Vöhl

Als Honig so viel wert war wie eine Kuh

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- Vöhl-Herzhausen (as). Einen spannenden Rückblick in ihre lange Geschichte warfen die Mitglieder des Imkervereins Herzhausen und Umgebung zu ihrem 110. Geburtstag. Während der Jubiläumsfeier ehrten sie auch Hermann Buckert.

Es gab Zeiten, da war ein Bienenvolk so viel Wert wie eine Kuh. Das ist inzwischen fast 600 Jahre her, in seinem geschichtlichen Rückblick zum runden Geburtstag des Imkervereins Herzhausen und Umgebung warf Vereinsvorsitzender Horst Emde-Stein aber gerne einen Blick zurück in längst vergangene Zeiten. Weil Honig vor dem Triumphzug von Zuckerrohr und Zuckerrübe als einziges Süßmittel galt, wurde die Arbeit der Imker sehr geschätzt. Auch Wachs sei damals vor allem für Kerzen gebraucht worden und von hoher Bedeutung gewesen. „Darum genossen die Zeidler, wie die Imker früher auch hießen, besondere Rechte und Schutz bei den Obrigkeiten“, erinnerte Emde-Stein.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erkannte Pfarrerssohn Konrad Sprengel dann, dass die Imkerarbeit einen weiteren wichtigen Dienst für die Natur leistet: Bienen erledigen bis zu 80 Prozent der Bestäubung der Blüten. Wo eine ausgewogene Bestäubung herrscht, so fand er heraus, seien höhere Erträge in der Landwirtschaft zu erwarten. „Maria Theresia und Friedrich der Große haben weitsichtig gehandelt“, lobte der Vorsitzende des Imkervereins. Erstere habe Schulen für die Bienenzucht gegründet und der „alte Fritz“ habe die Zeidlerei in Preußen gefördert.

Von staatlicher Seite wurden Bezirksvereine gegründet, die von Apothekern, Förstern, Pfarrern, Beamten und vor allem von Lehrern begleitet wurden. Am 7. Juli 1901 trafen sich dann auch in Herzhausen mehrere Imker des Vöhler Raumes und gründeten einen Imkerverein. Während der Kriege mussten viele Imker an die Front und deren Völker darum von den Imkerkollegen betreut werden. 1953 wählten die Vöhler Imker dann einen komplett neuen Vorstand. Karl Höbel aus Harbshausen wurde damals zweiter Vorsitzender und später von 1982 bis 2000 erster Vorsitzender und Walter Zarges ist seither Schriftführer – seit 58 Jahren. Heinrich Heinze aus Frankenau wurde erster Vorsitzender.

Mit ihm kamen viele Mitglieder aus Frankenau hinzu. Seit zehn Jahren leitet nun Horst Emde-Stein die Geschäfte. „Erfreulicher Weise haben sich inzwischen auch einige junge Leute gefunden, die das Imkerhandwerk pflegen“, lobte Emde-Stein. Der Vorsitzende des Kreisimkerverbandes, Hermann Simon, gratulierte den Vöhlern zu ihrem runden Geburtstag. Er erinnerte daran, wie Karl Höbel Ende der 90er Jahre erklärte, er wolle den Vorsitz nach fast 20 Jahren abgeben. Weil es keinen Nachfolger gab, sei damals vorgeschlagen worden, den Vöhler Verein in den inzwischen selbstständigen Frankenauer Verein zu integrieren. „Die Beitrittserklärungen waren schon gedruckt“, erinnerte sich Simon, „als Höbel doch noch jemanden fand“. Simon freute sich über den Einsatz von Horst Emde-Stein, der inzwischen seit elf Jahren an der Spitze der Vöhler Imker wirkt.

Für seine Treue zu den Imkern und seine Verdienste wurde Hermann Buckert aus Schmittlotheim geehrt. Er gehört seit 66 Jahre zum Verein, war 29 Jahre zweiter Vorsitzender. Er habe den Vorsitzenden oft sehr gut in seiner Arbeit vertreten und ergänzt. Er hat schon vom Landesverband die Abzeichen in Bronze und Silber bekommen und ist Ehrenmitglied im Verein.

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