Beschäftigungsgesellschaft Delta

Alltag und Arbeitswelt erkunden: Jobcenter Waldeck-Frankenberg will muslimische Frauen fit machen für den Beruf

Muslimische Frauen mit Seminar fit machen für den Beruf: Teilnehmerinnen, Dozentinnen und Betreuer des Seminars bei der Beschäftigungsgesellschaft Delta in Korbach.
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Muslimische Frauen mit Seminar fit machen für den Beruf: Teilnehmerinnen, Dozentinnen und Betreuer des Seminars bei der Beschäftigungsgesellschaft Delta in Korbach.

Von der Sprache bis zu Einblicken in die Berufswelt: Mit dem Seminar AVIA will das Waldeck-Frankenberger Jobcenter die Flüchtlinge fit machen für den heimischen Arbeitsmarkt.

Korbach – Mit der Sprache fängt es an. Ohne Deutschkenntnisse können sich die acht Frauen aus Syrien und Afghanistan später nicht am Arbeitsplatz verständigen. Und so üben sie derzeit täglich vormittags in Räumen der kreiseigenen Beschäftigungsgesellschaft Delta das ABC oder Vokabeln. Aber sie lernen auch Alltagssituationen zu meistern und erhalten erste Einblicke in die Berufswelt.

„Im Kurs fühle ich mich gut“, sagt Badiaa Ali. „Hier kann man immer sprechen und lernen.“ Die kurdische Syrerin ist mit ihrer Familie vor fünf Jahren aus der Provinz Afrin nach Deutschland geflohen – die türkische Armee hält ihre Heimat mit der Hilfe islamistischer Söldner völkerrechtswidrig besetzt.

Weil sie mit am besten Deutsch spricht, übersetzt sie – die Frauen unterstützen sich gegenseitig, „Da entsteht eine Gruppendynamik“, sagt die Koordinatorin der Delta-Seminare, Änne Vetterlein. Die Frauen besprechen, wie es mit der Kinderbetreuung läuft, wie es mit der Schule klappt. „Die Eltern müssen lernen, sich einzubringen“, sagt Brigitte Schoen vom Fachdienst Soziale Angelegenheiten der Kreisverwaltung.

Die Frauen sind mit Freude bei der Sache, „die Stimmung ist gut“, urteilt Friedrich Engelbracht, der beim Jobcenter Fachmann für Integration ist. „Es wird immer gelacht.“

Alle Frauen müssen sich mit der lateinischen Schrift vertraut machen – manche von ihnen haben in ihrem Heimatland nie Lesen und Schreiben gelernt. Sie haben zwar vor dem Seminar Alphabetisierungskurse besucht, müssen aber weiter üben.

Die Delta-Dozentin Elena Olontseva will die Frauen zudem mit Alltagssituationen vertraut machen. Sie hat sie durch Korbach geführt, die Frauen haben gelernt, Fahrkarten zu kaufen, beim Einkaufen Dinge zu bestellen, beim Arzt Auskunft über Beschwerden zu geben oder Briefe zu schreiben.

Vorige Woche stand zudem ein Besuch im Zirkus an. „Alle Frauen sagen, der Kurs ist super“, sagt Badiaa Ali. „Elena erklärt gut.“ Eine Praktikantin aus der Schweiz unterstützt sie.

In dieser Woche beginnt ein dreiwöchiges Praktikum, in dem die Frauen den deutschen Arbeitsalltag kennenlernen und ihre Deutschkenntnisse anwenden sollen. Alle haben einen Platz gefunden – im Supermarkt, in Hotels oder in der Gastronomie.

„Ich gehe in den Supermarkt“, sagt Badiaa Ali. Aber: „Es wird schwer, nicht alle Frauen können gut sprechen.“ Auch sie würde lieber noch besser deutsch lernen, bevor sie ins Praktikum geht. Brigitte Schoen widerspricht: Die Frauen sollten durch den Kontakt mit deutschen Kollegen üben, besser zu sprechen. Sie müssten dran bleiben und das bislang Gelernte anwenden – „vieles verliert sich sonst wieder.“

Auch Friedrich Engelbracht hält es für besser, wenn die Frauen „bei der Arbeit weiter Deutsch lernen“, Beruf und Spracherwerb müssten parallel laufen.

Zu Hause spreche die Familie oft in der Muttersprache – allerdings fingen jüngere Kinder an, auch zuhause Deutsch zu verwenden, berichtet er. Sie spreche mit ihrer Tochter zuhause deutsch, sagt Sawsan e-Ayoub aus Nordsyrien.

Badiaa Ali bedauert, dass der Kurs nur drei Monate dauert, sechs bis acht Monate wären besser, findet sie. „Sie haben recht“, entgegnet Engelbracht. Früher habe der Kurs sechs Monate gedauert, wegen der vielen Teilnehmerinnen sei er verkürzt worden. Alle Frauen sollten aber die Chance erhalten, einen Aufbaukurs zu besuchen, versichert er.

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