Teilnehmer des Internationalen Workcamps arbeiten zwei Wochen lang in Klostergebäuden

Jugendliche helfen bei Sanierung mit

Flechtdorf - Zwölf Jugendliche aus Spanien, Frankreich und Deutschland arbeiten für zwei Wochen im Kloster.

Schnell haben die Jugendlichen ihr System gefunden: Zwei junge Frauen hängen im Wechsel mit gekörntem Blähton gefüllte Eimer an den Haken, ein junger Mann zieht sie über einen Flaschenzug hoch, die anderen holen Nachschub aus den „Big Packs“ im Ringhof des historischen Klosters. Und auf dem Boden der Scheune stehen zwei weitere Jugendliche, die die Eimer annehmen und zwischen den Balken auf Folie ausschütten. Der Blähton dient der Wärmedämmung. Im Dachgeschoss der alten Bruchsteinscheune wolle der Förderverein fürs Kloster später Übernachtungsmöglichkeiten für Besucher des „Klosterforums“ einrichten, erläutert der Vorsitzende Helmut Walter. Und die nächsten Arbeiten warten schon auf die Jugendlichen: Im Rentmeisterhaus muss der marode Fußboden aufgenommen werden. Am Samstag sind die Jugendlichen eingetroffen. Bis zum 23. August helfen sie mit bei der Sanierung der einstigen Wirtschaftsgebäude, die zum „Klosterforum“ hergerichtet werden. Die Arbeiten laufen auf Hochtouren, neuer Estrich ist verlegt, vier Handwerksfirmen sind mit Sanitär-, Elektro- oder Heizungsarbeiten beauftragt. Walter drückt aufs Tempo: „Es könnte schneller gehen.“ Auch für die Jugendlichen hat er mehr als genug Aufgaben – allerdings achtet er darauf, dass sie körperlich nicht zu schwer sind. Auf dem Programm stehen sechs Stunden Arbeit am Tag, der Rest ist Freizeit. Als Aufwandsentschädigung erhalten die Teilnehmer etwa 200 Euro. „Sie sind sehr fleißig“, betont Walter. Die Jugendlichen im Alter von 16 bis 23 Jahren kommen aus der französischen Hauptstadt Paris, aus der Bretagne und Südfrankreich, aus der katalanischen Metropole Barcelona und aus allen Teilen Deutschlands – von Hamburg über Berlin bis München. Manchen Großstädtern habe die Umstellung aufs Landleben Probleme bereitet, sagt Teamleiterin Lena Brückner aus Osnabrück. „Aber für andere ist es cool, weit weg von allem zu sein.“ Den Katalaninnen ist es arg kalt. Im Camp ist zudem „Entschleunigung“ angesagt: kein Internet, der Handyempfang in Flechtdorf ist schlecht – für die zweite Teamleiterin Franziska Scheffzik aus Berlin eine positive Erfahrung: „Es tut mal ganz gut, rauszukommen und Zeit für andere Sachen zu haben“, sagt die gebürtige Süddeutsche. „Man hat Zeit für Spiele und anderes.“ Die beiden Frauen verstehen sich nicht als Chefinnen: „Wir sind nur Teil der Gruppe“, betont Scheffzik. „Wir setzen auf die Selbstorganisation.“ Allerdings sei diese Gruppe sehr jung und habe viele Minderjährige mit 16 und 17 Jahren, sagt Brückner. Deshalb muss eine Aufsicht sein. „Viele wohnen noch zu Hause“, erklärt sie, für sie sei es das erste Mal, dass sie kochen und mit ihrem Budget an Geld auskommen müssten. Manche suchen die Erfahrung in einer Gruppe Gleichaltriger, andere wollen ihre Sprachkenntnisse erweitern. Wieder andere wollten sich nach der Schule noch einmal „körperlich austoben“, bevor ein neuer Lebensabschnitt beginne, sagt Scheffzik. „Das Team ist super“, berichtet Scheffzik. „Gleich am ersten Abend haben wir alle im Kreis gesessen, gesungen und Gitarre gespielt.“ Untergebracht ist die Gruppe in der Aartalhalle, die auch eine Küche hat. In der Sporthalle sind Feldbetten aufgestellt. Um 7.45 Uhr klingelt der Wecker, nach dem Frühstück soll gegen 9 Uhr die Arbeit beginnen. „Für viele ist es das erste Mal, dass sie körperlich arbeiten“, erklärt Brückner. Ihre Freizeit nutzen die Jugendlichen für Spiele oder Spaziergänge. Eigentlich sollen je zwei Jugendliche ein Mittagessen zubereiten. Stattdessen kommen die Jugendlichen abends zusammen, um gemeinsam zu kochen. Da die Deutschen eher 18 Uhr als Essenszeit gewohnt sind, die Katalaninnen eher 22 Uhr, hat sich die Gruppe auf 20 Uhr geeinigt. Mittags legt sie nur eine kurze Pause ein, gestern gab es auf einem Grill im Hof gebackene Folienkartoffeln mit selbst hergestellter Kräuterbutter. In der „Kulturscheune“ sind Tische und Bänke aufgestellt. Da die Verkehrsverbindungen schwierig sind und es im Dorf nur eine Bäckerei gibt, fahren Vereinsmitglieder Teilnehmer zum Einkaufen nach Korbach. „Amtssprache“ ist im Zweifel Englisch – auch für Helmut Walter. Bereits zwei Mal hatten die Gemeinde und der Förderverein Jugendliche zu Workcamps zu Gast, damals waren sie in der Adorfer Dansenberghalle untergebracht. 2006 standen Arbeiten an der Grube Christiansen an, 2008 war eine Gruppe in Adorf beschäftigt, die andere im Kloster. „Zum Schluss waren alle in Flechtdorf“, berichtet Walter. Die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (IJDG) aus Bonn hatten bei den Diemelseern nachgefragt, ob wieder ein Projekt möglich sei. „Arbeit haben wir genug“, sagt Walter, „deshalb haben wir 2014 einen neuen Anlauf gestartet.“ Die 1949 gegründeten IJDG haben das Projekt ausgeschrieben und Jugendliche europaweit aufgerufen, sich zu bewerben. Jedes Jahr bietet der gemeinnützige Verein rund 100 Camps für mehr als 1300 Freiwillige an.Die beiden Teamer sind begeistert vom Engagement der Vereinsmitglieder: „Toll, wie herzlich wir empfangen wurden“, sagt Brückner. Am vorigen Wochenende haben Mitglieder mit den Jugendlichen eine Rundtour durch Waldeck unternommen: Edertalsperre, Schloss Waldeck. Zum Schluss ging es zum Heideblütenfest nach Altenlotheim. An diesem Samstag steht das Open-Air-Kino im Kloster an. „Von der Arbeit sind bis jetzt alle angetan“, sagt Scheffzik. Und sie fragt sich schon, was noch kommt. Von Dr. Karl Schilling

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