Nach 40 Jahren sucht der Vöhler Kirchenchor eine neue Leitung

Irene Tripp gibt den Taktstock ab

+
Nach 40 Jahren gibt Irene Tripp den Taktstock im Vöhler Kirchenchor ab. Vor vier Jahren hatten die Sänger gemeinsam mit ihrer patenten Dirigentin noch den 120. Geburtstag des Ensembles gefeiert. Jetzt sucht der Kirchenvorstand händeringend nach einem Nach

Vöhl - Im August geht Kreiskantorin Irene Tripp in den Ruhestand. Dann legt sie auch den Taktstock im Vöhler Kirchenchor nieder - nach 40 Jahren. Deswegen suchen die Sänger einen neuen Dirigenten.

Als „das Fräulein Franke“ vor 40 Jahren zum ersten Mal am Vöhler Gemeindehaus vorfuhr, da kam sie frisch von der Hochschule. „Ich hatte schon in vielen Chören gesungen, aber noch keinen geleitet“, erinnert sie sich, „und am Anfang hatte ich etwas Schwierigkeiten mit der Stimmgabel.“ Mehr als 40 Sänger warteten auf die neue Kreiskantorin, die den Traditionschor übernehmen würde.

Starke Stimmen

„Sie war damals schon wie heute“, sagen die Chormitglieder, „wir haben nicht einen Tag erlebt, an dem sie mal schlechter Laune war.“ Aber auch ehrgeizig sei sie gewesen - und sei es bis heute.

Als die Hauptaufgabe des Chores habe sie immer das Singen im Gottesdienst begriffen, sagt Irene Tripp. „Wir sind ein Teil der Verkündigung“, ergänzt sie. Starke Stimmen, anspruchsvolle geistliche und weltliche Stücke habe sie sich für ihren Chor damals gewünscht. „Und wir haben unseren gemeinsamen Weg direkt mit einem großen Weihnachtskonzert begonnen“, erinnert sie sich, „die Kirche war beim Konzert so voll wie am Weihnachtsabend.“

Manch ein Sänger von damals ist dem Chor genauso treu geblieben wie seine Dirigentin. Andere haben als Kinder bei der jungen Irene Franke gelernt. „Wir sind gemeinsam alt geworden“, sagt die Dirigentin, „und wir sind heute ein wirklich guter Chor.“ Die Sänger hätten immer mit ihr an einem Strang gezogen - auch als modernere Lieder ins Repertoire einzogen. Konzerte, Festgottesdienste, Besuche in Seniorenheimen: Vor allem zu kirchlichen Festen jagten sich Proben und Aufführungen. Aber der Applaus ist bis heute groß, die Qualität des Chores wird weit über die Grenzen des Ortes geschätzt. Das gilt auch für die singenden Kinder, die Irene Tripp in Vöhl regelmäßig zu Projekten einlädt.

„Tradition erhalten“

„Die Wehmut ist jetzt groß“, sagt Irene Tripp, „denn wir sind ein gutes Gespann.“ Und das finden auch die Vöhler: „Sie hatte immer lustige Geschichten im Gepäck und hat uns gleichzeitig motiviert und angespornt“, erzählen die Sänger bei der Chorprobe. Aber am 11. August erreicht sie das Rentenalter und streicht als Kreiskantorin die Segel. Und dann gibt sie schweren Herzens auch den Kirchenchor in Vöhl ab. Und weil sich die Zeiten geändert haben und von einem neuen Kreiskantor eben nicht mehr erwartet wird, über die Dörfer zu ziehen, um Kirchenchöre zu leiten, müssen die Vöhler nun selbst nach einer neuen Leitung suchen.

„Der Kirchenvorstand ist sehr besorgt“, sagt Pfarrer Jan-Friedrich Eisenberg. Es wäre ein großer Einschnitt im Vöhler Gemeindeleben, wenn sich kein Nachfolger finden sollte. Eine 120 Jahre alte Tradition würde dann sterben. Interessierte Chorleiter können sich unter Telefon 05635/8439 bei Pfarrer Eisenberg melden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare