Seltene Geburt in Wirmighäuser Stall· „Fantastischen Vier“ und Mutter wohlauf

„Ich merke, dass die vier leben wollen“

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Karl-Heinz Schweizer mit den „Fantastischen Vier“, die am Freitag auf einen Streich geboren wurden. Sie werden mit Infrarotlampen warm gehalten und müssen in den kommenden Wochen aufgepeppelt werden.

Diemelsee - Wirmighausen. - Da staunte Karl-Heinz Schweizer nicht schlecht: Als eine seiner Kühe am Freitag kalbte, erblickten am Ende drei junge Bullen und ein weibliches Kalb das Licht der Welt. Ihnen gilt nun ganz besondere Aufmerksamkeit.

Landwirt Karl-Heinz Schweizer hat im Internet nachgeschaut. „Ich habe deutschlandweit lediglich zwei Berichte über eine Vierlingsgeburt aus den vergangenen drei Jahren gefunden“, berichtet er.

Auch nach Ansicht von Tierärztin Deike Köster sind die Geburten etwas ganz Besonderes. Die Mutter, „Kuh 49“, ist bereits erfahren und hat fünf Kälbern das Leben geschenkt. Doch mit vierfachem Nachwuchs im Kuhbauch hatten die Schweizers beileibe nicht gerechnet – und bisher auch noch nie etwas zu tun.

Der Kuhbauch war nicht besonders dick, „ich hätte auf Zwillinge getippt“, lächelt der 50-Jährige. Noch ein viertes in petto Das erste Kalb kam im Verlauf des Freitags ohne Probleme auf die Welt.

Bei den übrigen mussten die Schweizers nachhelfen. Allerdings übersahen sie zunächst ein Tier. „Ich konnte erkennen, dass die Beine ineinander verkeilt waren – aber nicht, wie viele Kälber kommen würden.“ Nach dem dritten Kalb schien die Geburt eigentlich überstanden. Doch nach einer Weile zeigte sich, dass noch ein viertes auf dem Weg war.

Ihr Gewicht soll bei schätzungsweise 15 Kilo liegen, normal ist mindestens das Doppelte. Sie sind rund zehn Tage zu früh gekommen. Doch die vier sind fidel und wohlauf. Mit zwei Infrarotlampen bekommen sie die nötige Wärme, „sonst würden sie ruckzuck auskühlen“, verweist Schweizer auf die eisigen Temperaturen. In einem kleinen Verschlag, der mit Decken abgehängt ist, werden sie die kommenden Tage verbringen, bis sie robuster geworden sind.

Verringerte Milchleistung

Vier Kälber machen der Familie auch mehr Arbeit. Bis sie die Größe anderer, „normaler“ Kälber erreicht haben, wird einige Zeit vergehen. Auch die Mutterkuh wird in den kommenden Monaten nicht ihre bisherige Milchleistung bringen, ist sich Schweizer sicher. Deswegen ist er nicht euphorisch. Denn er muss betriebswirtschaftlich denken.

Und das heißt: mehr Pflege, mehr Aufwand, mehr Milch und Futter. Zwillinge sind nicht selten Aber er weiß auch, dass die vier kleinen Kälber etwas Besonderes sind. Bereits am Donnerstag hatte eine andere Kuh Zwillinge geboren. „Das passiert schon häufiger. Vier auf einen Streich habe ich allerdings bis heute nicht erlebt“, so Schweizer.

In den 70er-Jahren war Schweizer in den Familienbetrieb eingestiegen und hat ihn inzwischen übernommen. Die Wahrscheinlichkeit für eine Drillingsgeburt liege bei 1:15 000, hat Schweizer erfahren. Für Vierlingsgeburten werde sie statistisch überhaupt nicht erfasst, weiß er inzwischen und schiebt nach: „Ich merke aber, dass die vier leben wollen.“

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