Fürstenberger Wilfried Heidel

Die Igelsage in Platt erzählt

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Fürstenberg - Kährle und Wiwweslüdde, Dörjenander und Ejjel: Damit das Fürstenberger Platt nicht vergessen wird, schreibt Wilfried Heidel Geschichten in dem Ortsdialekt nieder.

Wilfried Heidel ist ein Ur-Fürstenberger – einer, der sich mit seinem Dorf tief verbunden fühlt und so auch mit dem Dialekt. Trifft er einen Nachbarn, schwenkt seine Sprache sofort vom Hochdeutschen in die Mundart, die in der Igelstadt einst gang und gäbe war. „Noch alle, die in den 50er-Jahren in Fürstenberg geboren wurden, haben als Kinder ganz selbstverständlich zu Hause Platt gelernt, weil dort nur Platt gesprochen wurde“, erklärt der 59-jährige. Manche Mädchen und Jungen, die damals nicht in den Kindergarten geschickt, sondern ausschließlich zu Hause aufgezogen wurden, sprachen sogar ausschließlich Platt. „Die hatten es in der Schule, wo Hochdeutsch verlangt wurde, zuerst ganz schön schwer.“

Die Zeiten haben sich geändert. In den meisten Regionen findet Dialekt keinen Platz mehr im Alltagsleben. Kinder und Jugendliche lernen die Mundart ihres Dorfes nicht mehr, und wird die Sprache nicht gesprochen, ist ihr Niedergang vorprogrammiert. Wilfried Heidel findet das schade, denn er orientiert sich an der Frage „Wie kann ich die Zukunft meistern, wenn ich meine Wurzeln nicht kenne?“. Und zu den Wurzeln gehört für ihn die Sprache, der Dialekt als Teil der Identität.

Die Beschäftigung mit dem Ortsdialekt und der Ortsgeschichte zieht sich daher durch sein Leben. So hat er für das Ortssippenbuch alte Fürstenberger Hausnamen festgehalten. Zudem hat er bereits mehr als 230 Flurnamen rund um die Igelstadt in Platt niedergeschrieben. Und obwohl der Dialekt aus dem gesprochenen Wort lebt, so hat Wilfried Heidel sich dennoch vorgenommen, einige Geschichten im Fürstenberger Platt auch schriftlich festzuhalten. Was gar nicht so einfach ist, denn er kann sich dabei ausschließlich auf sein Gehör und die Lautsprache verlassen.

So hat er mit Blick auf das Grimm-Jahr die Geschichte vom Hasen und Igel in die Fürstenberger Gemarkung gelegt und in Platt festgehalten. Vor allem aber hat er die Igelsage im Fürstenberger Platt niedergeschrieben: „De Ejjelsaje vonn Fösdenberch, nohvertallt vonn Schelldieks Wilfried“. Dabei hat er sich die literarische Freiheit genommen, einige Passagen so umzuschreiben, wie sie sich seinerzeit hätten zugetragen haben können. Dabei hat er sein Jagdwissen einfließen lassen und die Jagdmethoden beschrieben, wie sie damals gängig waren.

Die Stelle, an der ein Igel, ein Ejjel, Graf Heinrich das Leben rettete, liest sich in Fürstenberger Platt so: „Kaum wohr därr Guhl öwwer de Mühre unn hadde wedder fästen Bodden ünger sinnen Höwen, stech her kerzengrade hauch unn woll dänn Grafen affschmieten. Därr gohw emm awwe wedder unn wedder de Peitsche unn satte auch nach de Sporen inn. Dach därr Guhl dowere nur schlemmer upp därr Stelle rümm ... Nur enn paar Handbreit vörr enn doht seck därr Auffgrund upp. Enn Ejjel .... hädde enn dätt Läwen gerettet!“

Zur Igelsage auf Fürstenberger Platt geht es hier: http://www.wlz-fz.de/Lokales/Waldeck/Korbacher-Zeitung/De-Ejjelsaje-vonn-Foesdenberch

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