Mobilität in Innenstädten

Autospuren werden zu Radwegen: Korbacher Unternehmen Horizont stellt sein Verlegesystem vor

Mit wenig Aufwand entsteht so ein Radweg: Horizont stellt an der Briloner Landstraße in Korbach das Verlegesystem für den „Pop Up Bike Lane“ vor.
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Mit wenig Aufwand entsteht so ein Radweg: Horizont stellt an der Briloner Landstraße in Korbach das Verlegesystem für den „Pop Up Bike Lane“ vor.

Seit Corona kaufen die Deutschen Räder wie nie zuvor. Um auf den plötzlichen Boom zu reagieren, entstehen in vielen Innenstädten mobile Radwegesysteme, den sogenannten „Pop Up Bike Lanes“. Das Korbacher Unternehmen Horizont will mit einem eigenen flexiblen Verlegesystem diesen Markt erobern.

  • Seit Corona steigen viele auf das Fahrrad um.
  • Mit Pop Up Bike Lanes reagieren die Städte auf den Boom.
  • Das System des Korbacher Unternehmens Horizont wird schon in New York und Frankfurt benutzt.

Autofahrern werden die Schwellen mit den kleinen rot-weißen Baken entlang des Kinos in der Briloner Landstraße aufgefallen sein: Horizont hat das hauseigene Verlegesystem dort aufgebaut, um einen Werbefilm für das Produkt zu drehen. „Die Schwellen bleiben auch noch ein bis zwei Wochen dort liegen“, erklärt Holger Fissmann, zuständig fürs Marketing im Unternehmen.

Die Schwellen sind keine neue Erfindung: Bereits seit Jahrzehnten werden die Horizont-Produkte beispielsweise an Autobahnbaustellen eingesetzt, um die Fahrbahnen zu verengen. „Das System ist robust und liegt stabil und zuverlässig auf dem Asphalt, ohne mit dem Untergrund verschraubt zu werden“, erklärt Vetriebsleiter Florian Schmoll. Vorteil: Der Untergrund bleibt intakt und der Aufbau lässt sich rückstandlos wieder entfernen.

In Städten mangelt es an Platz für neue Radwege

In der Corona-Krise rückt aber eine andere Anwendung in den Vordergrund: Immer mehr Menschen meiden den öffentlichen Nahverkehr und steigen aufs Fahrrad um. Das Problem ist allerdings, dass die Städte nicht für diesen Verkehr gebaut wurden, es also an Platz mangelt. Die Lösung suchen immer mehr Kommunen in temporären Fahrradwegen, um die Situation an neuralgischen Punkten zu entschärfen, den „Pop Up Bike Lanes“, was sich mit einigen Verrenkungen als „plötzlich auftauchende Radwege“ übersetzen ließe.

Erste Erfolge hat Horizont auf diesem Markt schon erzielt: „Bereits in New York, Amsterdam und in Frankfurt ist unser System im Einsatz“, sagt Fissmann. Die einzelnen Schwellen lassen sich einfach verbinden, sind etwa ein Meter lang, wiegen 18 Kilogramm und werden aus recycelten Kabelresten hergestellt. Die Kanten sind so gestaltet, dass die Schwellen nicht verrutschen, wenn ein Auto darüber fährt. Außerdem liegen sie mit rutschfesten Noppen auf dem Boden auf.

Die „Leitboy“ genannten Minibaken sind flexibel und richten sich einfach wieder auf, wenn ein Reifen über sie rollt. „Die Leitschwelle bleibt deshalb im Notfall überfahrbar, sodass zum Beispiel bei einem Unfall die Rettungskräfte nicht nur einen direkten Zugang zu dem Verunfallten haben, sondern darüber hinaus auch den fließenden Verkehr nicht behindern“, erklärt Schmoll.

Bei Radfahrern stößt das System von Horizont auf hohe Akzeptanz

Während einige Städte ihre „Pop-Up“-Radwege mit simplen Markierungen auf der Straße einrichten, bietet das System mit den Schwellen und den „Leitboys“ eine zusätzliche optische Barriere. Das erhöht das Sicherheitsgefühl und die Akzeptanz bei den Radfahrern. Das habe der Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) bereits bei ähnlichen Systemen festgestellt, sagt Fissmann.

Zwar plant die Stadt Korbach grundsätzlich auch an einem Radweg in der Briloner Landstraße, doch der „Pop Up Bike Lane“ vor dem Kino wird nach den Dreharbeiten für den Werbefilm vorerst wieder abgebaut.

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