Landeshauptstadt, die Organisatoren im Finanzministerium hatten Kollegen aus anderen Ressorts gleich hinzugebeten. Denn Hessentagsplanungen sind Querschnittsaufgabe – ob Finanzen, Wirtschaft, Verkehr oder Soziales. „Wir hatten sehr konstruktive Gespräche in Wiesbaden“, resümierte Rathauschef Friedrich am Dienstag auf WLZ-Anfrage: „Es geht um Möglichkeiten der Förderung für ohnehin wichtige Investitionsprojekte in Korbach.“ Welche Vorhaben dabei auf der Hitliste stehen, ist ebenfalls kein Geheimnis mehr: Modernisierung der Fußgängerzone und Umbau des Rathauses zählen zu den dicken Brocken für die kommenden Jahre in der Hansestadt. Hinzu kommen etliche andere Vorhaben. „Wichtig ist, einen weiteren Aufbruch für Korbach und die Stadtentwicklung zu erreichen“, unterstreicht der Bürgermeister in den Sondierungen. Vorentscheidungen seien bei den Gesprächen in Wiesbaden aber nicht gefallen, fügt Friedrich mit Nachdruck an: Die Entscheidung über einen möglichen Hessentag „bleibt selbstverständlich den politischen Gremien in Korbach vorbehalten“. Genau dies war auch der Tenor von Regierungssprecher Michael Bußer auf WLZ-Anfrage im Juni. Denn im Umfeld des Hessentags in Hofgeismar wurde Korbach als potenzieller Gastgeber 2018 in Nordhessen genannt. Für 2016 rüstet sich bereits Herborn in Mittelhessen, 2017 steigt der Hessentag im südhessischen Rüsselsheim. Anders als noch in den 1990er-Jahren stehen die Bewerber um das zehntägige Landesfest aber nicht mehr Schlange. Spontane Begeisterung herrschte, als Korbach den Zuschlag für den Hessentag 1997 erhielt. „Der erste Hessentag außerhalb von Hessen“, resümierte später einmal Ministerpräsident Roland Koch – mit augenzwinkerndem Verweis auf die Waldecker Seele. Der Hessentag war dabei nicht nur Besuchermagnet und brachte Schub für Investitionen, auch die finanzielle Bilanz war erfreulich: Nur rund 350  000 Euro Defizit zeigte die Abrechnung für die Stadtkasse.In späteren Jahren gingen die Verluste bei den gastgebenden Städten jedoch in die Millionen. Genau das soll ein neuer Finanzmodus seit zwei Jahren vermeiden. Die Kalkulation für 2018: Neun Millionen Euro stehen zur Verfügung, davon bis zu 2,7 Millionen Euro, um Verluste auszugleichen. Der Rest, also über sechs Millionen Euro, könnten als Zuschüsse für Investitionsprojekte fließen. Von Jörg Kleine

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