Ober-Enser Dorfjugend erinnert in Feierstunde an wechselvolle Geschichte

200 Jahre Landsturmtrommel

Korbach - Mehr als 160 Besucher folgten am Freitag der Einladung der Dorfjugend von Ober-Ense, um den 200. Geburtstag der im Besitz des Dorfes befindlichen ehemaligen Landsturmtrommel zu feiern.

Mit einem großen Teil der Neujahrsspenden, die sie alljährlich mit ihrem von Trommelwirbeln begleiteten Neujahrssingen einnehmen, hatten die zehn traditionsbewussten Jugendlichen einen außergewöhnlichen Festabend organisiert und boten, als Hommage an das ehrwürdige Instrument, ihren Gästen ein buntes Programm und ein schönes Essen. Flankiert von der alten Trommel sowie deren heute im Gebrauch befindlichen Duplikat begrüßte Ortsvorsteher Friedrich Heine die Gäste. Stadtrat Heinz Graf, der selbst einmal als Jugendlicher in Ober-Ense aktiv war, glänzte mit einem etwa 200 Jahre alten historischen Kostüm und überbrachte Glückwünsche und Geschenke der Stadt Korbach. Stellvertretend für die gesamte Dorfjugend stellte Dirk Schreiber die 200-jährige Geschichte der alten Trommel vor: Erstmalig eingesetzt im Kampf gegen Napoléon, sollte sie den Kampfgeist der schlecht ausgerüsteten Männer des Landsturms – das war das allerletzte Aufgebot an Wehrpflichtigen – verbessern. Danach wurde sie über zwei Jahrhunderte hinweg immer wieder beim Neujahrsfest eingesetzt. Selbst nach dem zweiten Weltkrieg diente sie dem Überbringen der Neujahrswünsche. Dabei führten zunächst ausschließlich die männlichen älteren Einwohner sie durchs Dorf. Später dann übernahm das die Dorfjugend, und ab da durften auch endlich die Mädchen mit dabei sein. Die zehn Mädchen und Jungen der heutigen Dorfjugend führten nun vor, wie sie, unter dem Trommelwirbel von Martin Kann, an Neujahr singen und den Einwohnern ihre guten Wünsche aussprechen. Das Jahrgangssingen der ältere Generation sowie eine von Markus Grosche anhand von alten Fotos, Bildern und Aufzeichnungen erstellte, optisch äußerst gelungene und sehr informative „historische Dorfbegehung“, projiziert auf die Leinwand, rundeten das abwechslungsreiche Programm ab. Nicht nur die heutigen Jugendlichen von Ober-Ense haben sich durch diesen alten Neujahrs-Brauch zusammengefunden, auch die Ehemaligen haben noch schöne Erinnerungen an die Zeit, in der sie selber mit 16 oder 17 Jahren mit der alten Trommel durch das Dorf zogen. „In den sechziger Jahren war es gar nicht selbstverständlich, abends umherzuziehen oder auch mal etwas Alkohol zu konsumieren“, so erinnerte sich ein heute 61- Jähriger gerne zurück, „aber an Neujahr haben die Eltern dann eine Ausnahme gemacht, da wurde ein Auge zugedrückt“. Um die ehemaligen Mitsinger wieder zu treffen, war er eigens für diese Feier aus Hannover angereist. Andere Ehemalige kamen ebenfalls von weiter her, so beispielsweise aus Mannheim und Frankfurt. Bis in die späten Abendstunden und bei bester Stimmung saßen dann schließlich alle gesellig beisammen, auch, um sich gemeinsam an alte Zeiten zu erinnern. Großes Lob erhielten am Ende die Jugendlichen für den gelungenen Abend und die erstklassige Bewirtung.

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