Soroptimistinnen fördern mit „Kulturhäppchen“ soziale Projekte

Hochgesteckte Ansprüche voll erfüllt

Korbach - Gutes tun und es sich dabei gut gehen lassen, das ist das Motto der „Kulturhäppchen“, in deren Verlauf die Besucher auch mitbekommen, welche Initiativen mit den Mitteln gefördert werden, die der Soroptimist-Club das Jahr über gesammelt hat.

Die fünfte Auflage der „Korbacher Kulturhäppchen“ wurde mit maßgeblichen Mitteln für die Fortsetzung von zwei wichtigen sozialen Projekten in Korbach und einer absoluten Premiere auf der Bühne einmal mehr den selbst gesteckten hohen Ansprüchen gerecht. Für die im Vorjahr finanziell mit angeschobenen „Treffpunkt-Kids“ wurde die Förderung fortgesetzt. Nun kann eine zweite Generation von Kindern altersgerecht auf den Alltag mit einem erkrankten Elternteil eingestellt werden und zugleich Normalität ohne die Belastungen der Häuslichkeit erleben. Für die „Treffpunkt-Kids“ der ersten Generation wurde darüber hinaus ein Angebot geschaffen, so Dr. Andreas Rauscher. Er verwies erneut auf den Teufelskreislauf bei psychischen Erkrankungen. Für die Prävention gebe es keine öffentliche Förderung, sondern nur für den klinischen oder medizinischen Ernstfall, der sich bei entsprechender Arbeit mit den Kindern vermeiden ließe. Mit dem kompletten Ausstieg der Landeskirche aus dem Integrationsprojekt MIT (Migration – Integration – Teilhabe) schien ein wesentlicher Bestandteil der Korbacher Willkommenskultur vor dem Aus, doch zahlreiche Spender ermöglichten Lydia Oswald und Natalja Schens die Fortsetzung ihrer Arbeit. Die Spende der Soroptimistinnen sei gewissermaßen das „Tüpfelchen auf dem I des Etats für 2015“. Damit sind die vier Säulen des Projekts (Sprachförderung, Sprachpaten, Teilnahme von Menschen mit Migrationshintergrund am kulturellen und geselligen Leben auf Augenhöhe) für ein weiteres Jahr gesichert. Setzen die Soroptimistinnen bei der Förderung durchaus auf Kontinuität, so schlagen die im sozialen Bereich und im Business erfolgreichen Frauen gerade im kulturellen Bereich gern jedes Jahr ein neues Kapitel auf, auch wenn bislang Künstler oder Ensembles verpflichtet wurden, die ihre Visitenkarte schon mehr als einmal in der Region abgegeben haben. Das Duo Schoplick und Kiessling entstand gewissermaßen über Nacht und eigens für den Anlass. Denn die kurzfristige Absage des durch eine Handentzündung außer Gefecht gesetzten Jazzgeigers und Mandolinenvirtuosen Hajo Hoffmann verwandelte den angekündigten Auftritt des Duos „Saitenwechsel“ in eine echte Premiere. Mit dem Ausfall des Partners musste Gitarrist Gereon Schoplick über Nacht nicht nur eine Saite auswechseln, sondern seine „Modern Acoustic Sounds“ komplett neu definieren. Im Sitarspieler und Liedermacher Stefan Kiessling aus Bad Zwesten fand sich ein versierter Einspringer, miteinander aufgetreten waren die beiden allerdings noch nie. Die ruhigere erste Hälfte bestand denn auch überwiegend aus Solostücken. Der Gitarrist eröffnete das Programm mit Lounge-Classics wie dem federnd-rhythmischen Bossa nova „Tarde em Itapo“ von Tarquinho, Ry Cooders munterer Version des Country-Klassikers „Great Dream of Heaven“ sowie der besinnlichen Eigenkomposition „Celio“, die mit einem heiteren Schlenker ausklang. Im weiteren Verlauf bezauberte Schoplick das Publikum mit lateinamerikanischen Rhythmen wie Baden Powells „Eurydike“ und dem kreiselnden „Wiegenlied“ von Leo Brouwer. Genesis-Fans dürften sich bei „End of the Season“ des Gründungsgitarristen Anthony Phillips, mit dem der erste zwölfsaitige Set ausklang, überaus wohl gefühlt haben. Sitarklänge sind immer noch für Erinnerungen an die Beatles gut. George Harrison integrierte klassische Ragas in seine Songs. Stefan Kiessling suchte sich auf seiner eigens für ihn in Indien angefertigten Sitar seinen eigenen Weg. Bei der einführenden Improvisation ließ er sich von den Stimmungen im Raum inspirieren und baute mittels eines ungewohnt tiefen und ruhigen Beginns eine Art harmonisches Urvertrauen auf. Dabei holte er ein anfänglich ziemlich gemischtes Publikum mit den 
 unterschiedlichsten Interessen zu einer gemeinsamen spirituellen Reise ab. Und schon bei den ersten Takten seiner Sitarfassung von Astor Piazzollas „Oblivion“ war das Publikum ganz Ohr. Bei den von ihm vertonten Liebesgedichten von Bertolt Brecht bot sich erneut Gelegenheit, genauer hinzuhören und sich auf klanggewordene Botschaften zwischen den Zeilen einzulassen. Insbesondere die Vertonung von „Komm auf ein Wort“ brachte viele gern überlesene Zwischentöne der echten Anteilnahme zum Klingen. Mit einem flotten Blues-Duo eröffnete das erstmalige und bislang einmalige Duo den zweiten Set. Mit seiner sanft eingestellten Version von George Gershwins „Summertime“ bezog Gereon Schoplick den Saal als schnipsende Rhythm-Section mit ein und forderte mit seiner Suite „Das Naturerbe im Wechsel der Jahreszeiten“ und der meditativ vertrackten „Mondnacht“ die volle Aufmerksamkeit der Zuhörer ein – auch die seines Mitspielers, denn Stefan Kiessling improvisierte seinen Part spontan dazu. Lockermacher wie humorvolle Variationen über „Alle meine Entchen“ sorgten immer wieder für heitere Mienen im Publikum.„Sie haben so toll in die Saiten gegriffen, das brauchen wir jetzt noch einmal“, lobte Monika Niederquell die letzte überaus dynamische Improvisation des Duos, das mit viel Vertrauen und Spielfreude in den Auftritt gegangen war. Die beiden Musiker entsprachen gern dem Wunsch der Vorsitzenden und bedankten sich ihrerseits für die Einladung und das Engagement der in den Projekten engagierten Menschen mit dem flotten Kehraus „Visions“, einer weiteren Eigenkomposition von Gereon Schop
lick. Von Armin Hennig

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