Gebürtige Goldhäuserin hat sich Traum erfüllt

Ein Jahr Südamerika: Kristina Tepel reist und arbeitet im Ausland

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Im Sonnenlicht: Kristina mit ihrem Freund Jacobus Johannes am Mount Fitz Roy in den Anden.

Korbach. Kristina Tepel  hat ihren Traum wahr gemacht: Sie verbindet ihre Arbeit mit einer Reise durch Südamerika.

Einfach mal ein Jahr ins Ausland und raus aus dem Alltagstrott? Das klingt verlockend, scheint aber vielen unmöglich, müssten sie doch dafür etliches aufgeben, nicht zuletzt den Job. Weit gefehlt ist diese Annahme, wenn man die Geschichte von Kristina Tepel hört. Sie reist zurzeit durch Südamerika – und geht dabei sogar ihrem Beruf als "Programmatic Sales Manager" für eine Münchner Firma nach.

Die 31-Jährige stammt aus dem Korbacher Ortsteil Goldhausen und ist mit dem Reisefieber infiziert. Jetzt will sie Südamerika kennenlernen. Doch ein paar Wochen Urlaub würden dafür nicht ausreichen, sagt sie. Daher beschloss sie gemeinsam mit ihrem Freund Jacobus Johannes, ihren Traum wahr werden zu lassen: „Ich habe auf eine Chance gewartet und darauf hin gearbeitet, eine solche Reise mit meinem Job zu realisieren.“

Mitte Februar ist das Paar von der Inselgruppe Feuerland im Süden des Kontinents aus unterwegs. Das Ziel lautet Kolumbien, und wenn noch Zeit bleibt, sogar Mexiko. Die beiden wollen Argentinien, Chile, Bolivien, Peru und Ecuador durchqueren. Mal mit dem Bus, mal per Anhalter. Mit dabei ist immer ein Wollpulli, der sich im patagonischen Herbst schon bewährt hat, und der Laptop, damit Kristina Tepel täglich ihre Arbeit erledigen kann.

Im Sonnenlicht: Kristina mit ihrem Freund Jacobus Johannes am Mount Fitz Roy in den Anden. Die Grafik unten zeigt die Länder, die sie durchreisen (dunkelblau).

Die junge Frau mit Wurzeln in Korbach hat zuletzt in München gewohnt und ihren Chef mit der Idee überrascht, ein Jahr Auszeit zu nehmen und doch weiterzumachen. „Nach anfänglichem Schock fand er es super und definitiv machbar“, erzählt sie. Nun sind sie und ihr Partner permanent auf der Suche nach günstigen Unterkünften mit gutem Internetempfang. Denn von dort aus kann er seine Lehrtätigkeit ausüben. Jacobus Johannes, der aus Südafrika stammt, unterrichtet online vietnamesische Kinder und Erwachsene in Englisch. Das sei von überall auf der Welt realisierbar.

Kristina Tepel hat ihre Wochenarbeitszeit auf 16 Stunden reduziert und arbeitet nun täglich weiter als „Programmatic Sales Manager“: Sie verkauft freie Werbeflächen auf dem Internetauftritt ihres Arbeitgebers „Mybestbrands“.

Herausfordernd und lehrreich

So finanzieren die beiden ihre Reise über ihre Einkünfte, was ihnen stets wichtig gewesen sei. Mit ein wenig Disziplin und gewisser Planung können die beiden das Reisen und Arbeiten miteinander verbinden. Dazu zähle auch, sparsam zu sein. „Wir gehen ganz selten essen und kochen stattdessen Gesundes in unseren Unterkünften.“ Sie übernachten auch hin und wieder im Zelt, das sie mit sich tragen, oder umsonst in privaten Wohnungen – über „Couchsurfing“. „Das ist nicht die bequemste Art zu reisen, jedoch die herausforderndste und lehrreichste.“

Ein bisschen Sicherheit trifft damit auf die Freiheit, die sie sich gewünscht haben. In Ushuaia (Feuerland), der südlichsten Stadt Argentiniens, waren sie in einem Hostel an einem Berg.

Kristina Tepel schwärmt: „Von dort aus konnte ich während der Arbeit die südlichsten Berge der Welt und die darüber hinwegziehenden Wolken beobachten.“ Ein großes Glücksgefühl.

Couchsurfing als Abenteuer

Von einer kuriosen Übernachtung berichtet Kristina Tepel: „Wir haben uns in Punta Arenas (Chile) im Couchsurfing versucht. Couchsurfing ist eine Internetplattform, auf der Menschen eine Schlafmöglichkeit in ihrem Haus gratis anbieten, und alles basiert auf einem Bewertungssystem. Cobus (so nennt Kristina Tepel ihren Freund) hatte bereits in anderen Ländern sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Es waren immer super nette Leute und er hatte immer sein eigenes Zimmer. 

Wir waren schon sehr überrascht, dass der Gastgeber bereits unglaublich viele positive Bewertungen in seinem Profil hatte. Als wir in Punta Arenas ankamen, war das winzige Haus bereits voll mit Couchsurfern, und alle haben sich gegenseitig fragend angeschaut, was denn hier los sei. Es stellte sich ganz einfach heraus, dass Sandro, der Gastgeber, ein unglaublich sozialer Mensch war, der Reisenden eine gute Zeit bereiten wollte. Sandro war Mitte 30, hatte einen guten Job und ein freies zehn Quadratmeter großes Zimmer, in das seiner Meinung nach locker ein großes Hochbett und ein weiteres Bett reinpassten und demnach drei Pärchen perfekt Platz fanden. 

Ein weiterer Backpacker kam später am Abend an und schlief im Wohnzimmer auf der Couch. Sandro bestand darauf, Essen und Bier zu bezahlen und wir kochten gemeinsam. Am nächsten Morgen stellte sich noch heraus, dass seine Cousine auch noch nachts ankam. Ihr bot er dann sein Bett an, während er auf seinem Teppich im Wohnzimmer schlief. Cobus, der früh am nächsten Morgen Englisch unterrichten musste, jedoch im Haus keinen Platz dafür fand, setzte sich in Winterjacke zusammen mit vier bellenden Hunden vor die Haustür und unterrichtete eine Stunde von dort aus. Da ich auch arbeiten musste, entschieden wir, für die nächste Nacht doch ein Zimmer in einem Hostel zu nehmen.“

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