Post und Gewerkschaft verhandeln · Kunden im Landkreis verärgert

Hoffen auf Einigung

Korbach - Ist endlich ein Ende in Sicht? Im Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Post und der Gewerkschaft Verdi wird seit Freitag wieder verhandelt. Kommt es am Sonntag zur Einigung, wird ab Montag die liegen gebliebene Post zugestellt.

Die Deutsche Post AG spricht davon, dass bundesweit 80 Prozent aller Briefe und Pakete fristgemäß ankommen. Für den Landkreis Waldeck-Frankenberg gilt das nicht: Einzelne Zustellbezirke werden schon seit Wochen bestreikt, liegen gebliebene Briefe und Pakete lagert die Post in einem ehemaligen Supermarkt in Sachsenhausen zwischen (wir berichteten). Bis auf Bad Wildungen, Edertal und Willingen sind alle Kommunen des Altkreises vom Streik betroffen. „Von 53 Arbeitsplätzen werden nach wie vor etwa 35 regelmäßig bestreikt“, sagt Karl-Friedrich Sude, Betriebsratsvorsitzender der Post-Niederlassung Kassel. Um die Folgen des Streiks in den Griff zu bekommen, hat die Post zuletzt in Korbach auch Sonntags Briefe austragen lassen. Der Logistikkonzern setzt außerdem bundesweit Beamte, Mitarbeiter aus der Verwaltung und Aushilfen ein, um den Stau abzubauen. Dennoch bleibt bei vielen Haushalten, Unternehmen und Behörden der Briefkasten leer. Sieglinde Rößner aus Diemelsee-Benkhausen, selbständige juristische Betreuerin, berichtet: „Seit vier Wochen bekommen wir in Diemelsee keine Post zugestellt. Darunter Rechnungen, Wochen- und Fachzeitschriften und vor allem viel wichtige und dringende berufliche Post. Bekannte warten auf wichtige Versicherungsunterlagen, andere auf neue Krankenkassen- und EC-Karten.“ Hoffnung macht die neuerliche Verhandlungsrunde zwischen Verdi und Post: „Wir hoffen alle, dass es zu einer Einigung kommt. Was passiert, wenn nicht, vermag ich noch nicht zu sagen“, so Sude. Die Gewerkschaft Verdi gerät unter zunehmenden öffentlichen Druck. Noch haben die Streikenden einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa zufolge die Sympathien der Mehrheit, doch die Stimmung droht zu kippen. Bei Sieglinde Rößner ist die Verärgerung bereits groß: „Ich habe viel Verständnis für die Forderungen der Post-Mitarbeiter, aber so geht es nicht.“ In Betrieben der Daseinsfürsorge hätten beide Tarifparteien in erhöhtem Maße die Pflicht zur Mäßigung und Kompromissbereitschaft. Rößner: „Die Post, Verdi und die streikenden Mitarbeiter verhalten sich unverantwortlich. So kann man mit Kunden, die für eine ordentliche Zustellung schließlich Porto bezahlt haben, nicht umgehen.“Eine Frage brennt der Betreuerin noch auf den Nägeln: „Und was wird, wenn der Streik endlich beendet ist? Kommen die dann mit einem Laster und kippen mir alles auf den Hof, oder geht das so nach und nach bis Weihnachten?“ Sude antwortet: „Meine Kollegen werden mit hohem Engagement und großer Motivation an die Aufarbeitung gehen. Ich vermute aber, dass diese mindestens genauso lange dauern wird wie der vorangegangene Streik.“

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