Lange Debatte um Kosten · Breite Mehrheit im Stadtparlament für Umbau

Kalkturm wird zum Museum

Korbach - Am Kalkturm darf gebaut werden: Mit einer breiten Mehrheit haben sich Korbachs Stadtverordnete dafür ausgesprochen, den Sperrvermerk für die entsprechenden Haushaltsmittel aufzuheben.

Damit können der Turm und das Umfeld der Korbacher Spalte zum „Geofoyer“ ausgebaut werden, um die berühmte Fossilienfundstätte für Touristen und Fachpublikum besser zu vermarkten. Der in den 1920er-Jahren errichtete Kalkturm soll dabei zu einer Außenstelle des Wolfgang-Bonhage-Museums werden. Mehr als eine Stunde debattierten die Stadtverordneten in der Sitzung am Donnerstagabend über das Vorhaben. 19 Parlamentarier stimmten schließlich für die Aufhebung des Sperrvermerks, sechs aus den Reihen von CDU, Freien Wählern und Grünen dagegen.

Investition umstritten

Ein deutliches Ergebnis. Noch vor der Sitzung hatte das Projekt auf der Kippe gestanden: Bei der Abstimmung im Finanzausschuss zuvor gab es ein Patt von 5:5 Stimmen - der Beschlussvorschlag war damit abgelehnt.Auch in der Stadtverordnetenversammlung war die Investition umstritten. Insgesamt sind 750 000 Euro vorgesehen, um den Turm zu sanieren und das gesamte Umfeld bis zur Spalte neu zu gestalten. Gefördert wird die Investition mit mehr als 400 000 Euro - dafür muss das Projekt aber bis Ende 2014 abgerechnet sein, die museale Ausstattung sogar in diesem Jahr.

Die Stadt kalkuliert außerdem mit jährlichen Folgekosten von rund 5000 Euro. Belohnt würde sie für den finanziellen Einsatz mit pro Jahr rund 17 500 Besuchern auf dem Gesamtareal der Korbacher Spalte und rund 8800 Besuchern in der Ausstellung im Kalkturm - so jedenfalls die Prognose der Machbarkeitsstudie. Korbach könne sich so als starker touristischer Mittelpunkt im Waldecker Land positionieren, warb Tourismusförderer Dr. Marc Müllenhoff.

Kosten hätte die Stadt indes auch, wenn das Projekt nicht umgesetzt würde: 48 000 Euro sind bereits in Planung und eine Untersuchung der Bausubs­tanz geflossen. Und um das bröckelnde Bauwerk nur im Bestand zu sichern und die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, müsste die Stadt weitere 133 000 Euro in die Hand nehmen, rechnete Bauamtsleiter Stefan Bublak vor. Selbst ein Abbruch würde mit 82 000 Euro zu Buche schlagen.

Die Skepsis blieb bei einem Teil des Parlaments: „Wir begeben uns in die Gefahr, eine Investition zu tätigen, die eine dauerhafte finanzielle Belastung mit sich bringt“, warnte etwa FWG-Fraktionschef Kai Schumacher. Er sehe nicht die Finanzstärke, um das Projekt stemmen zu können. Schumacher plädierte für eine einfache Substanzerhaltung, um den Turm bei besserer Finanzlage eventuell später zu sanieren.

Es gehe nicht, immer mehr Ausgaben zu tätigen, sagte Manfred Figge (CDU) in einer persönlichen Erklärung, sein Parteikollege Andreas Ruppert sprach sich dafür aus, die Abstimmung zu schieben, bis ein Beschluss über die Haushaltskonsolidierung gefasst sei. „Wir planen, die Grundsteuer B zu erhöhen. Wir erhöhen also die Kosten für das Wohnen in Korbach zugunsten einer musealen Einrichtung. Da habe ich Bauchschmerzen“, erklärte Ruppert. Auch Doris Jauer (fraktionslos) forderte, die Abstimmung in den November zu vertagen.

„Kalkturm nicht einmotten“

CDU-Fraktionssprecher Heinz Merl hingegen verteidigte das Projekt: Korbach sei Ankerpunkt im GeoPark GrenzWelten, machte er die Bedeutung der Korbacher Spalte deutlich und warnte davor, das Projekt zu verschieben: „Wenn wir den Kalkturm einmotten, geben wir 180 000 Euro für nichts und wieder nichts aus und ob es noch mal eine Förderung gibt, steht in den Sternen.“ Auch FDP-Sprecher Arno Wiegand sprach sich für den Kalkturm aus.

Bei einer Investition von rund 350 000 Euro und Folgekosten von 5000 Euro pro Jahr könne keine Rede von einem „finanziell hoch belasteten Projekt“ sein, plädierte Helmut Schmidt (SPD) für den Kalkturm-Umbau. Auch er sei skeptisch gewesen, sagte Ralph Backhaus (SPD): „Hauptsache vorwärts können wir uns nicht mehr leisten.“ Doch es gehe darum, zusammen mit dem Museum ein neues touristisches „Highlight“ zu entwickeln und die Gastronomie und die Altstadt zu stärken. Bei der anschließenden Abstimmung hatten die Befürworter des Projekts die Mehrheit. (lb)

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