Korbach

Japaner auf der Suche nach „typisch deutsch“

- Korbach (den). Miteinander sprechen und voneinander lernen – das wollen Gäste aus Japan mit ihren deutschen Kollegen. Noch bis Sonntag machen sie Station im Landkreis.

Aufmerksam sitzen die neun Experten für Kinder- und Jugendarbeit aus Japan an dem großen Tisch im Lehrerzimmer. Vor ihnen liegen, ganz altmodisch, Block und Stift, auch ein Notebook samt Kamera hilft dabei, die vielen Eindrücke festzuhalten. Dirk Osthöver, Leiter der Marker-Breite-Schule, erklärt den Gästen, wie in Korbach Schulanfänger als geeignet erkannt werden und wie die Arbeit im Großen und Ganzen aufgeteilt ist. Reiko Tieten hat alle Hände voll zu tun. Die Dolmetscherin aus Berlin erklärt Fachbegriffe und Bildungspläne und übersetzt sogar die kleinen Witze. Die Laune ist gut. Deutsche und Japaner merken, dass sie sich ergänzen und so das Bildungsangebot als solches verbessern können. Bereits beim Rundgang durch das fast fertig renovierte Gebäude werden die ersten Unterschiede klar: „Bei uns hat jede Schule einen Kunst-, Musik- und Haushaltsraum für die Kinder“, erklärt die Delegation, die eine Woche lang das „typisch Deutsche“ im Bildungsbereich sucht. „Die Bänke und Stühle sind in Japan frontaler ausgerichtet, Sitzecken gibt es eher nicht“, berichtet Junko Matsumura. Ein weiterer Unterschied liege in der Administration: „Wir haben keine Sekretärinnen, allerdings immer zwei Direktoren.“ Zusätzlich gibt es meist einen Lehrer, der für die Gesundheit der Schüler verantwortlich zeichnet. Er kümmert sich um Wunden nach einem Sturz genauso wie um die Pflege der Schülerseele. „Das wäre auch was für uns“, fand Lehrerin Marion Kurth. Verwundert waren die Japaner über die Flexibilität des deutschen Kindergarten-Systems. Dass Kinder kommen und gehen, wann sie wollen oder müssen, und nicht immer am selben Tag im Jahr aufgenommen werden, kannten sie nicht – ebenso wie Schultüten. Von Köln und Bonn führte sie die Reise am Donnerstag in die Kreisstadt. Bis Sonntag bleiben sie in der Region, dann geht es in die Bundeshauptstadt, um dort weitere Eindrücke zu sammeln. „Hier ist alles sehr süß“, fanden die Besucher. Das betraf vor allem die Häuser und Straßen, die sie bei einem Rundgang mit Altstadtexperte Heinz Merl besichtigt hatten. Organisiert wird die dritte Reise dieser Art von der „Fachstelle für internationale Jugendarbeit“ mit Sitz in Bonn. Pädagogin Michaela Peschel, die beim Fröbelseminar arbeitet, hat die Leitung in Korbach übernommen. Im alten Finanzamt hatte am Donnerstag dann auch der offizielle Startpunkt gelegen. Stadt und Schulleitung hatten die Gäste begrüßt, die Schüler hatten die deutschen Schulformen präsentiert. Am Freitag stand ein Besuch im Kindergarten Eidinghäuser Weg auf der Tagesordnung. Bis Sonntag bleiben die neun Gäste in ihren Gastfamilien, über Bad Arolsen geht es dann nach Berlin.

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