Von Hexen, Kerkern und Folterknechten

+
Führen in Gewändern durch die Altstadt: Gerlinde Stremme (links) und Britta Hein.

Korbach. Enthauptet, verbrannt – manchmal beides hintereinander: Im 17. Jahrhundert wurden 44 Frauen und Männer in Korbach Opfer der Hexenverfolgung. Historische Schauplätze zeigen Britta Hein und Gerlinde Stremme zur Walpurgisnacht bei einer abendlichen Führung durch die Korbacher Altstadt.

Die erste Welle der Hexenverfolgung gab es in Europa im Jahr 1590, sagt Britta Hein, studierte Anthropologin und Ethnologin. In Korbach war die Hochzeit der Verfolgung jedoch später: Um 1640 und zwischen 1656 und 1669. Viele der späteren Opfer wurden denunziert und mussten sich in einem Prozess verantworten. Häufige Vorwürfe waren Gotteslästerung, Tierverwandlungen, beispielsweise in einen Werwolf, und Zaubereien wie Schadenszauber, um zum Beispiel den Nachbarn durch eine Mäuseplage zu schaden. „Insgesamt ging es bei der Hexenverfolgung nicht so sehr um Zauberei, sondern um politische Macht.“ Die Angeklagten kamen in eines der Korbacher Gefängnisse, beispielsweise in den Tylenturm. 

Strafe für zu harte Folter 

„Ohne Geständnis gab es keine Verurteilung.“ Diese wurden oft unter Folter erzwungen. „Die Menschen sollten dabei aber noch nicht sterben,“ sagt Gerlinde Stremme. Die Folterknechte hätten deshalb zu heilenden Pflanzen gegriffen. Eingesetzt wurden auch Pflanzen wie die Tollkirsche, um Beklagte gefügig zu machen, so die Kräuterpädagogin und Heilpraktikerin. 

Früheres Gefängnis: Unter anderem im Tylenturm wurden Menschen während der Hexenverfolgung eingesperrt

In Korbach wurde besonders schlimm gefoltert, sagt Hein. „Deshalb musste sogar eine Strafe an den Grafen von Waldeck gezahlt werden.“ Doch nicht jedes Opfer knickte ein. Wer nicht gestand, wurde unter Umständen gebrandmarkt und des Landes verwiesen. Auch die Ohren wurden ihnen abgeschnitten und an den Pranger genagelt. Angebliche Hexen wurden wohl am Waldecker Berg verbrannt. Wie im Fall von Gertrud Paggels 1642 aber erst, nachdem sie enthauptet wurde. „Die Verbrennung nach der Enthauptung sollte die Leiche bestrafen“, erklärt Hein. 

Verdächtig machten sich bereits Frauen, die die sogenannte Pappelsalbe nutzten, sagt Stremme. Dort waren viele Kräuter enthalten, die zu Halluzinationen führten, wenn man sich damit eincremte. Die Nutzer träumten beispielsweise, sie würden mit einem Besen fliegen – so sei die Vorstellung entstanden, dass Hexen auf Besen fliegen. In Waldeck wurden zwischen 1514 und 1678 rund 200 Menschen hingerichtet, allein 78 im Raum Bad Wildungen. 

Info: Die Führung am Sonntag ist ausgebucht. Regulär findet sie einmal im Jahr statt, immer zur Walpurgisnacht. Gruppen können auch eine gesonderte Führung buchen. Infos gibt es beim Bürgerbüro unter Tel. 05631 / 53232. Infos zur Hexenverfolgung gibt es auch im Stadtarchiv der Hansestadt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare