Ballon-Unglück in Bredelar: Es war bereits der zweite schwere Unfall des Piloten

Im Jahr 2011 missglückte die Landung mit einem Heißluftballon ebenfalls

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Unglück am vergangenen Dienstag: Dieser Ballon stürzte in Marsberg-Bredelar kurz vor der Landung ab. Elf Menschen aus Waldeck-Frankenberg verletzten sich dabei, darunter war auch der Pilot.

Korbach/Marsberg – Elf Menschen aus Waldeck-Frankenberg sind am Dienstagabend bei einem Ballon-Unfall in Marsberg-Bredelar verletzt worden (wir berichteten). Ein 52-jähriger Mann und eine 51-jährige Frau, die beide aus Korbach kommen, erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Der Zustand der Frau ist mittlerweile stabil. Jetzt haben Recherchen des Soester Anzeigers ergeben, dass es nicht der erste schwere Ballon-Unfall war, an dem der 64-jährige Pilot beteiligt gewesen ist.

Demnach war der Mann aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg am 26. August 2011 einer von drei Piloten, die mit insgesamt 15 Gästen eine Ballonfahrt in der Ortschaft Güntersen im Süden Niedersachsens antraten. Wegen eines plötzlichen Wetterumschwungs hatten sich die Piloten damals nach rund 30-minütiger Fahrt „auf eine baldmögliche Landung verständigt“, heißt es im Untersuchungsbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU).

Alle drei Ballone verunglückten bei ihren Landungen: Der erste von ihnen kollidierte zunächst mit einem Baum, schleifte auf der Schmalseite des Korbes weiter und stoppte in einer Obstbaumplantage. Der Pilot blieb unverletzt, seine fünf Passagiere erlitten leichte Verletzungen. Der zweite Ballon wurde bei der Landeanfahrt von einer Windböe erfasst. Trotz des Einsatzes seines Doppelbrenners habe der Pilot den Aufprall auf den Boden vor einer Hecke nicht verhindern können, heißt es im Bericht der BFU. Der Korb wurde durch das Gehölz der vier bis fünf Meter hohen Hecke hindurchgezogen.

Zu dem Unfall des zweiten Piloten heißt es: „Passagiere berichteten, dass der Ballonführer danach bewusstlos im Korb gelegen habe. Anschließend habe sich der Ballon im abschüssigen Gelände schleifend, teils springend und pendelnd auf einer unbebauten Ackerfläche fortbewegt. Dabei wurden Passagiere aus dem Korb geschleudert, andere verließen den Korb in Panik selbstständig. Nach etwa 560 Metern kam der Ballon auf einer Ackerfläche zum Stillstand. Der Pilot und die fünf Passagiere wurden schwer verletzt.“

Der damals 56-jährige Pilot, der am Dienstag mit zehn Passagieren in Marsberg verunglückte und schwer verletzt wurde, wird im Unfallbericht zu dem Vorfall aus dem Jahre 2011 als Dritter erwähnt: „Laut Aussage des Piloten habe er die Landung über Adelebsen eingeleitet. Das Aufsetzen sei auf einem Stoppelfeld erfolgt. Der Ballon war etwa 90 Meter vor einer Hecke mit Dornengestrüpp aufgesetzt. Die vier bis fünf Meter hohe Hecke stoppte seine Schleiffahrt. Der Pilot und drei Passagiere wurden leicht verletzt, zwei weitere Passagiere schwer.“ Die Fahrt-Erfahrung des heute 64 Jahre alten Piloten lag zum Unfallzeitpunkt 2011 laut BFU bei 2147 Stunden aus 605 Fahrten.

In den Schlussfolgerungen heißt es: „Der Flugunfall ist darauf zurückzuführen, dass die Ballone während der Fahrt vom Starkwind einer sogenannten trockenen Konvergenz (Böenlinie) erfasst wurden und bei den eingeleiteten Landungen außer Kontrolle geraten waren. Dabei kam es zu harten Landungen mit Hinderniskollision.“ Die Unfälle seien demnach auf eine unzureichende Fahrtvorbereitung hinsichtlich einer zeitnahen Wetterberatung und eine unzureichende Interpretation der vorhandenen Wetterdaten zurückzuführen gewesen.

„Es war einfach kein Ballon-Wetter“

In Ballöner-Kreisen wird der Start am vergangenen Dienstagabend, der in Korbach stattfand, äußerst kritisch gesehen. „Es war einfach kein Ballonwetter. Da gibt es nichts zu diskutieren“, kommentierte ein erfahrener Pilot, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen wollte, im Gespräch mit dem Soester Anzeiger. 

Ein Ballon-Unfall sei immer eine Kette von Fehlern: „Es gibt nicht den einen Fehler, der zum Unfall führt. Der Wind war mindestens an der Betriebsgrenze, zudem war es sehr warm. Ein Ballon mit insgesamt elf Menschen an Bord hat ein hohes Gewicht und ist dadurch schwerer zu kontrollieren. Bei solch hohen Temperaturen muss viel mehr mit dem Brenner geheizt werden.“ 

Hinzu komme, dass es aufgrund der Abendfahrt mehrere Druckfaktoren für den Piloten gegeben habe: „Der Ballon fuhr auf ein Waldgebiet zu. Irgendwann wird es dunkel. Zeit, Helligkeit und Gasreserven haben dafür gesorgt, dass der Pilot unbedingt runter wollte.“ 

Einer der größten Fehler sei der höchstwahrscheinlich noch eingeschaltete Brenner gewesen: „Das ist ein absolutes No Go. Bei jeder Ballonfahrt gilt der Grundsatz, dass die Pilotflamme kurz vor dem Aufsetzen erloschen sein muss.“ Doch der erfahrene Pilot betont: „In Deutschland gibt es rund 1300 aktive Ballon-Piloten. Im Schnitt kann man pro Pilot von 30 Fahrten pro Jahr sprechen. Dabei kommt man auf knapp 40.000 Starts und Landungen. 

Unfälle bei Ballonfahrten haben im Verhältnis zu schweren Verkehrsunfällen eine verschwindend geringe Quote. Ballonfahren ist sehr sicher, wenn alle Vorkehrungen getroffen werden. Wenn Ballon-Unfälle dann doch passieren, ist das öffentliche Interesse natürlich sehr groß. Dadurch werden sie stärker wahrgenommen.“

VON DANIEL SCHRÖDER

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