Astrid Köhler gehört zu den letzten hauptamtlichen Küsterinnen im Kirchenkreis

Bei jeder Hochzeit mitschluchzen

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Singen nach Zahlen: Wenn Astrid Köhler am Samstag die Kirche für den Gottesdienst vorbereitet, hängt sie auch die Liedernummern ein.

Korbach - Montags schaltet sie ihr Handy ab – und das mit gutem Grund. Denn Astrid Köhler ist auch Sonntag für Sonntag als Küsterin in der Kilianskirche im Einsatz. Sie ist eine der letzten Hauptamtlichen auf ihrem Gebiet. Und das mit Leidenschaft.

Wenn Astrid Köhler ganz hinten auf ihrem Platz in der Kirche sitzt und sich Brautleute vorn vor dem Altar das Ja-wort geben, dann laufen ihr zuweilen Freudentränen über die Wangen. „Also, wenn ich bei Hochzeiten nicht mehr Mitschluchzen kann, dann hat sich der Job für mich erledigt“, sagt sie lachend. Allerdings liegen hinter der 49-Jährigen in diesem Moment schon arbeitsreiche Stunden. Vom ersten Gespräch mit Braut und Bräutigam übers Pläneschmieden und Träumeverwirklichen bis hin zum Blumenschmuckanbringen und Liedzettelverteilen: Damit es in der Kilianskirche richtig festlich wird, ist die patente Küsterin im Einsatz.

„Ich habe in den vergangenen 14 Jahren viele Methoden entwickelt, die mir die Arbeit leichter machen“, sagt sie. Dazu gehört jene Liste mit 14 Fragen an Brautleute. „Danach gibts eigentlich keine Fragen mehr“, sagt sie und lacht – wieder. Astrid Köhler lacht viel und gern. Und schnell steckt sie ihr Gegenüber an. Astrid Köhler mag ihren Job. Das spüren die Menschen. Und warum? „Bei meiner Arbeit erlebe ich Dinge, die man nicht überall erlebt“, sagt sie. Und denkt an die Dreharbeiten mit Matthias Schweighöfer oder den Auftritt der Prinzen. Und an damals, als ein berühmter Sänger in den Kilian kam und seine Sicherheitsleute kurz vor dem Konzert entdeckten, dass sie seine Hustenbonbons vergessen hatten. „Da kippte die Stimmung, und der Künstler wollte wieder fahren“, erzählt Astrid Köhler. Also rief sie bei ihrem Nachbarn, dem Apotheker, an, organisierte die Hustenbonbons. Das Konzert konnte stattfinden.

Oder an jenen Tag, als sie lernte, dass der Kiliansturm eine Heizung für die Dachrinnen hat, oder Geiger wegen der kühlen Temperaturen in der Kirche ihren Auftritt absagen wollten und sich das Blatt erst im letzten Moment wendete. Manchmal allerdings muss Astrid Köhler ein bisschen kämpfen – wenn der Wecker am Sonntagmorgen klingelt, wenn an Weihnachten ein Gottesdienst nach dem anderen auf dem Programm steht, wenn so viele Menschen in der Kirche erwartet werden, dass sie nicht weiß, wo sie alle Platz finden sollen, oder große Konzerte ihren Einsatz an gleich mehreren Fronten nötig machen.

Viele Küster in Neben- oder Ehrenamt

„Weihnachten beginnt für mich am dritten Weihnachtsfeiertag“, sagt sie. Aber dann zögert sie kurz und ergänzt: „Aber das Weihnachtsspiel ist schon toll. Und der Gottesdienst um 23 Uhr am Heiligen Abend ja auch. Das ist Weihnachten.“ Ihr Mann Michael, der vier ihrer 40 Stunden übernommen hat, zieht mit. Und die Kinder haben es früher auch getan – inzwischen sind sie erwachsen. „Trotzdem war es manchmal schwer, die Arbeitszeiten und die Familie unter einen Hut zu bekommen.“

Neben den großen Festlichkeiten steht der Alltag auf dem Programm: Terminplanung für Gemeindehaus und Kirche, Reinigungsarbeiten, Läuten bei Beerdigungen, Gottesdienstvorbereitungen, Zusammenarbeit mit Handwerkern, Gemeindegruppen und Ehrenamtlichen.

Viele ihrer Kollegen machen diesen Dienst bereits nebenamtlich oder auch mal ehrenamtlich. Im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg gibt es noch drei Küster im Hauptamt. „Jede Kirchengemeinde muss sich entscheiden, ob sie sich das leisten kann“, sagt Dekanin Eva Brinke-Kriebel. Unter dem Kostendruck werde auch diese Arbeit geprüft.

Deswegen haben die Küster in der Landeskirche nun eine Aktion auf die Beine gestellt (siehe Kasten). „Unsere Arbeit ist wichtig“, betont Astrid Köhler, „und viele würden wohl erst merken, um was wir uns alles kümmern, wenn wir nicht mehr da wären.“

Alle Küster und Kirchenvorsteher sind am 22. März von 14.30 bis 18.45 Uhr zur Küsterkonferenz der Landeskirche in Korbach eingeladen. Anmeldungen sind auch bei Astrid Köhler unter Telefon 017377469857 möglich. (resa)

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