Aus den Erinnerungen des Korbachers Paul Müller

75 Jahre Kriegsende: Mit dem Feuerwehrauto nach Frankreich

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Die fünf Franzosen hatten schon die Pumpe ausgebaut: Das Opel-Löschfahrzeug LF 15 der Feuerwehr Korbach. 

Das Ende des 2. Weltkriegs jährt sich zum 75. Mal. In unserer Serie berichten Zeitzeugen, wie sie das Kriegsende im Waldecker Land erlebt haben. Heute: Aus den Memoiren des Korbachers Paul Müller.

Betriebsingenieur Paul Müller hat ein Stück Korbacher Feuerwehrgeschichte mitgeschrieben: 1944 bildete er die erste Frauenfeuerwehr in der Hansestadt aus. In seinen Memoiren beschreibt er das Ende des Krieges und den Einmarsch der Amerikaner in Korbach.

„Im Rathaus saßen nur Bürgermeister Dr. Paul Zimmermann und ich. Auf Anordnung von Dr. Zimmermann habe ich ein weißes Betttuch am Rathausturm befestigt. Danach konnte ich nach Hause gehen“, berichtet Paul Müller. 

Einen Tag nach dem Einmarsch der Amerikaner wurde Müller von der Militärpolizei (MP) abgeholt und zum Kommandanten ins alte Landratsgebäude gebracht. Dort erhielt er den Auftrag, die Feuerwehr wieder einsatzbereit zu machen. Einige Tage vorher hatte er am Löschgruppenfahrzeug (LF) 15 die Zwischenverbindung zum Vergaser entfernt. „Als ich ins Spritzenhaus kam, stand ein großer amerikanischer Soldat mit Gewehr vor der Ausfahrt“, berichtet Müller.

Paul Müller war 1944 Ausbilder der Frauenfeuerwehr in Korbach.

Der GI fragte: „Was Du willst“? Müller zeigte auf ein Schreiben des Kommandanten und das LF 15, das schon mit dem kompletten Schlauchmaterial vor der Halle stand. Fünf Männer waren offenbar damit beschäftigt, die Pumpe des Feuerwehrautos auszubauen. Der Amerikaner reagierte wütend auf Müller und versetzte ihm einen Tritt.

Verwundert darüber hielt Müller Rücksprache mit Bürgermeister Zimmermann. Der erklärte ihm, dass im Schreiben stand, dass Müller in Begleitung eines Soldaten am Spritzenhaus erscheinen sollte. Mit einem Amerikaner an der Seite ging Müller wieder zum Spritzenhaus und stellte das LF 15 sicher – übrigens ein Opel, den die Korbacher Feuerwehr 1944 erhalten hatte.

Dabei stellte sich heraus, dass die fünf Männer, die am LF 15 hantierten, Franzosen und ehemalige Gefangene waren, die bei der Conti gearbeitet hatten. „Sie wollten mit dem Fahrzeug nach Frankreich fahren“, schreibt Müller. Der Amerikaner, der ihm den Tritt versetzt hatte, sei französischer Abstammung gewesen – und hatte das Ganze offenbar goutiert.

Waffen im Teich im Schießhagen?

Bald war die Korbacher Feuerwehr wieder einsatzfähig. Ein Auftrag der Amerikaner für die Brandschützer war, den Feuerlöschteich im Schießhagen leerzupumpen, da dort Waffen vermutet wurden. „War aber nichts drin“, stellt Müller fest.

Die 1944 gegründete Frauenabteilung wurde bald nach dem Krieg wieder aufgelöst. Paul Müller und Karl Emmerich beschlossen, eine Jugendgruppe aufzustellen. „Der Gedanke stieß bei den alten Feuerwehrmännern aber wenig Gegenliebe. Aus vielerlei Gründen untersagten sie uns diese Aufstellung“, erinnert Müller sich. Die beiden Korbacher bildeten trotzdem junge Leute aus und so ging es mit der Feuerwehr wieder bergauf. 1947 fand im Gasthaus Kappel (Stechbahn 6) eine Vollversammlung statt.

Auf Anraten von Heinrich Brühmann sollte Müller Wehrführer werden. Doch er lehnte ab: „Im VEW war ich Abteilungsleiter von sieben Abteilungen. Es war mir daher unmöglich, in der Feuerwehr diesen Posten anzunehmen.“ Somit wurde Karl Emmerich der erste Wehrführer nach dem Krieg.

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