Jugendherberge wirbt um Familien und Seminargruppen · 8000 Gäste und 21 000 Übernachtungen im Jahr

Wie im Hotel, nur ohne Doppelbetten

Korbach - Die Jugendherberge hat sich als feste Größe im touristischen Angebot der Kreisstadt etabliert. Die Übernachtungszahlen liegen konstant auf hohem Niveau. Der Anteil von Familien und Einzelreisenden nimmt weiter zu.

Mehr als 8000 Gäste haben die von Rebekka Rieth-Figge geführte Herberge im vergangenen Jahr besucht. Mit 21 000 Übernachtungen liegt die Filiale des Deutschen Jugendherbergswerkes nach wie vor ganz vorn in der Fremdenverkehrsstatistik der Stadt. „Dieses Niveau werden wir in diesem Jahr sicherlich wieder erreichen“, betont die Betriebsleiterin. Künftig komme es allerdings darauf an, weitere Standbeine zu entwickeln, um damit neue 
Gästesegmente zu erreichen.

Sinkende Schülerzahlen einerseits und Konkurrenz-Angebote wie „eine Woche Türkei für 500 Euro“ andererseits grenzen den Markt ein, auf dem sich die Jugendherbergen mit Zimmerpreisen zwischen 22 und 29 Euro zuzüglich des obligatorischen Mitgliedsbeitrags (12,50 bis 21 Euro pro Jahr) behaupten müssen. „Das Geld wird knapper: Das merken wir etwa daran, dass bei 200 Euro mittlerweile die Schmerzgrenze für eine fünftägige Klassenfahrt liegt – und da muss die Busfahrt schon mit drin sein“, beschreibt Rebekka Rieth-Figge die Situation. Entsprechend gewinnen die Zielgruppen Erwachsene und Familien an Bedeutung. Um sowohl der wirtschaftlichen Ausrichtung als auch dem pädagogischen Anspruch gerecht zu werden, will die Leiterin den Anteil der Tagungsgäste erhöhen. Denn Verbände und Kirchen, Parteien und Gewerkschaften hätten sich in vielen Fällen von bisher selbst unterhaltenen Objekten getrennt und suchten nach anderen Räumen für Seminare und Lehrgänge. Dafür böte das Gebäude an der Enser Straße beste Möglichkeiten. Im August 2010 hatten das Land Hessen, die Stadt Korbach und die Hospitalstiftung 1,3 Millionen Euro investiert, um das ehemalige Hospital von Grund auf zu modernisieren und auf Hotelstandard zu bringen. Jedes der 128 Zimmer für zwei, vier oder sechs Personen verfügt seither über eigene Dusche und Toilette.

Der knapp 50 Quadratmeter große Tagungsraum steht für Teambesprechungen, Weiterbildungen oder wie in der vergangenen Woche einer Gruppe von Absolventen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) in Pflegeberufen zur Verfügung. 22 Mitarbeiter, darunter zwölf Mini-Jobber, zwei Praktikanten und je ein FSJler und ein Bundesfreiwilligendienstler gehören zum Team von Rebekka Rieth-Figge. „Aus dem ,Bufdi‘ wird demnächst unser erster Azubi, der Bürokaufmann lernt“, berichtet sie. Zwar gebe es eine grobe Aufgabenverteilung, doch das Prinzip laute: „Alle für alles“. Vor allem diese Serviceorientierung sorge für zufriedene Gäste, unterstreicht die gelernte Industrie-Kauffrau und Pädagogin, die seit 2004 die Herberge leitet. Hinzu kommen Standortvorteile wie die innenstadtnahe Lage oder die zahlreichen wetterunabhängigen Freizeitangebote. Nachteilig mache sich allerdings die lange Schließung des Korbacher Hallenbades bemerkbar.

Wie wenig die Herberge vom Hotel unterscheidet, zeigt sich etwa beim reichhaltigen Frühstücksbuffet, das für Wochenendgäste länger bereit steht, oder an der einladenden Rezeption, an der Kaffeespezialitäten kredenzt und die wichtigsten Gästeinformationen vom Stadtplan bis zur Tageszeitung ausgegeben werden. Noch fehlen allerdings, zum Bedauern mancher Interessenten, Zimmer mit Doppelbetten. „Diese Fragen kommen gar nicht selten vor“, verrät Rebekka Rieth-Figge, „schließlich gibt es schon Jugendherbergen mit Hochzeitssuite und Club-Animation“.

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