"Tag der offenen Tür" am Korbacher Amtsgericht · Einblicke in Grundbuch, Strafabteilung und Register

Justitia zeigt sich und ihre vielen Partner

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Gut aufgelegt führte Geschäftsleiter Friedrich Vogel durch die drei Häuser des Korbacher Amtsgerichtes.Fotos: Dennis Schmidt

Korbach - Meistens traurig oder kriminell: Der Anlass, bei dem die Menschen in Waldeck-Frankenberg normalerweise mit dem Korbacher Amtsgericht in Berührung kommen, ist oft kein angenehmer. Gestern hatten sie die Möglichkeit, sich ganz unbefangen umzuschauen.

So voll war der Gerichtssaal schon lange nicht mehr: Mehr als 50 Zuschauer waren anwesend, als sich gestern die drei Richter Pierre Brandenstein, Henrik Ludwig und Florian Günthner einen harten Kampf vor Gericht lieferten.

Da konnte Direktor Brandenstein noch so oft betonen, dass im Amtsgericht auch andere Abteilungen zu Hause sind - die nachgestellten Gerichtsszenen zogen die meisten Menschen an. Diese etwas andere Art des „Schauprozesses“ war Teil des „Tages der offenen Tür“, den die Mitarbeiter seit Monaten mit viel Eifer vorbereitet hatten.

Salesch und Konsorten

Die Mitarbeiter wollten zeigen, wie Fernsehrichterin Barbara Salesch im wahren Leben arbeiten und vorgehen müsste. Zeugen beschrieben einen erfundenen Autounfall, den ein Betrunkener verursacht hatte und dann geflüchtet war. Im wahren Leben ist Dieter Dielschneider häufig bei Prozessen zugegen, allerdings als Protokollführer. Nun musste er als Beschuldigter Anklage, Beweisaufnahme, Plädoyers und Urteil über sich ergehen lassen.

Eine etwas andere Rolle übernahm auch Geschäftsleiter Friedrich Vogel. Er führte die Besucher im Akkord gut aufgelegt durch die elf Abteilungen des Gerichtes, hatte hier ein Anekdötchen und dort eine launige Geschichte parat. Die Gäste lernten beispielsweise, dass 700 Meter Grundbuchakten im Keller lagern, dass die Mitarbeiter auch mal ein Mittagessen in die „Präsenzzellen“ bringen und jede Abteilung ihre eigene Farbe zugewiesen bekommen hat. Die Mitarbeiter verrichteten normalen Schreibtischdienst, standen aber auch bei Fragen der Besucher zur Verfügung.

Bilder vom Arolser Umzug

Die engen Partner von Justitia zeigten ihre Arbeitsgebiete ebenfalls, unter ihnen Polizei, Jugendamt, Schuldnerberatung oder Verkehrswacht. Bilder vom Umzug der Arolser Kollegen in die Kreisstadt, die WLZ-Serie zur Gerichtsbarkeit in Korbach, Informationen zu den Berufen in der Justiz, ein Klagelied von „Dr. Lenz“ und eine Fundsachenversteigerung rundeten das Angebot ab.

Der „Tag der offenen Tür“ war allerdings nicht wörtlich zu nehmen. Am geschlossenen Haupteingang wies kein Schild auf das Ereignis hin - zufällig vorbeikommende Fußgänger oder Autofahrer wurden so nur schwer zu Besuchern.

Angefangen hatte die Veranstaltung - nach 1989 die zweite ihrer Art und landesweit durchgeführt - mit einem Sektempfang. Vertreter von Städten und Gemeinden, der Partner, Rechtsanwälte und Mitarbeiter größerer Firmen sowie einige interessierte Korbacher hatten sich von Direktor Brandenstein in den gemeinsamen Tag einstimmen lassen.

„Wir wollen zeigen, wer wir sind und wie vielfältig unsere Arbeit ist. Wir freuen uns auf die Begegnungen“, lautete seine Parole. Wermutstropfen: In die langen Flure hätten noch mehr Besucher gepasst.

Großes Einzugsgebiet

Übrigens: Der Angeklagte Dieter Dielschneider wurde vom Gericht zu einer Geldstrafe verurteilt, der Führerschein eingezogen. Sein Glück: Das Urteil wird nie rechtskräftig.

Das Amtsgericht ist, nach der Schließung des Standortes Bad Arolsen, zuständig für die zehn Städte und Gemeinden Nordwaldecks: Korbach, Bad Arolsen, Diemelsee, Diemelstadt, Volkmarsen, Lichtenfels, Twistetal, Waldeck, Willingen und Vöhl.

2011: 622 Mal „Bürgerärger“

Am Korbacher Amtsgericht sind zurzeit 65 Mitarbeiter beschäftigt, unter ihnen sechs Richter, sechs Gerichtsvollzieher und fünf Wachtmeister. In elf Abteilungen kümmern sie sich um Recht und Ordnung – nicht nur im Gerichtssaal. Denn im vergangenen Jahr wurden 5653 Verfahren bearbeitet, aber nur etwas mehr als fünf Prozent waren Strafsachen. Die weiteren Zahlen: Es wurden 2136 Vollstreckungen durchgeführt, 956 Insolvenzverfahren betreut, 942 Familienstreitigkeiten entschieden, 315 Strafbefehle erlassen sowie 188 Häuser und Grundstücke versteigert. 622 Mal landete im vergangenen Jahr der „Bürgerärger“ vor Gericht. (sogenannte Zivilprozesse). Der Flyer, den die Gerichtsmitarbeiter ausgearbeitet haben, verrät zudem, dass pro Jahr fast 40 000 Euro Portokosten anfallen, Büromaterial macht rund 15?000 Euro aus, Reise- und Telefonkosten schlagen mit etwa 10 000 Euro zu Buche.(den)

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