Grenzstein-Museum bei Herzhausen eröffnet

Historische Steine zeugen von Freiheit

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Vöhl - Herzhausen - Grenzen trennen, aber sie verbinden auch: Den Beweis liefern Friedrich Hoffmann und die Mitglieder des Geschichtsvereins Itter-Hessenstein seit Samstag. Bei Herzhausen eröffneten sie das „Historische Grenzstein-Museum Waldeck-Frankenberg“.

Ein kleines Holzhaus mit einem Vorgarten, in dem rund ein Dutzend alter Grenzsteine ein Zuhause gefunden haben: Im Vergleich zum modernen Nationalpark-Zentrum in der Nachbarschaft wirkt das Grenzstein-Museum auf den ersten Blick etwas unscheinbar. Auf den zweiten Blick wird dem Besucher dafür umso klarer, dass engagierte Bürger wie Friedrich Hoffmann und seine Mitstreiter auch mit kleinen Mitteln große Geschichte(n) erzählen können (WLZ-FZ, 18. April).

„Dieses Museum möchte einen Beitrag zur heimatlichen Territorialgeschichte leisten“, betont Friedrich Hoffmann bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste am Samstagnachmittag. „Heimatgeschichte theoretisch zu betreiben, war aber von jeher für mich ein Gräuel“, begründet der Obmann für historische Grenzsteine, der zugleich dem Vorstand des Geschichtsvereins Itter-Hessenstein angehört, seine Initiative.

Als Hoffmann zum 750-jährigen Bestehen seines Heimatortes Herzhausen zusammen mit seiner Frau einen Grenzbegang vorbereitet, entsteht die Idee, alle Grenzsteine der ehemaligen Herrschaft Itter zu erwandern. Erkenntnis: „Eine Landkarte ist ein schönes Dokument, ein Grenzstein ist jedoch ein zeitgeschichtliches Denkmal, das man anfassen kann, und das in der Natur auf Land und Herrscher hindeutet.“

Wenig später habe Friedrich Hoffmann ihm die Idee, ein Grenzstein-Museum zu eröffnen, präsentiert, erinnert sich Vöhls Bürgermeister Harald Plünnecke in seinem Grußwort. Für ihn sei es selbstverständlich gewesen, das Projekt zu unterstützen, denn „nicht nur als Bürgermeister, sondern auch als Bürger bin ich stolz auf Vöhls Geschichte“.

Um Tourismus und Heimatgeschichte zusammenzuführen, verständigten sich die Beteiligten laut Plünnecke auf den Standort unterhalb des Nationalpark-Zentrums. „Ihr haltet die Geschichte wach und leistet damit einen wichtigen Beitrag für die Nachwelt“, gratuliert der Rathauschef dem Team um Friedrich Hoffmann - verbunden mit dem Versprechen, derartige Vorhaben auch in Zeiten knapper Kassen zu fördern.

Dr. Klaus Wendt, Vorsitzender des Waldeckischen Geschichtsvereins, dankt den Initiatoren dafür, dass „herrenlose Grenzsteine ein festes Domizil gefunden haben und besichtigt werden können“. „Es wird deutlich, dass wir in einer Gegend mit früher drei Landesgrenzen leben“, erklärt der Experte.

Die Situation zwischen Hessen-Darmstadt, Waldeck und Hessen-Kassel hatte Hoffmann bereits bei seiner Begrüßung kurz skizziert. Allein Höringhausen, das zu Hessen-Darmstadt gehörte, hatte laut Hoffmann rund 170 hessisch-waldeckische Grenzsteine. „Hinzu kamen Gemarkungs- und Jagdgrenzen“, erklärt Wendt und verweist auf die waldeckische Landordnung aus dem 16. Jahrhundert. Sie enthält zum Beispiel das Gebot, die Grenzen durch Schnadezüge zu sichern. „Grenzsteine markieren also Territorien, aber sie können getreu des Satzes ,Ich bin der Nachbar von‘ auch verbinden“, hebt Wendt hervor und resümiert: „Diese Monumente der Erinnerung sind es wert, aufgehoben und präsentiert zu werden.“ Er hoffe auf zahlreiche Steinspenden.

„Im Museum werden jedoch nur Steine aufgenommen, von denen man nicht mehr weiß, wo sie einst gestanden haben, oder deren Existenz gefährdet ist“, stellt Hoffmann klar. Ein Beispiel: Stehe ein Stein inmitten einer landwirtschaftlichen Fläche, könne der Landwirt beim Amt für Bodenmanagement in Korbach einen Antrag auf Entfernung und Aufnahme in das Museum stellen.

„Dieses Museum ist die Krönung der jahrzehntelangen Fürsorge für unsere Schätzchen“, erklärt Walter Sellmann (Allendorf, Eder) im Namen aller Obleute für historische Grenzsteine. Als Dank für den ehrenamtlichen Einsatz der Vöhler und als Symbol für die gemeinsame Leidenschaft überreicht er das Bruchstück eines Grenzsteins, der im 18. Jahrhundert im oberen Edertal gestanden hat.

„Die historischen Grenzsteine bilden sichtbare Territorialgeschichte und lehren uns, dankbar zu sein, dass wir nach zwei furchtbaren Weltkriegen in Frieden und Freiheit leben dürfen“, fasst Hoffmann - verbunden mit dem Dank an alle Förderer des Museums - zusammen. Besonders stolz ist er, dass zwei Grenzsteine „aus der Todeszone der ehemaligen DDR“ von der Freiheit im vereinten Deutschland zeugen.

Nach einer kurzen Erläuterung zur Ausstellung nehmen die Gäste das kleine, aber feine Museum begeistert in Augenschein. Vor Ort sowie bei Kaffee und Kuchen im Nationalpark-Zentrum stehen Friedrich Hoffmann und Volker König, Vorsitzender des Geschichtsvereins Itter-Hessenstein, Rede und Antwort. Die Eröffnung klingt mit einem Vortrag des pensionierten Archivrats Armin Sieburg (Marburg) zur Territorialgeschichte aus.

Das Außengelände des Museums steht jederzeit offen. Wer sich für eine Führung interessiert, meldet sich bei Friedrich Hoffmann unter Telefon 05635/8482, E-Mail: friedrich.o.hoffmann@t-online.de

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