Nahverkehrsplan für Waldeck-Frankenberg sieht Integralen Taktfahrplan vor

Im Idealfall nur eine Abfahrtszeit merken

+
Der Korbacher Hauptbahnhof soll zum Knotenpunkt innerhalb eines Integralen Taktfahrplanes (ITF) ausgebaut werden. So sieht es der Nahverkehrsplan für den Landkreis vor.

Waldeck-Frankenberg - Schnellere und enger mit den Nachbarkreisen vertaktete Bahnverbindungen und eine Verbesserung des bestehenden Busangebots: Mit diesen Schwerpunkten wird der Nahverkehrsplan für den Landkreis fortgeschrieben.

Vor allem mit einer schnelleren Verbindung auf der Strecke R 4 zwischen Korbach und dem ICE-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe sind, wie es im Gutachten heißt, „hohe bis sehr hohe Nachfragezuwächse“ zu erzielen. Bereits mit dem Fahrplanwechsel zum 15. Dezember ist die Fahrzeit um zehn Minuten verkürzt worden. Ziel bleibt eine um mindestens eine Viertelstunde beschleunigte Verbindung.

Vordringliche Vorhaben

Mehrheitlich hat der Kreistag bei seiner Jahresabschlusssitzung den Nahverkehrsplan verabschiedet. Auf 278 Seiten werden Grundziele, Leitbilder und Rechtsgrundlagen aufgezeigt, die Ist-Situation analysiert, Schwachstellen benannt und die Verbesserungsvorschläge bewertet. Für den Plan verantwortlich zeichnen Experten der vom Landkreis mit der Organisation des Öffentlichen Personennahverkehrs beauftragten Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) und des Verkehrsberatungsunternehmens IGDB (Dreieich). Eine ÖPNV-Arbeitsgruppe des Kreistags, für die der frühere Burgwalder Bürgermeister und SPD-Abgeordnete Adam Daume als Sprecher fungiert, hat den im September vorgelegten Planentwurf und die Stellungnahmen der Fraktionen beraten.

Weitere Vorhaben, die als „vordringlich“ eingestuft werden, sind:

l Die reaktivierte Bahnstrecke Korbach-Frankenberg, auf der Ende 2014 die ersten Zügen im Zwei-Stunden-Takt fahren sollen, ist nach Auffassung der Fachleute in Richtung Westen zu verlängern. So soll die Linie R 42 durchgehend von Marburg nach Brilon-Stadt weiterführen und somit ein Umsteigen in der Kreisstadt entfallen.

l Damit einher geht der Vorschlag, am Korbacher Hauptbahnhof einen Knotenpunkt für einen Integralen Taktfahrplan (ITF) einzurichten. In diesem Modell sind die Abfahrtszeiten von Bussen und Bahnen optimal aufeinander abgestimmt. Der Idealfall: Jeder Fahrgast braucht sich nur eine Abfahrtzeit an „seiner“ Haltestelle zu merken, um an jedes beliebige Ziel zu gelangen. Dies soll in diesem Fall für die Zugverbindungen nach Kassel, Marburg und Brilon in Verbindung mit dem Fahrplan der Busse nach Medebach und Bad Wildungen gelten.

l Ebenfalls als Folge der wieder aufgenommenen Nord-Süd-Verbindung ist geplant, den Bus- und Anrufsammeltaxi-Verkehr (AST) „im mittleren Kreisgebiet (mittleres Edertal und Ittertal)“ an einem neuem Verknüpfungspunkt in Herzhausen mit der Bahn zusammenzuführen. Damit soll vor allem die Nationalparkregion Kellerwald-Edersee für Besucher ohne Auto besser erreichbar sein.

AST-Linien erweitern

Das Gutachten nimmt aber auch zu grundsätzlichen Fragen Stellung. So weist es auf die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Mobilität bestimmter Kundengruppen hin. Weil sich die Zahl der Schüler und Auszubildenden ebenso wie die der Berufstätigen weiter verringern werde, so die Prognose, nehme in den kommenden Jahren auch der „Anteil der täglich mobilen Personen signifikant“ ab. Stattdessen steige der Wunsch nach Bus- oder AST-Verbindungen in der eigenen Wohngemeinde. Doch außerhalb von Ballungsräumen funktioniere ein auf kurze Wege ausgerichtetes System aus dichten Fahrtenfolgen in einem engmaschigen Haltestellennetz nicht.

Es finden sich im Nahverkehrsplan auch Lösungsmöglichkeiten für diese Probleme - allerdings ohne Priorität und mit dem Warnhinweis „die der Kofinanzierung Dritter benötigten“. Dazu zählen etwa:

Erweiterung lokaler AST-Linien der EWF in benachbarte Landkreise (z.B. nach Medebach und Wolfhagen);

Barrierefreie Bahnhöfe und Haltestellen;

Bürgerbusprojekte oder soziale Fahrdienste.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare