Parodien, Musik und Frechheiten

Jörg Knör begeistert in Korbach

Korbach - Die Zeit verflog, und wer zuweilen die Augen schloss, sah sich am Samstagabend in der Stadthalle Gerhard Schröder, Heinz Erhardt und Bernhard Grzimek gegenüber. Aber eigentlich war nur einer zu Gast: Jörg Knör in Bestform.

. „Schatz, sag mir mal was Schmutziges ins Ohr!“ Schweigen. Zögern. In der Korbacher Stadthalle würde man eine Nadel hören, die zu Boden fällt. Dann: „VW Passat 2.0“. Das Publikum brüllt. Und Jörg Knör punktet. Fast drei Stunden lang begeistert der Stimmenimitator, der auf keinen Fall so genannt werden will, sein Publikum im Korbach. Ex-VW-Chef Martin Winterkorn ist einer der Ersten, dem er seine Stimme leiht. Während auf einem Bildschirm ein Interview mit dem skandalgebeutelten Konzernchef läuft, spricht Knör. Vielmehr: Er singt. Zu den Melodien von Andrea Berg. Und das klingt dann so: „Ich hab euch tausendmal belogen, ich hab euch tausendmal verletzt.. Schon zuvor hatte er Skandale und Skandälchen genauer unter die Lupe genommen, hatte Korbach dank des Schwimmbaddebakels kurzerhand in Chlorbach verwandelt und Heinz Erhardt täuschend echt über Alkohol philosophieren lassen. Besonders dann, wenn Jörg Knör auf Tuchfühlung mit dem Publikum geht, sammelt er Punkte. Wenn auch nicht unbedingt bei den Betroffenen selbst. Denn in der Mitmachreihe bekommt fast jeder sein Fett weg. „Waren Sie in einem evangelischen Kindergarten“, fragt Knör einen Mann in der ersten Reihe. Der antwortet knapp, als würde er das Unheil ahnen: „Negativ.“ Knör runzelt die Stirn und legt dann los – spontan und frech. Dann ist er am besten. „Negativ? Sind sie Informatiker? Tango charly negativ.“ Den ganzen Abend über wird er darauf zurückkommen. Fragen stellen wie: „Sind sie Romantiker?“ Um sich dann selbst die Antwort zu geben: „Negativ.“ Auch ein Herr, der erzählt, er habe zu Hause gerade eine Tür gestrichen, wird zum Running Gag des Abends. Oder die Dame, die sich um das gezeichnete Porträt von Angela Merkel bewirbt und bekundet: „Das hänge ich mir aufs Klo.“ Egal, was man tut. Man gibt ihm eine Vorlage. Und Knör nutzt sie. Das macht den Abend so unterhaltsam, dass sich ein Blick auf die Uhr verbietet. Dazu kommen seine Parodien, die einen zuweilen vergessen lassen, wer da wirklich auf der Bühne steht: Das gilt für Calli Calmund, der im breitesten Kölsch die Moral der Fifa erklärt: „Beckenbauer und Blatter würden beide für Geld ihre Großmutter verkaufen“, lässt Knör den Calli sagen, „der Unterschied: Blatter liefert auch.“ Besagtes Porträt von Angela Merkel ist dann der Einstieg in eine Passage, die Knör seiner Kanzlerin widmet. „Wir haben am gleichen Tag Geburtstag“, erzählt er, „wir sind Krebs. Zum Hummer hat᾽s nicht gereicht.“ Und dann lässt er sie von der Rautetaste am Kanzlerhandy erzählen und von der Wahlwiederholung. Von Désirée Nick bis Thomas Gottschalk („Der kann doch Lessing nicht von Leasing unterscheiden“), von Gerhard Schröder („Bei der Wodkadiät verlierst du in einer Woche drei Tage“) bis zu Guido Maria Kretschmer und der Truppen-Ursel („Die muss sich fühlen wie Hugh Heffner“): Knör glänzt. Bejubelter Glanzpunkt des Abends: der Auftritt von Bernhard Grzimek. Ältere Semester jubeln und klatschen, denn Knör trifft den Tierfachmann in Betonung und Wortwahl auf den Punkt. Er lässt ihn über „Rollmöpse hinter Glas“ philosophieren, deren natürlicher Feind nur der Schluckspecht sei.Ohne Zugabe lässt das Publikum Knör schließlich nicht gehen. Gute Unterhaltung? „Positiv“, klingt es aus der ersten Reihe.

Von Theresa Demski

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