Kirchensanierung im Adorfer Mittelschiff · Innenraum soll folgen

St. Johannis „fit machen“

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Diemelsee-Adorf. - Als Wehrkirche im Mittelalter errichtet, wirkt die stattliche Adorfer St.-Johannis-Kirche bis heute unangreifbar – zumindest auf den ersten Blick. In der romanischen Pfeilerbasilika besteht allerdings großer Sanierungsbedarf. Nach den Arbeiten am Turm 2008 ist nun das Mittelschiff an der Reihe.

„Nach dem ersten Bauabschnitt, der Subs­tanzsicherung des Turmes für knapp 200?000 Euro, haben Experten entschieden, dass es mit dem Mittelschiff weitergehen muss“, berichtet Pfarrer Sascha Biehn-Tirre.

103 000 Euro habe die Landeskirche für den zweiten Bauabschnitt, der spätestens im Sommer abgeschlossen sein soll, bewilligt. Wie seinerzeit dem 36 Meter hohen Turm mit Pyramidenhelm macht auch dem Mittelschiff der „größten und bedeutendsten romanischen Dorfkirche in der Region“ (Bernd Rhodius, in: „Romanische Kirchen in Diemelsee) die Feuchtigkeit zu schaffen.

Mittelalter bewahren

Umso erstaunlicher erscheint es Sascha Biehn-Tirre und Ulla Küthe, Vorsitzende des Fördervereins Kirche Adorf (siehe Hintergrund), dass die in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtete Kirche nahezu unverändert erhalten ist.

Damit dies so bleibt, arbeiten Landeskirche, Kirchengemeinde und Förderverein Hand in Hand. Biehn-Tirre: „Es ist wichtig, dass alles genehmigt und finanziert ist und die Arbeiten begonnen haben.“

Die Zimmerleute rücken erstmals im Herbst 2012 an. Da der Schiefer, der das Dach über Chor und Mittelschiff bedeckt, noch gut in Schuss ist, transportieren sie die benötigten Balken nur über eine kleine Luke im Dach hinauf.

Während der Turm 2008 komplett eingerüstet war, zeugt somit nur ein kleines Gerüst von der Sanierung. „Die Nutzung der Kirche ist nicht eingeschränkt, weil die Arbeiten am Wochenende ruhen“, ergänzt der Pfarrer.

„Wasser ist unser Feind“

Das Gebälk, das sich über dem Kirchengewölbe erhebt und nun teilweise ausgebessert wird, stammt laut Ulla Küthe „noch in weiten Teilen aus dem Mittelalter“.

Die Experten des Denkmalschutzes sind bei der Sanierung folglich ebenfalls wichtige Partner. „Um die Mauerkrone fit zu machen, kommt daher eine Fachfirma, die wie früher mit Muschelkalk arbeitet“, erläutert Biehn-Tirre.

Die Stabilisierung der Mauerkrone, die Unterfütterung der Mauerlatte, auf der die Holzbalken aufliegen, sowie die Instandsetzung des Dachgebälks dienen allesamt der Standsicherheit des stattlichen Bauwerks. Um die Bewegung des Daches zu minimieren, setzen die Fachleute zudem Metallstäbe zwischen die Balken. Neue Dachrinnen verbessern künftig die Entwässerung. „Wasser ist unser natürlicher Feind“, erklärt der Pfarrer.

Wenn es das Budget hergibt, wünscht er sich daher, dass eines der Obergadenfenster – durch die Fenster oberhalb der Seitenschiffe fällt Licht in das Mittelschiff – ebenfalls repariert wird. „Dort dringt Feuchtigkeit ein“, zeigt Ulla Küthe auf den abgeplatzten Putz im Kircheninnenraum. Wenn die Standsicherheit gewährleistet ist und die Feuchtigkeit nicht mehr eindringen kann, wollen Kirchengemeinde und Förderverein die Sanierung des Innenraums als dritten Bauabschnitt in Angriff nehmen. „Der Putz blättert nicht nur ab, sondern ist auch stark verschmutzt“, blickt die Fördervereinsvorsitzende in den Chorraum.

Darüber hinaus gibt es dort laut Gutachten einige „qualitätsvolle Bemalungen in Form eines gerafften Vorhangs“ aus dem 15. Jahrhundert, die freigelegt werden könnten.

Fonds soll helfen

Das Gutachten für die Innenraumsanierung ist allerdings mehr als zehn Jahre alt, sodass zunächst viele offene Fragen geklärt werden müssen.

Wichtigster Aspekt ist die Finanzierung: „Weil die Kirche so groß ist, werden die Kosten sehr hoch sein“, blickt Ulla Küthe voraus. Hinzu kommt, dass die Adorfer für diesen Bauabschnitt kein Geld von der Landeskirche bekommen. Gelder können lediglich über den Kirchenerhaltungsfonds fließen.

„Wenn wir unser Projekt anmelden, könnte ein von uns eingezahlter Betrag x verdoppelt werden“, erklärt Ulla Küthe. Genau um diesen guten Grundstock zu legen, hätten die Adorfer 2008 den Förderverein gegründet. Biehn-Tirre: „Die Kirchengemeinde ist für dieses Engagement überaus dankbar – auch weil St. Johannis, das Wahrzeichen Adorfs, durch die Aktionen Öffentlichkeit bekommt.“

HIntergrund

Die St.-Johannis-Kirche „diente vielen Kirchen in Waldeck als Vorbild und muss dringend erhalten werden“, heißt es auf der Internetseite des „Fördervereins Kirche Adorf“ (www.­foerderverein-kirche-adorf.de).

Um die Sanierung ihres romanischen Gotteshauses zu unterstützen, hatten die Adorfer den Verein am 13. November 2008 gegründet.

Zum Vorstand gehören neben Vorsitzender Ulla Küthe Hartmut Bienert, Juliane Ashauer, Sabine Wurdak, Claudia Preising und Martin Kranke. Ziel ist, über Aktionen und Mitgliederwerbung Geld zu sammeln. „Wir versuchen immer wieder ein interessantes Programm mit lokalem Bezug anzubieten“, berichtet Ulla Küthe.

Zu den Aktionen des Fördervereins gehörten bislang zum Beispiel Kirchen- und Turmführungen sowie Kabarett-Abende beim „Tag des offenen Denkmals“, ein Konzert des Heeresmusikkorps 2, eine Krippenausstellung mit rund 100 Exponaten, ein plattdeutscher Weihnachtsnachmittag sowie Literaturnachmittage im Landgasthaus Hofmeister.

2013 planen die rund 50 Mitglieder Neuauflagen des Literaturnachmittags, des Kabarettabends sowie der Krippenausstellung.

Beim nächsten „Literaturnachmittag mit Musik bei Kaffee und Kuchen“ am Sonntag, 24. Februar, von 14.30 bis 17 Uhr liest Historiker Dr. Jürgen Römer (Dalwigksthal) aus seinem Roman „Stuzzel“. Alex Kraus (Gitarre) und Franziska Witsch (Querflöte) umrahmen die Lesung.

Anmeldung unter Telefon 05633/5875.(nv)

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