Ökumenische Alphornmesse auf dem Willinger Ettelsberg mit Gästen aus aller Welt

Hier ist Gott in unserer Mitte

Hand in Hand: In der ersten Reihe sitzen der Auslandsbischof der EKD, Martin Schindehütte, Dr. Agnes Abuom (anglikanische Kirche von Kenia), Dr. Magali do Nascimento Cunha (methodistische Kirche von Brasilien), Bischof Anba Damian (koptisch-orthodoxe Kirche), Bischof Samuel Robert Azariah (Kirche von Pakistan), Erzbischof und Metropolit Dr. Nifon Mihaita (rumänisch-orthodoxe Kirche) und Pfarrer i. R. Johannes Klocke. Fotos: Ulrike Schiefner

Willingen - Hand in Hand: Gastfreundschaft auf dem Ettelsberg: Tausende von Gästen kamen gestern zur Alphornmesse nach Willingen. Besondere Akzente bei der feierlichen Bergandacht setzten diesmal neben den vielen Musikanten rund 20 Bischöfe und prominente Kirchenvertreter aus aller Welt.

Beschwingter Empfang an der Seilbahn-Talstation: Die „Brassband of Brabant“ stimmt die Besucher auf die Veranstaltung ein, die zu den Höhepunkten im Willinger Veranstaltungsprogramm gehört. Am Morgen verhüllt dichter Nebel den Ettelsberg. Der Erzbischof der anglikanischen Kirche von Burundi, Bernard Ntahoturi, fühlt sich ein bisschen an die biblische Geschichte von Moses erinnert, der auf den Berg ging, um Gott zu begegnen.

Bischof Anba Damian (koptisch-orthodoxe Kirche), der seinen Sitz im koptischen Kloster in Höxter hat, ist total fasziniert: Er fährt zum allerersten Mal im Leben mit einer Seilbahn - aber sicher nicht zum letzten Mal. Er will demnächst vielleicht einmal mit den Kindern seiner Gemeinde ins Upland kommen.

Der Willinger Pfarrer Christian Röhling, der die Besucher zu einem Tag voller Musik und Freude willkommen heißt, bringt es auf den Punkt: „Hand in Hand sind wir heute hier zusammen: Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Konfessionen und unterschiedlicher Einstellungen zum Leben und zum Glauben - und doch alle Kinder Gottes.“

Der Auslandsbischof der EKD, Martin Schindehütte, weist auf die besondere Bedeutung Willingens für die ökumenische Bewegung hin. 1952 fand hier die Weltmissionskonferenz statt, nur sieben Jahre nach dem Ende des Krieges - „ein bewegendes und sichtbares Zeichen der Versöhnung.“

„So ähnlich mag es gewesen sein, als die Frauen, Männer und Kinder damals zu Jesus kamen, ihm an den Lippen hingen und alles vergaßen, was sie bedrückte und beschwerte“, vermutet der Bischof der evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein, mit Blick auf die Besucher. Er verdeutlicht der Berggemeinde in seiner Predigt, dass es nicht selbstverständlich ist, Hand in Hand zu gehen. „Eine Hand erhebt sich gegen die andere und ist zur Faust geballt. Unsere Freundinnen und Freunde aus der weltweiten Ökumene, die mit uns auf den Ettelsberg gekommen sind, können davon erzählen: von den blutigen Auseinandersetzungen in Ägypten, vom elenden Krieg in Syrien, von der Unterdrückung in Pakistan.“ Oft seien es gerade Christen, die am meisten zu leiden hätten.

Die Menschen auf dem Ettelsberg beten an diesem Sonntag Hand in Hand. „Wir vereinen uns zu einer großen Gemeinschaft unter Gottes Segen. Und wir spüren: Solidarität wird möglich. Wir stehen füreinander ein“, so Dr. Hein. Er zeigt sich zuversichtlich, dass die Zeit kommen wird, wo Christen auch gemeinsam vom Brot des Lebens essen und vom Kelch des Heils trinken können. „Und nicht nur das. Hand in Hand wird Gottes Vision für unsere Welt Wirklichkeit. Kriege und Unterdrückung, Hass und Gewalt kann es nicht mehr geben, wenn wir einander die Hände reichen und uns an unseren Händen halten.“ So entstehe Frieden, der Völker, Rassen, Religionen und Nationen verbinde.

Weihbischof Matthias König erinnert daran, dass viele wichtige Dinge auf Bergen stattgefunden haben: Auf dem Mosesberg, auf dem Berg Tabor, auf dem Berg der Seligpreisungen und schließlich auf dem Hügel Golgatha. „Berge waren für Christen und andere Religionen immer wichtige Orte der Gottesbegegnung.“ König ist überzeugt davon: „Hier ist Gott in unserer Mitte.“

„Wir möchten, dass die Melodie des Lebens fröhlich klingt und wir zur Versöhnung und zum Frieden beitragen“, betont Pfarrer Gisbert Wisse. Er bittet besonders für alle, die in den Krisengebieten der Welt unter Krieg, Schmerzen und Verfolgung leiden. Gemeinsam mit den ökumenischen Gästen stimmen die Besucher in das Vaterunser ein - ein jeder in seiner Sprache und ein feierlicher Höhepunkt dieses ökumenischen Gottesdienstes.

Wisses besonderer Dank gilt Hüttenwirt Siegfried von der Heide für die Organisation der Veranstaltung, den Bischöfen für das geistliche Wort und natürlich allen Musikern und Chören. Über 20 Alphorngruppen aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden und der Schweiz wirken mit. Die Dudelsackgruppe von Willie und Jose McVean ist an diesem unvergesslichen Tag wieder dabei, selbstverständlich auch die „Zwölf Räuber“, der Usselner Posaunenchor, der Musikverein Düdinghausen, die Willinger Schützenblaskapelle, die Bläsergruppe der waldeckischen Jägerschaft, die Brassband of Brabant und die Jagdhorngruppe „Diana“ aus Velbert. Zu den Mitwirkenden gehören darüber hinaus weitere musikalische Freunde von Hüttenwirt Siggi und diverse Überraschungsgäste. Dass sich der Schirmherr der Veranstaltung, Fürst Wittekind zu Waldeck und Pyrmont, Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke und zahlreiche Politiker das Ereignis ebenfalls nicht entgehen lassen, versteht sich fast von selbst. (bk)

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