Nieder-Schleidern erinnert sich am Festwochenende an seine 700-jährige Geschichte

Von Hochwasser und Soldaten

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Korbach-Niederschleidern. - Es ist eine stürmische Geschichte, die hinter dem kleinen Dorf Nieder-Schleidern liegt: Vor 700 Jahren wurde „Inferiori Sleden“ zum ersten Mal erwähnt. Deswegen lädt der Festausschuss ab heute zum Feiern ein.

Das Blättern durch das Ortssippenbuch aus Nieder-Schleidern ist wie eine Reise in die Vergangenheit. „Am 31. Dezember 1763 hatte die Aar Hochwasser“, heißt es da, „sodass die Kirche unter Wasser stand.“ Und unter den Aufzeichnungen aus dem Siebenjährigen Krieg findet sich am 9. Juni folgende Notiz: „Die Franzosen sind hier ins Lager gerückt und eine Nacht geblieben. [...] Es war ein Lager von achttausend Mann, viertausend zu Fuß und viertausend zu Pferd.

Die Franzosen haben das Korn, welches in voller Blüte stand, abgemacht und verfüttert.“ Es ist die spannende Geschichte eines Dorfes, das seit jeher die Grenzland-Situation bestens kennt. Liegt der kleine Ort heute an der Grenze zwischen Hessen und Nordrhein-Westfalen, war es jahrhundertelang vor allem die Zugehörigkeit zur Freigrafschaft Düdinghausen, die die politischen Verhältnisse in Nieder-Schleidern prägte. Denn der Graf von Waldeck und das Erzbistum Köln kämpften stetig um den westfälischen Territorialbesitz. Mal sollten die Menschen die katholische, dann die evangelische Konfessionszugehörigkeit haben. So gibt es bis heute sowohl eine evangelische als auch eine katholische Kirche in dem 170-Seelen-Ort. 1663 kam die Wende: Die Grenzen wurden neu festgesetzt, die Freigrafschaft geteilt. Waldeck behielt Nieder-Schleidern, Eppe und Hillershausen, die übrigen Dörfer fielen an Kurköln. Der 350. Jahrestag der Teilung der Freigrafschaft fällt in das gleiche Jahr wie der 700. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes.

Und so haben die Schleiderner am Wochenende gleich doppelten Grund zum Feiern. Der Startschuss fällt bereits heute Abend mit einem Sternmarsch, der auf dem Dorfplatz mit der offiziellen Festeröffnung endet. Dort öffnet auch die neue „Grenzlandkelterei“ ihre Türen.

Der Festsonntag steht dann ganz im Zeichen der Festmeile „Treff“, die Trubel und Heiterkeit und Möglichkeiten zum Entspannen bieten will. So gehört auch ein Weg der Ruhe zum Angebot. Das komplette Programm finden Sie in der gestrigen Ausgabe der Waldeckischen Landeszeitung. (resa)

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