Musiker des weißrussischen Kammerorchesters überzeugen mit jugendlichem Elan und interpretatorischer

Junge Virtuosen spielen für einen guten Zweck

Korbach - Beeindruckende Spielkultur durch die Bank und an sämtlichen Pulten kennzeichnete den Auftritt der jungen Virtuosen vom weißrussischen Kammerorchester in der Kilianskirche, das überaus lebhaft mit dem Allegro aus Mozarts kleiner Nachtmusik begann und nicht minder inspiriert und intensiv mit dem von sanften Celloschwingungen getragenen Gebet auf dem Ölberg aus Jesus Christ Superstar ausklang.

Denn auch die ruhigeren Momente des Programms profitierten viel vom jugendlichen Schwung der Musiker, die zugleich eine interpretatorische Reife mitbrachten. Geradezu überwältigend war diese Kombination bei der akribisch-spannungsvollen Darbietung von Bachs Air, das nicht zu jenem vielerorts gebotenen musikalischen Ruhekissen oder Absacker missriet, sondern ungewöhnlich belebend wirkte - und trotzdem so etwas wie die musikalische Ruhe vor dem Sturm darstellte, denn beim ersten Satz von Antonio Vivaldis Concerto grosso in d-moll wirbelten die Bögen der Solisten Ekaterina Petrova, Anna Zhdan (beide Violine) und Mikhail Radunsky in rasantem Tempo. Die Geige der Primaria war einst eine Spende aus Korbach, mit der sich die Verbindung zum weißrussischen Jungendkammerorchester noch vertiefte, so Ingrid Rathgeber. Der erste Primarius, der auf der Korbacher Geige spielte, studiert inzwischen am renommierten Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau, so die Vorsitzende des Vereins „Hilfe für Kinder in der Not nach Tschernobyl“, die in diesem Zusammenhang auch auf die Lehrtätigkeit von Dirigent Vladimir Perlin im Bereich Cello verwies.

Mikhail Radunsky erwies sich bei der Gestaltung des intensiven Soloparts von Ernest Blochs „Sholemo“ als Schüler mit meisterlichen Anlagen, der es beim innigen Klang nie mit der Süße des Tons übertrieb. Auch Dirigent Vladimir Perlin hielt sich beim Urahn zum Soundtrack unzähliger Historienschinken mit dem Pathos zurück, so dass Spätromantik, Klassik und Barock auf demselben hohen Niveau ertönten.

Zum virtuosen Gipfel der ersten Hälfte gehörten zwei Kompositionen für Zither und Orchester. Dabei schien Solistin Alexandra Denisenia noch keine zehn Jahre alt zu sein und agierte doch schon vom ersten Einsatz an als Meisterin an den Schlegeln, mit denen sie in immer rasanterem Tempo ihrem Instrument immer kühnere Klangkaskaden entlockte. Im Finale beherrschte sie souverän die Kunst des Verklingens, die letzten Zithertöne des „Weißrussischen Volkslieds“ verebbten eingebettet in das feinste Streicherpianissimo. Beim anschließenden „Frühlingstanz“ ließen es die Solistin und das Orchester dann so richtig krachen.

Ein weiterer Vivaldi-Wirbel eröffnete die zweite Hälfte. Beim Concerto für zwei Cellos spielten Yan Khmialeuski und Elizaveta Lessoun die Zuhörer schwindelig, erst recht als sich noch eine Solo-Geige in das muntere Cellotreiben mischte. Sanfter Celloklang und gepflegte Melancholie bildeten das Kontrastprogramm in Hugo Schlemüllers „Serenade“, bei der Maxim Vensko auf den Spuren des spätromantischen Cellovirtuosen und Komponisten wandelte. Anschließend hatte das Orchester, das sich zu dem Stück in immer neuen Besetzungen zusammen fand, eine Pause. Die Pianistin Daria Koval begann ihr Intermezzo für Klavier mit einer ansprechenden Interpretation der Rhapsodie Nummer eins von Johannes Brahms und streifte mit Botschaft/Vision von Robert Schumann die Bereiche des Außergewöhnlichen.

Auf diese stillen, berührenden Momente für Piano Solo folgte eine ausgiebig und begeistert bejubelte russische Volksliedrhapso, die „memory of heart“von Walter Mnatsakanov. Mit Jesus Christ Superstar auf dem Ölberg endete das Programm zwar vergleichsweise ruhig, doch nach so viel Streicherkultur wurde der Wunsch nach Zugaben auch nach dem stillen Ausklang so richtig laut. Und so klang das Klassik-Konzert, dessen Einnahmen dem Verein „Hilfe für Kinder in der Not nach Tschernobyl“ zugute kamen dann doch noch mit heiteren Weisen aus.

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