TSV 1850/09 Korbach plant Sportzentrum · Hauptversammlung mit Satzungsänderung

Hürde nehmen in die Zukunft

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Der TSV Korbach hat viele Talente, wie hier den jungen Leichtathleten Tim Simshäuser. Um den Großverein auch für die Zukunft fit zu machen, möchte der Vorstand die Hürden zu einem neuen Sportzentrum nehmen.Foto: Ralph Görlitz

Korbach. - 600 Mitglieder weniger in sechs Jahren: Korbachs Großverein TSV 1850/09 will mit einem neuen Sportzentrum in die Offensive gehen. Im Blick steht eine Satzungsänderung bei der Hauptversammlung am Mittwochabend (20.3.).

„Der Vorstand wirbt um Ihr Vertrauen“, prangt seit dem Wochenende auf der Homepage des Korbacher Traditionsvereins. Statt Jahresberichten, Ehrungen und Neuwahl des Vorstands steht bei der Hauptversammlung ab 19.30 Uhr im Hotel Touric besonders ein Paragraf im Vordergrund: Es geht um den Passus über das Vereinsvermögen.

„Verfügungen über Haus- und Grundbesitz sowie grundstücksgleiche Rechte des Vereins sind nur mit Genehmigung der Mitgliederversammlung möglich“, heißt es dort in Paragraf 16. Antrag des Vorstands ist, diesen Abschnitt künftig ersatzlos zu streichen. Hintergrund ist ein strategisches Ziel, dass Vorstand und Geschäftsführung schon seit Jahren anpeilen – aber bislang nicht umsetzen konnten. „Uns geht es um mehr Handlungsvollmacht, denn bisher sind uns die Hände gebunden“, schildert Geschäftsführer Werner Bitzer.

Einnahmen im Sinkflug

Dem Mitgliederschwund der vergangenen Jahre – und damit rund 40 000 Euro weniger Einnahmen jährlich – möchte der Vorstand mit einem neuen Sportzentrum begegnen. Dies zielt vor allem auf die Jahrgänge ab 40, also sportlich interessierte Vereinsmitglieder, die meist mitten in Berufs- und Familienleben stehen – aber nicht das passende Angebot im Verein finden. Davon haben beispielsweise die Fitnessstudios deutlich profitiert.

In deutschen Großstädten setzte dieser Trend schon früher ein, aber er machte im ländlichen Raum eben auch nicht Halt. Als Antwort, um eine schleichende Insolvenz zu verhindern, haben viele Großvereine inzwischen Sportzentren eingerichtet, die gerade für die Zielgruppe ab 40 Jahren interessant sind. Es geht etwa um Krafttraining bis Gymnastik, zeitlich flexibel und individueller nutzbar.

In Hessen bieten inzwischen 17 Vereine solche Sportzentren an, listet Werner Bitzer auf. Und der KSV Baunatal ist als größter Verein in Nordhessen (vor dem TSV Korbach) schon seit vielen Jahren damit erfolgreich.

Konkretes Projekt beim TSV Korbach ist, ein geeignetes Gebäude für ein Sportzentrum zu erwerben – und dafür eine vereinseigene Immobilie zu beleihen. Dies kann das Grundstück vom Vereinsheim auf Scheid sein. Aber nach Paragraf 16 in der Satzung müsste der Vorstand für jeden einzelnen Schritt, der mit Grundbesitz zu tun hat, zunächst eine Mitgliederversammlung einberufen, erläutert Bitzer. Somit soll die Satzung geändert werden, um das Projekt anzugehen. Denn schon viele Jahre sind verstrichen.

Mehr Sport für Ü40

Das Vorhaben hat derweil etliche im Verein, insbesondere ältere Semester, auf den Plan gerufen. Sie sehen das Vereinsheim am Edersee bedroht. TSV-Vorsitzender Andreas Boltner und Geschäftsführer Werner Bitzer halten die aktuellen Fakten entgegen: Nur rund zwei Prozent der Vereinsmitglieder nutzen überhaupt das Vereinsheim – über 50 Prozent der Mitglieder ab 40 Jahren „können wir derzeit aber nicht bedienen“.

Im Vordergrund müsse also eine zukunftsorientierte Strategie stehen, um die Existenz des Vereins langfristig zu sichern. Im Vorfeld der heutigen Hauptversammlung liefen also viele Gespräche im Verein, um für das Projekt eines Sportzentrums zu werben.

Auch Kinderturnen und Reha-Sport könnten dort künftig angeboten werden.

So richten sich die Blicke bei der Jahresversammlung im Hotel Touric vor allem auf das Ende der Tagesordnung, wenn es um die vorgeschlagene Satzungsänderung geht. Zuvor bei den Vorstandswahlen will der amtierende Vorstand um Andreas Boltner weitestgehend auch für die Zukunft wieder kandidieren. (jk)

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