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Café-Gastronomie auf Rathausvorplatz in Korbach geplant

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Von: Philipp Daum

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Tische und Stühle stehen schon: Auf dem neuen Rathausvorplatz in Korbach hat die Stadt zu „Test-Zwecken“ Sitzgelegenheiten aufgestellt. Sie hofft nun darauf, dass dort irgendwann auch ein Café-Betrieb realisiert wird.
Tische und Stühle stehen schon: Auf dem neuen Rathausvorplatz in Korbach hat die Stadt zu „Test-Zwecken“ Sitzgelegenheiten aufgestellt. Sie hofft nun darauf, dass dort irgendwann auch ein Café-Betrieb realisiert wird. © Philipp Daum

„Wir sind offen für Ideen“, sagt Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich mit Blick auf ein gastronomisches Angebot auf dem neuen Rathausvorplatz an der Stechbahn 1. Das Thema habe zuletzt wieder etwas Fahrt aufgenommen, berichtet der Verwaltungschef.

Bewusst habe die Stadt vor einigen Wochen ein paar Stühle und Tische auf den Platz gestellt, um zu sehen, wie dies optisch wirke. Mit den direkten Anliegern, den Wirten vom Kings Rockcafé und den Goldstuben, sei zudem gesprochen worden. „Es gibt aber noch kein fertiges Konzept. Wir werden nun schauen, was möglich ist und wie wir die Interessen der Stadt und der heimischen Gastronomie zusammenbringen können.“

Für Friedrich steht fest: Das Angebot sollte sich weitgehend an den Öffnungszeiten des Rathauses orientieren – daher sei an dieser exponierten Stelle auch ein Café-Betrieb vorgesehen. Die Stadt könne die Bewirtung nicht selbst übernehmen. Der Bürgermeister will deshalb am liebsten die heimische Gastronomie mit ins Boot holen und hofft darauf, dass in den kommenden Wochen weitere Schritte in diese Richtung unternommen werden.

Klaus Friedrich
Klaus Friedrich, Bürgermeister in Korbach © PR

Allerdings müssen laut Friedrich auch andere Gedankenspiele erlaubt sein. „Wenn jemand Externes mit einem passenden Konzept kommt, schauen wir uns das ebenfalls an. Für uns ist es wichtig, dass der Rathausvorplatz eine Belebung erfährt“, sagt der Bürgermeister und weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass in den kommenden Wochen der Platz begrünt werde.

Thomas Schacht, Betreiber des Kings Rockcafé, hat auf jeden Fall ein großes Interesse daran, den unmittelbar gegenüber liegenden Rathausvorplatz mit einem weiteren, gastronomischen Angebot zu bewirtschaften. Das sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Es gebe aktuell allerdings zwei wesentliche Gründe, die dagegen sprächen. „Wir haben einen heftigen Personalmangel. Die Situation ist – wie bei vielen anderen Gastronomen auch – katastrophal“, berichtet Schacht. Im Zuge der Corona-Lockdowns hätten sich viele Mitarbeiter anders orientiert – es komme zudem kein Personal nach.

„Der zweite Punkt ist: Für uns ergibt ein gastronomischer Betrieb auf dem Rathausvorplatz wirtschaftlich nur Sinn, wenn wir auch direkt vom Kings die Bewirtung machen können und keine zusätzliche Infrastruktur auf dem Platz aufbauen müssen. Unsere Servicemitarbeiter müssen also gefahrlos die Straße überqueren können“, sagt der Wirt. Ein Café-Betrieb sei für ihn – sollte sich die Personallage verbessern – auch machbar, betont Schacht. „Allerdings ist das Kings ein Abend- und Nachtlokal. Deshalb müsste die Außengastronomie auf dem Rathausvorplatz zumindest mal bis 22 Uhr auch noch von uns betrieben werden dürfen.“

Thomas Schacht, Betreiber des Kings Rockcafé
Thomas Schacht, Betreiber des Kings Rockcafé © PR

Schacht weist darauf hin, dass er sich schon seit Jahren eine Verkehrsberuhigung im Sinne einer erweiterten Fußgängerzone rund um das Rathaus wünsche. „Es geht auch um mehr – um eine Belebung des benachbarten Nikolaiviertels mit Altstadtberuhigung und Plätzen zum Verweilen.“

Darauf angesprochen, sagte Bürgermeister Klaus Friedrich im Gespräch mit der WLZ: „Wir haben das geprüft. Eine Fußgängerzone in diesem Bereich ist nicht möglich. Wir haben dort täglich rund 7000 Verkehrsbewegungen. Die gute Erreichbarkeit der Achse ‚Klosterstraße, Professor-Kümmel-Straße, Lengefelder Straße und Stechbahn‘ ist für Anwohner, Gastronomie und Hotellerie sowie für Arztpraxen und Einzelhändler wichtig.“ Möglich sei aber, die Geschwindigkeit am Rathaus mit verschiedenen Maßnahmen auf zehn Stundenkilometer zu senken.

Den Betrieb einer Café-Gastronomie auf dem Rathausvorplatz kann sich auch Amir Veseli, Pächter des gegenüber liegenden Restaurants Goldstuben, vorstellen. Allerdings hält er sich auf WLZ-Anfrage noch bedeckt. „Die Stadt hat ihre Vorstellungen, wir haben unsere. Es werden jetzt weitere Gespräche folgen, auf die ich mich freue.“

KOMMENTAR

WLZ-Redakteur Philipp Daum zur geplanten Gastronomie auf dem Rathausvorplatz in Korbach

Beide Seiten müssen sich bewegen

Der neue Rathausvorplatz in Korbach ist der ideale Standort für eine Außengastronomie. Nicht nur Einheimische, sondern vor allem auch Touristen werden in diesem Ensemble aus Rathaus, Fachwerk und Kump einige Zeit verweilen und Kulinarisches genießen wollen. Es ist richtig, diesen besonderen Platz in der Altstadt aufzuwerten.

Doch bis die Interessen von Stadt und heimischer Gastronomie unter einen Hut gebracht werden, dürfte es noch etwas dauern.

Klar ist: Beide Seiten müssen sich bewegen. Die Gastronomie muss bereit sein, Geld in die Hand zu nehmen – schließlich profitiert sie von einem attraktiven Altstadt-Areal für den Betrieb einer Außengastronomie. Die Stadt Korbach sollte – unter Berücksichtigung aller Sicherheitsvorkehrungen für Gäste und Personal – wiederum nicht zu starr am Café-Konzept festhalten. Laue Sommernächte bei einem kühlen Getränk im Schatten des Rathauses – das wäre doch was.

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