ALS will Sechstklässlern mehr Zeit bis zum Abitur geben

Hürden für G9-Rückkehr hängen hoch

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Acht oder neun Jahre bis zum Abitur? Für die jetzigen 6. Klassen hängen die Hürden zurück zu G9 hoch.Archivfoto: Armin Weigel

Korbach - Es klingt paradox: Damit die laufenden sechsten Klassen an der Alten Landesschule zu G9 zurückkehren können, müssen sich mehr Eltern des Jahrgangs als bislang für G8 aussprechen.

Wieder nach neun Jahren Gymnasium zum Abitur - das ist das Ziel: Auch die jetzige Jahrgangsstufe 6 der Alten Landesschule soll die Möglichkeit bekommen, nach den Sommerferien von G8 zu G9 zurückzukehren. Das hat Ende Februar die Gesamtkonferenz der Alten Landesschule (ALS) entschieden. Dem Gremium gehören alle Lehrer des Korbacher Gymnasiums an. Mehr Zeit zum Lernen und für die persönliche Entfaltung sind aus Sicht der Pädagogen die Vorteile.

Anonyme Befragung

Bis es tatsächlich so weit ist, muss das Konzept allerdings noch mehrere Hürden nehmen - und die sind zum Teil hoch gesteckt. Als Nächstes entscheidet heute die Schulkonferenz, in der Lehrer, Eltern und Schüler vertreten sind, über das Konzept. Eine Zweidrittelmehr-heit für die Rückkehr zu G9 reicht hier aus. Das von der Landesregierung im Entwurf des neuen Schulgesetzes vorge-schriebene Vorgehen sieht aller-dings abschließend eine anonyme Elternbefragung vor, deren Ergebnis einstimmig ausfallen muss, um eine problemlose Rückkehr zu ermöglichen. Ein Parallelangebot kann es nur geben, wenn mindestens 16 Schüler - die Mindestgröße für eine Klasse - bei G8 bleiben wollen. Sind es weniger oder auch nur einer, müssen alle bei G8 bleiben.Das Kultusministerium will die Befragung Mitte Juni durchführen, doch schon jetzt zeichnet sich ein Stimmungsbild ab, dass das Korbacher Gymnasium in eine Zwickmühle bringt: „Bislang habe ich von zehn Eltern die Rückmeldung bekommen, dass sie sich für G8 entscheiden wollen“, sagt Schulleiter Robert Gassner. Zu viele, um komplett zu G9 zurückzukehren, zu wenige, um eine separate G8-Restklasse zu bilden. Die Folge: Obwohl sich voraussichtlich nur eine Minderheit der Eltern für G8 ausspricht, muss der gesamte Jahrgang beim Abitur nach acht Jahren bleiben. „Eigentlich müssten die G9-Vertreter jetzt für eine G8-Klasse werben, damit für sie 16 Schüler zusammenkommen“, sagt Elternsprecherin Meike Peper.

Ausschlaggebend für die Entscheidung der G8-Befürworter ist offenbar nicht das eine Jahr weniger bis zum Abitur, wie Peper erläutert: „Viele Eltern, die G8 wollen, möchten gerne die Klassenverbände erhalten.“ Die Befürchtung der Betroffenen: Bei der Rückkehr zu G9 werden die bisherigen Klassen auseinandergerissen und neu zusammengesetzt. Ihre Kinder müssen sich wieder an neue Mitschüler gewöhnen und neue Freunde finden.

Dabei sei auch bei G8 der Erhalt der Klassenverbände nicht gewährleistet, entgegnet Gassner. Sinkt die Jahrgangsbreite unter 120 Schüler, müsse eine Klasse auf die anderen aufgeteilt werden. Derzeit hat der Jahrgang 121 Schüler.

Sollten sich bei der anonymen Befragung doch noch 16 Eltern für G8 aussprechen, ist auch dann noch nicht alles in trockenen Tüchern: Letztlich entscheidend sei die Zahl der tatsächlichen Anmeldungen für die G8-Klasse. Sind es weniger als 16, bleibt es auch dann bei G8 für alle.

Der Entwurf des Schulgeset-zes hätte indes auch die Rückkehr für die laufenden 7. Klassen ermöglicht. Hier hat sich die Gesamtkonferenz jedoch dagegen ausgesprochen: Die in den Jahren zuvor zuviel geleisteten Unterrichtsstunden wären den dann 8. Klassen nach den Sommerferien abgezogen worden. Das für die Schüler laue Jahr ist aus Sicht der Lehrer pädagogisch jedoch nicht förderlich. So wäre etwa die zweite Fremdsprache von den Kürzungen so stark betroffen, dass ein sinnvoller Unterricht nicht möglich sei, erklärt Gassner.

Hintergrund

Schon im November 2012 ?hatte die Gesamtkonferenz der Alten Landesschule mit großer Mehrheit beschlossen, wieder zu G9 zurückzukehren. Die Änderung gilt bislang allerdings nur für die neuen Klassen. Die Regierungskoalition ?will nun ermöglichen, dass auch laufende fünfte, sechste ?und siebte G8-Klassen nach den Sommerferien zum Abitur nach neun Jahren Gymnasium ?(G9) zurückkehren können.(lb)

Von Lutz Benseler

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