Am Lelbacher Ortsrand sollen 12 000 Hennen Bio-Eier legen

Hühnerfarm nach Öko-Regeln

+

Korbach-Lelbach - Ein Lelbacher Landwirt will künftig auf Bio-Produkte aus der Hühnerfarm setzen. Kritiker im Dorf befürchten Belästigung durch Geruch und Transportverkehr. Doch die Debatte kreist bislang noch um ungelegte Eier.

„Wir haben alles prüfen lassen“, schildert Willi Müller-Braune, „und alles wird strengstens kontrolliert.“ Mit seinem hellen Labrador-Hund steigt Müller-Braune am Ortsrand von Lelbach den Hang hinauf vom Hof Erlheim zu seinem Acker. Auf der Anhöhe sprießen die Halme des Weizens, den Willi Müller-Braune und sein Sohn Björn nach Öko-Richtlinien anbauen.

Eine Handvoll Mutterkühe und Ackerbau bestimmen den Betrieb, den Müller-Braune (62) bislang im Nebenerwerb führt. Im Hauptberuf arbeitete er als Landwirtschaftlicher Direktor beim Hessischen Landesbetrieb für Landwirtschaft (LLH) in Kassel. Artgerechte Tierhaltung war sein Spezialgebiet in den 1990er-Jahren, zuletzt die Tierzucht für Schafe, Ziegen und Gehegewild.

Künftig möchte der Senior mit seinem Sohn Björn (39) den Hof in Lelbach neu ausrichten als Vollerwerbsbetrieb samt Hühnerfarm. Aus den Plänen machen die beiden kein Geheimnis: „Auf dem Mühlenbusch“, wo derzeit Weizen wächst, sollen in Zukunft große Hühnerställe für 12 000 Legehennen entstehen, drum herum viel Fläche für den Freilauf. Läuft alles wie geplant, dann liefert Hof Erlheim in Zukunft täglich etwa 11 000 Bio-Eier, die in der Region vermarktet werden sollen. Ob Öko-Verordnung der Europäischen Union (EU), Biohennenrichtlinie oder die noch strengeren Vorgaben von „Bioland“: Die Hühnerfarm soll all diese Kriterien erfüllen. Zumal Bio-Eier von frei laufenden Hühnern gute Preise erzielen.

Täglich 11 000 Bio-Eier aus der Hühnerfarm

Entsprechend reglementiert seien aber auch die Bedingungen für Hühnerställe und Freilauf der Tiere, erklärt Willi Müller-Braune. Nach Bioland-Vorgaben dürfen demnach maximal 3000 Legehennen in ein Gebäude, für jedes Huhn müssen überdies vier Quadratmeter Freifläche vorgesehen werden.

Summa summarum macht das fast fünf Hektar, also knapp 50 000 Quadratmeter, auf denen künftig Erlheimer Hühner gackern sollen. Um die dazugehörenden Ställe nach den Bio-Regeln zu errichten, sind zwei Gebäude vorgesehen, die wiederum zwei voneinander getrennte Ställe für je 3000 Hühner bieten, erläutert Müller-Braune.

Manchem Anwohner im benachbarten Lelbacher Neubauviertel trieb die Vorstellung in den vergangenen Tagen derweil Sorgenfalten ins Gesicht: Der Wind könnte Gestank und Keime vom Hühnermist ins Dorf treiben, und täglich rollen Transporter heran, um die verpackten Eier abzuholen. Noch dazu brauchen die 12 000 Hühner rund 600 Tonnen Futter im Jahr, das nur mit großen Lastwagen zu befördern ist. Überdies soll der Hühnermist als Dünger später wieder aufs Feld.

Wie steht es da um den Gewässerschutz? Hof Erlheim liegt direkt am Kuhbach, der dort ehedem eine Mühle speiste und sich von Lelbach aus in die Stadt Korbach schlängelt. Ist die Hühnerfarm also nicht schon aus Gründen des Trinkwasserschutzes verboten? Ein Blick in den amtlichen Flächennutzungsplan der Stadt Korbach gibt Aufschluss. Das Terrain, auf dem Müller-Braune das Projekt verwirklichen möchte, gehört zur Wasserschutzzone IIIa – und ist als landwirtschaftliche Fläche definiert. Grundsätzlich steht einer Hühnerfarm laut Bauamt dort nichts im Wege. Zudem bläst der Wind vorwiegend aus Westen, also weg vom Dorf.

Mehr zum Thema lesen Sie in der WLZ-Ausgabe vom 1. Mai.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare