Mit Soester Stadtrecht erhielt Korbach 1188 die Privilegien einer Hansestadt

825 Jahre: Die Stadtluft macht frei

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Korbach - Vor 825 Jahren erhielt Korbach sein Stadtrecht. Im Jubiläumsjahr plant die Kreisstadt kein pompöses Fest, sondern erinnert mit Vortrag und Ausstellung an das historische Datum 1188.

Der doppelte Stadtmauerring mit Toren und Türmen hatte Korbach vor 825 Jahren schon ein stattliches Antlitz verliehen. Jenseits der Altstadt wuchs mit Handwerkern und Händlern parallel eine Neustadt heran. Das war ähnlich wie in anderen deutschen Städten, die strategisch und ökonomisch wichtige Bedeutung hatten - ob Hamburg oder Quedlinburg.

Vorbild: Soester Stadtrecht

In jenem Jahr 1188 verlieh der Paderborner Bischof Bernhard II. von Ibbenbüren also der Stadt Korbach das Stadtrecht - und zwar nach Soester Ausprägung. Denn die damals modernen Statuten der westfälischen Stadt standen für viele Orte im deutschen Herrschaftsbereich Pate. Dazu zählt auch das Lübische Stadtrecht für Städte wie Lübeck, Bremen oder Hamburg. Und just in jenen Jahren, die Korbach formell zur Stadt erhoben, erhielten auch Hamburg und Bremen weitere städtische Privilegien aus der Hand des römisch-deutschen Kaisers.

Damals regierte in Deutschland Kaiser Friedrich I., der legendäre Herrscher aus dem Geschlecht der Staufer, der wegen seines roten Barts auch „Barbarossa“ genannt wird. Kaiser Rotbart stand in langem Konflikt mit Heinrich dem Löwen aus dem Geschlecht der Welfen. Aus Verwandten und Verbündeten waren erbitterte Gegner geworden, was den stolzen Welfen zwischenzeitlich in die Verbannung führte.

Stadtrechte und Privilegien der Kaiser und Fürsten entsprangen im Hochmittelalter nicht freiheitlich-demokratischem Gedankengut aufgeklärter Herrscher. Vielmehr ging es um Absicherung von Interessen, strategische Stützpunkte - aber auch den Schulterschluss mit der immer wichtigeren Kaufmannsgilde. Denn das deutsche Reich war in jener Zeit kein durchorganisiertes Staatswesen mit Hauptstadt und Behörden. Stattdessen reiste der Herrscher permanent durchs Land, um sich auf seinem Königsweg (lateinisch: Itinerar) die Macht zu sichern.

In diesem Kontext sind auch Privilegien für Hamburg oder Bremen zu sehen, die nah dran waren am Herrschaftsbereich des konkurrierenden Welfenherzogs Heinrich. Zumal Barbarossa sich anschickte, als Anführer der Christenheit und Kreuzfahrer nach Jerusalem aufzubrechen. Nach siegreicher Schlacht gegen Byzanz kam Friedrich aber nicht ans Ziel, sondern ertrank 1190 tragisch im eiskalten Bergwasser des Flusses Saleph (Kleinasien), nachdem ihn sein Pferd abgeworfen hatte.

Die politische Großwetterlage ist wichtig, um die Zeit und die Bedeutung der Korbacher Stadtrechte von 1188 zu ergründen. Es ging zugleich um eine Entwicklung, die bis heute so gerne unter dem Leitspruch „Stadtluft macht frei“ beschrieben wird. Auch wenn dieses Zitat tatsächlich erst aus dem 19. Jahrhundert stammt, als in Preußen die Reformen durch Stein, Hardenberg und Wilhelm von Humboldt für neue Ordnungen und Freiheiten der Menschen sorgten. Damals entsprang dies ebenso strategisch einer Lehre aus kriegerischen Konflikten - nämlich den Niederlagen gegen Napoleon.

Das geht auf keine Kuhhaut

Über 700 Jahre früher, im Hochmittelalter, galt für die Menschen die Faustformel: Wer Jahr und Tag in der Stadt verbracht hatte, der war frei von der Leibeigenschaft auf dem Lande. Die Verleihung der Stadtrechte regelte dabei Statuten im Innern, aber vor allem auch nach außen gegenüber Fürsten und Landesherren (Marktrechte, Münzrechte, Gerichtsbarkeit).

Schon sehr früh war das Soester Stadtrecht dabei schriftlich festgehalten - damals auf Pergament aus Tierhaut. Darauf geht das bis heute erhaltene Sprichwort zurück: „Das geht auf keine Kuhhaut“.

Mit dem Soester Stadtrecht schließt sich ebenso ein Kreis zu Korbachs Stellung als Hansestadt. Denn Soest war im Mittelalter eine bedeutende deutsche Hansestadt, deren Stadtrecht deshalb später in Norddeutschland zu einem wichtigen Vorbild wurde. So passt das Jahr 2013, in dem Korbach auf 825 Jahre Stadtrecht zurückblickt, auch bestens zu Korbachs Antrag beim Land Hessen, künftig den amtlichen Beinamen „Hansestadt“ führen zu dürfen. Die Verleihung des Titels „Hansestadt“ scheint just im Jubiläumsjahr nur noch Formsache zu sein.

Eine große Jubiläumsfeier hat die Stadt derweil nicht vorgesehen. Geplant ist am 18. April ein festlicher Rahmen im Rathaus mit einem Vortrag von Dr. Ulrich Hussong (Stadtarchiv Marburg). Überdies soll es eine kleine Ausstellung zum Stadtrecht geben. Im Original ist die Urkunde aus dem Jahr 1188 leider nicht erhalten.

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