Serie „Verborgene Schätze“: Keramikfunde vom Eisenberg im Bonhage-Museum Korbach

Museum Korbach: Hier werden Scherben zu Geschichte

Hunderte Pappkartons auf dem Dachboden des Bonhage-Museums sind mit Keramikscherben gefüllt. Peter Jatzko zeigt hier einen kleinen Einblick in das, was Dr. Jens Kulick an der Burg Eisenberg ausgegraben hatte.
+
Hunderte Pappkartons auf dem Dachboden des Bonhage-Museums sind mit Keramikscherben gefüllt. Peter Jatzko zeigt hier einen kleinen Einblick in das, was Dr. Jens Kulick an der Burg Eisenberg ausgegraben hatte.

Das Wolfgang-Bonhage-Museum in Korbach zeigt Hunderte Exponate, doch mindestens ebenso viele lagern in Depots hinter den Kulissen. In einer Serie stellen wir einige dieser verborgenen Schätze vor.

Noch ist der Großteil der Regalreihen auf dem Dachboden leer, doch eine Etage tiefer stapeln sich bereits Hunderte flache Pappkartons, die einsortiert werden sollen. Keramikscherben, die Geologe und Archäologe Dr. Jens Kulick in jahrelanger Arbeit am Eisenberg ausgegraben hatte, verbergen sich in den Kartons.

Bis vor einigen Monaten wurde der Dachboden des Museums nicht genutzt, nun wurde er ausgebaut und mit langen Regalen ausgestattet. Und die ersten Kartons haben dort bereits einen Platz gefunden. Jede einzelne Box ist fein säuberlich beschriftet, ebenso der Inhalt. „Alle Scherben wurden gereinigt, bestimmt, fotografiert und katalogisiert“, sagt Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen.

Keramik aus der Zeit zwischen 13. und 18. Jahrhundert

Bis alle Keramikstücke ihren Platz auf dem Dachboden gefunden haben, wird es noch lange dauern. Zwar hatte der Burg Eisenberg-Entdecker Kulick manches bereits beschriftet und Bedeutendes bereits in einer Ausstellung gezeigt, doch der größte Teil ist noch unbearbeitet.

Bei deren Bestimmung unterstützt Archäologin Dr. Marion Roehmer das Museum, eine Expertin für Keramik. Sie schaut sich jedes einzelne Teil an und versucht, es zeitlich zu bestimmen, erklärt Völcker-Janssen. Dies sei nicht immer leicht, da oftmals Vergleichsmöglichkeiten fehlten. Auch viel Recherche sei nötig, beispielsweise in anderen Museen. Die gesamte Keramik, die an der Burg gefunden wurde, stamme aus der Zeit zwischen dem 13. und etwa dem 18. Jahrhundert.

Wo es hergestellt wurde, könne die Expertin ebenfalls bestimmen. Und das ist aus einem bestimmten Grund wichtig, denn an der Qualität der benutzten Keramik „bemisst sich auch die Bedeutung eines Grafenhauses.“

Beim Sichten der Scherben stößt Roehmer dabei immer wieder auf Spannendes und Neues. So entdeckte sie ein paar Fragmente von Fliesen, von denen ihr schnell klar war, dass sie zusammengehören mussten. Blaue, sich ergänzende Muster zogen sich über ein paar Brocken. Sie zog einen weiteren Experten hinzu, der Rat wusste: Die Fliesen waren Delfter Kacheln. Auch wusste er, was das komplette Bild einstmals wohl zeigte: Eine lebensgroße Figur aus der griechischen Mythologie, wahrscheinlich Achilleus. Zu sehen sind ein Abzug des lebensgroßen Bildes und die gefundenen Kacheln derzeit auch in der Sonderausstellung „Glanzstücke“, in der das Lebenswerk von Dr. Jens Kulick im Fokus steht.

„Das alles hatten wir bislang nicht gewusst über die Burg“, sagt Völcker-Janssen. Möglicherweise hingen in dem alten Gemäuer auch mehrere solcher Abbilder. Weitere Untersuchungen könnten das zutage fördern. Auch Speisereste wie Knochen und ausrangierte Gegenstände finden sich immer mal wieder in den Schachteln. „Daran könnten wir sehen, was bei den Grafen auf den Tisch kam“, sagt der Archäologe und Historiker. Im Allgemeinen wisse man das natürlich mittlerweile, nicht aber von den Bewohnern auf dem Eisenberg.

Über die Burg sei insgesamt wenig bekannt, lediglich zwei Führungsblätter und einige Aufsätze würden Auskunft geben. Deshalb sei es eine der Hauptaufgaben von Museen, Stücke nicht nur in der Öffentlichkeit zu zeigen, sondern auch zu sammeln, zu bewahren und zu erforschen, sagt der Museumsleiter. Das Museum plant, in einiger Zeit eine Publikation zur Burg Eisenberg und den Ausgrabungsfunden herauszugeben. Wenn der Öffentlichkeit auch der Großteil der Fundstücke verborgen bleibt – die Erkenntnisse kann dann jeder nachlesen.

Von Julia Janzen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare