Neujahrskonzerte in Korbach und Bad Arolsen

Kammerorchester präsentiert sich in Bestform

+
„Frühling in Wien“: Larissa Niederquell und Robert Brauer sangen in Korbach Robert Stolz‘ Duett über einen Skandal. 

Korbach/Arolsen. „Tanzen möcht’ ich“ – das Duett aus Emmerich Kálmáns Csardasfürstin erklang nicht nur auf dem Neujahrskonzert des Waldeckischen Kammerorchesters, es bildete auch das auf allen Ebenen umgesetzte Motto. Denn Tanzpaare des Rot-Weiss-Klubs Kassel drehten ihre Runden und zogen die Zuschauer zuletzt ins tänzerische Geschehen mit ein.

Auch Larissa Niederquell und Michael Brauer waren eher ausnahmsweise oben auf dem Podium. Die meiste Zeit bewegten sich die Solisten durchs Publikum, tanzten miteinander oder holten sich wechselnde Partner aus den Reihen, wenn gerade keine musikalische Konversation auf dem Programm stand. Ein heiter-boshafter Dialog mit kleinen Seitenhieben unter Gatten und einem Spritzer Ironie kennzeichnete den Einzug von Larissa Niederquell und Michael Brauer ins Programm mit „Frühling in Wien“ von Robert Stolz.

Zum Zeitpunkt der Komposition war die Jahreszeit noch der einzige Entschuldigungsgrund dafür, dass es nicht gleich zur Scheidung kam, wenn die Ehefrau beim Walzer mit einem anderen Mann in der Zeitung abgebildet wurde. „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“ lautete denn auch die zweite wohlklingende Hommage an Robert Stolz. Der Kontrast von Robert Brauers hellem tenoralen Timbre mit den Mezzo-Klangfarben seiner Partnerin machte bei Liebe wie Eifersucht einen reizvollen Effekt.

„In Korbach bekommen Sie mehr geboten als beim Neujahrskonzert in Wien“, verwies Dirigent Rainer W. Böttcher auf den bezeichnenden Unterschied, denn beim Auftritt der Wiener Philharmoniker gibt es nur die Musik, die Tanzpaare fürs Fernsehpublikum werden auf Schloss Schönbrunn aufgenommen. Die abwechslungsreiche musikalische Weltreise anstelle einer Monokultur der Strauss-Dynastie war der zweite bezeichnende Unterschied zum Vorbild aus Wien.

Zum Auftakt erklang eine energisch-rustikale Interpretation von Peter Tschaikowskys Polonaise aus Eugen Onegin, die klassische Einzugsmusik zum großen Ball der gleichnamigen Oper, bei der Angehörige aller Schichten der Gesellschaft anwesend sind, so Rainer Böttcher, der zum Kehraus seiner slawischen Sinfonie den wilden russischen Bauerntanz Trepak ausgewählt hatte. Anton Dvoraks Furiant bildete gewissermaßen das lebhafte Scherzo, der Tanz der Zuckerfee mit den himmlischen Celestaklängen, einen bezaubernden langsamen Satz.

Astor Piazollas Libertango gestaltete Böttcher als Einführung in den Tango mit dem Publikum als Rhythmusabteilung, das mit den Bässen ein längeres Vorspiel bot, um während des Stücks auf Anweisung des Dirigenten seinen Einsatz im hypnotischen Stück mit den geteilten Streichern zu bieten. Derart sensibilisiert erwies sich „Danzon“ von Arturo Marquez als doppelter Genuss, denn die vielschichtige Suite zeigte das Waldeckische Kammerorchester in absoluter Bestform.

Von Armin Hennig

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.