Inventur im Upländer Gemeindewald und Planung für die nächsten zehn Jahre

Holzproduktion, Naturschutz, Erholung

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Willingen - Ausgedehnte Wälder prägen das „Land der tausend Berge“. Sie sind Wirtschaftsfaktor, wichtiges Element im Bereich des Natur- und Landschaftsschutzes und Erholungsgebiet zugleich.

Für den Upländer Gemeindewald wurden jetzt im Rahmen der Forsteinrichtung die Rahmenbedingungen für die nächsten zehn Jahre abgesteckt. „Er soll weiterhin sehr professionell, verantwortungsbewusst und nachhaltig bewirtschaftet werden“, betont Bürgermeister Thomas Trachte. Er stellte gestern gemeinsam mit dem Leiter des auch für das Upland zuständigen Forstamts Diemelstadt, Forstdirektor Martin Klein, und Revierförster Michael Brüggemann die Ergebnisse der Bestandsaufnahme und die Zielsetzungen vor.

Größter Waldbesitzer im Bereich der Uplandgemeinde ist das Domanium, dem hier laut Bürgermeister Trachte gut zwei Drittel des Waldes gehören. Die Fläche des Willinger Gemeindewalds beläuft sich nur auf 249 Hektar, die sich auf neun Gemarkungen verteilen. Darüber hinaus gibt es noch Kleinprivatwald.

Eine Besonderheit im Upland: Der Anteil sogenannter „Nichtholzbodenflächen“ am Gemeindewald ist relativ hoch. Der Betrieb verfügt über gut 164 Hektar Baumbestandsfläche und über 84 Hektar Nebenflächen. Darin sind Wege enthalten, vor allem jedoch mehr als 70 Hektar Biotopschutzflächen. Besondere Bedeutung haben das Naturschutzgebiet am Kahlen Pön bei Usseln und die Heideflächen am Willinger Ettelsberg.

Fichte ist der Brotbaum

Der Brotbaum der Upländer Waldbesitzer ist die Fichte. Im Gemeindewald entfallen auf diese Baumart 76 Prozent der Fläche. Buchen machen 16, Kiefern und Lärchen acht Prozent aus. „Fichten finden hier paradiesische Bedingungen“, wirft Forstdirektor Martin Klein einen Blick auf die hohe Feuchtigkeit und die niedrigen Temperaturen. Die Niederschläge im Upland betragen 800 bis 1200 Millimeter, auf den Bergen bis zu 1400 Millimeter im Jahr, die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur liegt bei 6,5 Grad. Der Forstamtsleiter geht davon aus, dass die Region neben der Rhön das einzige Gebiet in Hessen ist, wo man auch in 50 Jahren noch erfolgreich mit Fichten arbeiten kann.

Die Gemeinde setzt auf eine nachhaltige Bewirtschaftung ihrer Wälder; es soll also höchstens soviel Holz geerntet werden wie nachwächst. Die Planungen lassen sich natürlich nicht immer umsetzen; die Verwirklichung kann durch Naturereignisse wie den Orkan „Kyrill“ oder Borkenkäferbefall stark beeinträchtigt werden.

Hiebsatz wird verringert

So belief sich die Gesamtnutzung im Upländer Gemeindewald in den vergangenen zehn Jahren auf 20906 Erntefestmeter und war damit doppelt so hoch wie eigentlich vorgesehen. Im kommenden Jahrzehnt soll der Hiebsatz von 1048 auf 906 Erntefestmeter pro Jahr verringert werden. Er liegt damit deutlich unter dem Zuwachs.

Es sollen folgende Verjüngungen ausgeführt werden: 12,3 Hektar Fichte, 7,6 Hektar Douglasie, 5,2 Hektar Buche und 1,8 Hektar Edellaubbäume. Bei Buche und Fichte soll möglichst die natürliche Verjüngung Vorrang haben.

Zahlen im Vergleich

Erfreulich für den Gemeindehaushalt: Nach Abzug des Aufwands wird sich das zu erwartende jährliche Ergebnis voraussichtlich auf rund 15000 Euro belaufen. „Es geht uns aber nicht nur um den Holzertrag“, versichert Bürgermeister Trachte. „Ganz wichtig sind uns die Naturschutz- und die Erholungsfunktion des Waldes.“

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Vergleich zwischen dem Upländer Gemeindewald und allen vom Hessen-Forst betreuten Waldungen. Beim Gemeindewald entfallen auf sage und schreibe 47 Prozent der Flächen Natur- und Landschaftsschutzfunktionen; landesweit sind es nur neun Prozent. Der Erholungsfaktor spielt im Upland sogar auf 67 Prozent, hessenweit aber nur auf 36 Prozent der Fläche eine besondere Rolle. Bei 33 Prozent der Gemeindewaldflächen, aber nur zehn Prozent aller vom Hessen-Forst betreuten Wälder handelt es sich um „Natura2000“-Gebiete. Der Wasserschutz hingegen nimmt im Upländer Betrieb lediglich einen Anteil von zwölf Prozent ein, liegt landesweit jedoch bei 42 Prozent.

Forstamtsleiter Martin Klein und Revierförster Michael Brüggemann machen darauf aufmerksam, dass es in der Tourismushochburg nicht immer ganz einfach ist, alle Anliegen unter einen Hut zu bringen. Normalerweise wird Holz im Winter geerntet; im Upland geht das jedoch nicht aufgrund der Skilangläufer. Nach den Pflanzaktionen im April erfolgt der Einschlag hier in der Regel erst von Mai bis November, in einer Zeit also, in der die Wanderer in den Wäldern unterwegs sind.

Gute Zusammenarbeit

„Wir bemühen uns gemeinsam, Konflikte möglichst zu vermeiden“, so Bürgermeister Thomas Trachte. Der Willinger Verwaltungschef würdigt in diesem Zusammenhang die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Forstamt Diemelstadt und mit der Domanialverwaltung, deren Wälder ebenfalls vom Hessen-Forst betreut werden. (bk)

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