Interview mit Dr. Arved-Winfried Schneider, Ärztlicher Direktor im Stadtkrankenhaus Korbach

Hitze kann Leben gefährden

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Wirksame Maßnahmen, um Hitzebeschwerden vorzubeugen: Kopfbedeckung und viel Trinken.  

Hitze strengt an, strapaziert Körper und Geist. Ernstzunehmende Gesundheitsschäden und Krankheits-Symptome können die Folge sein. Dann ist schnelles Handeln erforderlich, sagt Dr. Arved-Winfried Schneider, der Ärztliche Direktor im Stadtkrankenhaus Korbach.      

Dr. Arved Winfried Weiß, Ärztlicher Leiter und Direktor am Stadtkrankenhaus Korbach.

Welche durch Sommerhitze verursachten Beschwerden und Erkrankungen treten besonders häufig auf?

Dr. Schneider: Besonders ältere Menschen, chronisch Kranke und Kleinkinder werden von Hitze im hohen Maße beeinflusst. Studien zeigen: An warmen Tagen machen aufgrund von Konzentrationsverlust 63 Prozent aller Unfälle aus – an kälteren Tagen sind es nur 47 Prozent. Doch auch insgesamt nimmt die Anzahl der Unfälle an solchen Tagen zu, was mit einem aggressiverem Fahrverhalten zu tun hat. Neben Konzentrationsverlust kann die Sommerhitze aber auch zu körperlichen Einschränkungen führen.

Dr. Arved-Winfried Schneider, Ärztlicher Direktor im Stadtkrankenhaus Korbach. 

Grundsätzlich sollten alle Personen ihr Verhalten an hohe Temperaturen anpassen, um Gesundheitsschäden rechtzeitig vorzubeugen. Die Einwirkung großer Hitze führt zu einem Flüssigkeitsverlust des Körpers. Zusätzlich erweitern sich die Blutgefäße in der Peripherie des Körpers. Beides führt zu Fehlregulationen des Herz-Kreislauf-Systems. Folge davon sind Schwächegefühl, Schwindel und Kollapszustände. Darüber hinaus kommt es häufig zum Auftreten von Kopfschmerz. Dies ist verstärkt der Fall, wenn Menschen sich ohne Kopfbedeckung in der Hitze aufhalten.

Welche Therapien wenden Sie an?

Dr. Schneider: Entscheidend ist der Flüssigkeitsersatz durch Infusionslösungen, die im Extremfall auch gekühlt angewendet werden können. Daneben ist die äußere Abkühlung des Patienten eine wichtige Maßnahme. Die übrige Therapie richtet sich nach den im Einzelfall im Vordergrund stehenden Symptomen.

In welchen Fällen kann es lebensgefährlich werden?

Dr. Schneider: Lebensgefahr besteht, wenn ein Hitzschlag vorliegt. In diesem Fall ist der Körper nicht mehr in der Lage, eine normale Körpertemperatur aufrecht zu halten und es kommt zu Anstiegen bis auf über 40 Grad. Dieser Zustand geht mit einer, den ganzen Körper betreffenden Entzündungsreaktion einher, die zu einem Versagen vieler Organe wie Nieren, Leber und Lunge führen kann.

Darüber hinaus kommt es auch zum Auftreten von Halluzinationen und Krämpfen. Erfolgen bei einem Hitzschlag die therapeutischen Maßnahmen wie Flüssigkeitsersatz und Abkühlung des Betroffenen nicht rechtzeitig, sind schwere Schädigungen bis hin zum Tod möglich.

Welche Risikofaktoren gibt es für hitzebedingte Beschwerden?

Dr. Schneider: Zum einen sind besonders ältere Menschen von der Hitze bedroht. Dies liegt zum einen an dem reduzierten Durstgefühl vieler älterer Menschen. Darüber hinaus bestehen bei den Senioren gehäuft Erkrankungen, die für eine Herz-Kreislauf-Fehlfunktion anfällig machen. Dazu tritt noch die Einnahme von Medikamenten wie Blutdrucksenkern, die bei Flüssigkeitsentzug verstärkt wirken. Weiterhin mindern Medikamente wie Parkinson-Mittel und bestimmte Herz-, Kreislaufmedikamente, wie ACE-Hemmer das Durstgefühl.

Einem besonderen Risiko sind aber auch Menschen ausgesetzt, die in der Hitze Ausdauersport betreiben, oder aus beruflichen Gründen einer extremen Hitzebelastung ausgesetzt sind.

Kann man Beschwerden und Erkrankungen durch Hitze vorbeugen?

Dr. Schneider: Am wichtigsten ist das ausreichende Trinken. Wenn nicht besondere gesundheitliche Gründe dagegen sprechen, sollten mindestens 2,5 l bis 3 l täglich getrunken werden. Ist man zusätzlich körperlich aktiv, so steigt der Flüssigkeitsbedarf zum Teil erheblich. Darüber hinaus sollte die Bekleidung an die Temperaturen angepasst sein.

Bei Aufenthalt in der Sonne sollte eine Kopfbedeckung getragen werden, die Haut sollte durch die Anwendung von Sonnencreme geschützt werden.

Weiterhin ist für ein erträgliches Raumklima zu sorgen. Dazu sollten die Fenster nachts und insbesondere am frühen Morgen geöffnet werden, wenn die Außentemperaturen am niedrigsten sind. Tagsüber sollten Fenster und Jalousien geschlossen sein, um ein Aufheizen durch direkte Sonneneinstrahlung oder die warmen Luftmassen zu vermeiden. Sportliche Aktivitäten sollten bei Hitze in die kühlen Morgenstunden verlegt werden.

Was sollte man an heißen Tagen beim Essen beachten?

Dr. Schneider: Man sollte schwere Gerichte und fettreiche Kost vermeiden. Besser sind mehrere kleine und leichte Mahlzeiten mit Gemüse, Salat und Obst.

Welche Getränke sind empfehlenswert?

Dr. Schneider: Geeignet ist insbesondere Mineralwasser, aber auch Tee. Alkoholische Getränke sollten vermieden werden, da der Alkohol, wie die Hitze selbst, die Blutgefäße in der Körperperipherie weitstellt und somit zu einem Hitzekollaps beitragen kann. /Achim Rosdorff

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