Korbach

Höhenflug mit profunden Tiefen

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- Korbach (ahi). St. Marien braucht dringend eine Orgel. Der MGV „Harmonie“ und der gemischte Chor „Eintracht“ sowie das Blechbläserensemble „100% holzfrei“ leisteten mit einem festlichen Frühjahrskonzert ihren wohlklingenden Beitrag beim Spendensammeln.

Im Gegenzug profitierten die Chöre ihrerseits nicht nur von der festlichen Atmosphäre unter der Apsis. So entlockte der Männergesangverein „Harmonie“ mit Telemanns Kanon „Ich will den Herrn loben“ der Kuppel einen vielstimmigen Widerhall, der den Eindruck Tausender Stimmen erweckte. Unmittelbar zuvor hatte das Ensemble unter der Leitung von Gabriele Wüstefeld beim inbrünstigen Spiritual „Oh my Lord“ Piano-Gesang erster Güte geboten. Mit Bruckners transzendenten Klangflächen setzten die Männer der „Harmonie“ zum mystischen Höhenflug mit seraphischen Höhen in süßestem Marienton über den profunden Tiefen an. Beim Abschluss des geistlichen Eröffnungsprogramms verschränkten sich Mittelalter und Moderne in der Taizé-Hymne „Bonum est confidere“ mit ihren gregorianischen Harmonien.

Einen starken optischen Eindruck hinterließ das im Rund verteilte Blechbläserensemble „100% holzfrei“ schon vor dem ersten Takt von Henry Purcells „Trumpet, Tune and Air“ in einem Arrangement, das Elgar Howarth einst für das Philipp-Jones-Brass-Ensemble geschrieben hatte. Eine hohe Messlatte, aber längst nicht der Gipfel an Schwierigkeiten, den hatten sich die acht Musiker für ihr nächstes Intermezzo aufgespart: eine Suite aus Händels Feuerwerksmusik mit den populären Sätzen Allegro, Adagio und dem Finale (Allegro).

Als „Brass-Pops“ bog das Ensemble zuletzt munter in die Penny Lane ein, bürstete das Beatles-Stück, das einst der Bach-Trompete zu frischem Ruhm verholfen hatte, gegen den Strich. Denn die melodische Hauptarbeit blieb der Posaune vorbehalten, die auch in John Philipp Sousas „Washington Post“ eine prominente Rolle einnimmt, jenem aus unzähligen Hollywood-Filmen bekannten Parademarsch.

Die noch bekanntere Tritsch-Tratsch-Polka von Johann Strauß folgte als klassischer Kehraus vor dem zweiten Auftritt der „Harmonie“, die mit dem Abendsegen aus „Hänsel und Gretel“ und dem Elvis-Schlaflied „Are you lonesome tonight“ eine harmonische wie inhaltlich gemeinsame Ebene zwischen E- und U-Musik fand. Für die anschließende „Eroberung des Paradieses“ blieb Gabriele Wüstefeld gleich am Pult, während ihre Männer in die zweite Reihe rückten, denn zum großen Finale und dem Vangelis-Hit mit der gesummten Eröffnung kehrte der gemischte Chor „Eintracht“ auf das Podium zurück.

Der einträchtige Auftritt der beiden Chöre, die dabei eine enorme harmonische Soggewalt entfesselten, dürfte den meisten Zuhörern im Gedächtnis bleiben.

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