„Surfen“ über Fernsehkabel · Unitymedia verspricht Start ab Ende September

Internet in neuer Dimension

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Tempo durch Glasfaser: Eine Leitung von Kassel bis Korbach soll schnelles Internet via TV-Kabel bringen.

Korbach - „Unitymedia“ will bis Herbst mehr Fluss auf die elektronischen Datenautobahnen in Korbach bringen: Für über 11?000 Haushalte in Kernstadt und Ortsteilen soll es neue Möglichkeiten geben für Internet mit Hochgeschwindigkeit – via Fernsehkabel.

Teils miserable Verbindungen übers Internet beschäftigen die Menschen überall in ländlichen Regionen seit Jahren. Während in Großstädten schnelle DSL-Leitungen zum Standard in Wohn- und Arbeitszimmern gehören, können Bewohner in Waldeck-Frankenberg mitunter frühstücken gehen, während ihr Rechner gerade ein Foto per Mail verschicken soll.

In Korbach und Ortsteilen hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan, unterschiedliche Anbieter sind am Werk: von Telekom, Vodafone, 1 & 1 bis Paracom. Die Techniken reichen dabei von Kupferkabel, Glasfaserverbindung bis Funk – und bald auch Fernsehkabel. Bis auf den Ortsteil Helmscheid ist der Kabel-TV-Betreiber „Unitymedia“ in allen Ortsteilen und der Kernstadt präsent. Bis Ende September will die Firma nunmehr gerüstet sein, um auch schnelles Internet und Telefonie via Fernsehkabel anzubieten.

Die Bandbreiten (Geschwindigkeit) beim Internet reichen von 10 bis zu 150 Megabit pro Sekunde beim Herunterladen von Dateien (Download) und von 1 bis zu 5 Mbit/sek beim Versenden (Upload).

Privat und gewerblich

Zugleich soll es Tarife für gewerbliche Kunden geben mit bis zu 10 Mbit/sek (Upload) und besonderem Service. Diese Angebote richten sich vornehmlich an kleine und mittlere Unternehmen, erläuterte Jörg Nußbaumer am Dienstagabend vorm Korbacher Parlament.

Nußbaumer ist Vertriebsleiter bei Unitymedia. „Breitband für Korbach“ titelte er seinen Vortrag, der offenbar auch als kompakte Antwort zu verstehen war auf etliche Kritik in den vergangenen Wochen (wir berichteten): Erstens ist Unitymedia mit seinem Projekt deutlich im Verzug, denn schon Ende 2011 sollte das Vorhaben umgesetzt sein.

Zweitens beklagte die weltweit tätige Korbacher Firma KoCoS Messtechnik in den vergangenen Monaten wiederholt zu langsame Internetverbindungen. Mit KoCoS seien inzwischen Gespräche geführt, sagte Nußbaumer: „Sie werden bei uns Kunde.“

Zugleich hofft Unitymedia auf viele private Kunden, die übers Kabelfernsehen hinaus auch Internet-Anschlüsse und Telefon im Paket buchen. Welche Möglichkeiten und Tarife bestehen, das will Unitymedia nach Sommerferien und „Olympiapause“ verkünden. Denn in der Olympiaphase will Unitymedia durch technische Veränderungen im Kabelnetz keinen Verdruss bei Fernsehkunden heraufbeschwören.

Vermarktung ab 29. August

Für den 29. August ist somit der Vermarktungsstart für Korbach vorgesehen mit einer zentralen Information. Aber auch für einzelne Ortsteile und Wohngebiete zieht Unitymedia Informationstreffen in Erwägung. Die technischen Voraussetzungen für die neuen Breitbandanschlüsse sollen bis Ende September (39. Kalenderwoche) erledigt sein. Danach könnten dann die Hausanschlüsse folgen, versprach Nußbaumer. Wie viele Kunden es sein werden, das bleibt abzuwarten. Insbesondere in der Korbacher Kernstadt ist die Versorgung mit schnellem Internet statistisch gut, etwa durch DSL-Anschlüsse der Telekom mit teils über 16 Mbit/sek.

Kabel im Dichterviertel

Aber selbst mitten in Korbach gibt es noch Wohngebiete, die deutlich weniger Saft auf der Leitung haben. Das gilt beispielsweise für das „Dichterviertel“ rund um die Goethestraße. In diesem Neubaugebiet setzten Häuslebauer fast durchweg auf Satellitenschüsseln fürs Fernsehen. Die Ursache liegt aber just auch bei den Vorgängerfirmen von Unitymedia (Kabel Hessen, „iesy“), die das Neubaugebiet viel zu spät mit Kabel versorgen wollten. Überdies bietet die Telekom dort nur abgespeckte Internet-Anschlüsse von bis zu 3 Mbit/sek. Und zu allem Überfluss liegen etliche Gebäude auch noch im Funkschatten von Krankenhaus und Altenpflegeheim. Folge: Schnelles Internet nach modernen Maßstäben blieb dort bislang ein Wunschtraum.

Hausanschlüsse und Tarife

Nußbaumer verspricht hingegen Abhilfe: „Auch dort liegt ein Kabel unter der Straße.“ So könnten viele Haushalte in Korbach nachträglich ans Kabelnetz – müssen allerdings zunächst einen neuen Hausanschluss bezahlen. Je nach Vertrag mit Unitymedia kostet das zwischen 400 und 550 Euro. Für Wohnviertel oder Straßen in Korbach und Ortsteilen, wo kein Fernsehkabel bereitliegt, wird es problematischer, räumt Nußbaumer ein. „Aber auch hier sollten die Bewohner, wenn Interesse besteht, über die Stadt mit uns Kontakt aufnehmen“, signalisiert der Unitymedia-Mann: Sehen, was möglich ist.

Hält Unitymedia seine Versprechen ein, dann können viele Haushalte in Korbach und Umgebung bis in die Nachbargemeinde Vöhl bald zum Überholmanöver auf der Datenautobahn ansetzen. Kontakte: Abteilung Stadtentwicklung (Rathaus), Tel. 05631/53-305. Fragen zum Hausanschluss bei Unitymedia unter Tel. 01805 663700 oder per Mail unter bauherren@unitymedia.de.

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