Gewässerschutz: Förderantrag beim Umweltministerium für Projekt in Korbach

Uni Kassel erforscht Bodenfilter

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Alte Korbacher Kläranlage: Hinter dem Becken dehnt sich ein grüner „Retentionsbodenfilter“ mit Schilfgras aus.

Korbach - Kasseler Wissenschaftler möchten ein Forschungsprojekt in Korbach umsetzen. Es geht um Gewässerschutz und Bodenfilter in der alten Kläranlage.

Kanalrohre, Klärwerke und Rückhaltebecken verschlingen jährlich Milliardensummen in Deutschland. Dahinter stecken vielfältige Ziele - ob Umweltschutz, Gewässerschutz oder Hochwasserschutz.

Ein teures Beispiel in Korbach sind die sogenannten „Retentionsbodenfilter“ in der alten Kläranlage an der Frankenberger Landstraße. Nach dem Neubau einer gemeinsamen Kläranlage für Korbach und Vöhl im Ittertal wurde das alte Korbacher Klärwerk abgerissen. Dort entstanden dann 2011 drei besondere neue Becken, die zufließendes Wasser auf natürliche Weise reinigen.

Klärteiche mit Schilf

Die Teiche sind aus der Entfernung unscheinbar, aus der Nähe muten sie derzeit an wie Reisfelder: Tausende kleiner Schilfpflanzen bieten einen grünen Teppich an der Oberfläche. Das System soll Wasser zurückhalten (Retention) und zugleich reinigen (Bodenfilter).

In der Praxis fließt beispielsweise Wasser aus dem Stadtviertel am Krankenhaus zu - Abwasser und Regenwasser gleichermaßen. Selbst bei starkem Regen soll das Gemisch aber nicht ungereinigt in Kuhbach, Itter und Edersee gelangen. Die Bodenfilter puffern den Zufluss ab und reinigen durch ein spezielles Substrat gleichzeitig das Wasser, das über eine Drainage in „die“ Kuhbach geleitet wird.

Die neue „Wasserrahmenrichtlinie“ nach EU-Recht fordert solche Filtersysteme ab 2015. Die Stadt Korbach agierte frühzeitig, investierte satte 2,5 Millionen Euro - erhielt dafür aber rund 50 Prozent Förderung vom Land.

Erfinder von PAUL

Zwei Wissenschaftler der Universität Kassel sind zuletzt aufmerksam geworden auf die Bodenfilter in Korbach: Professor Franz-Bernd Frechen und Dr. Wernfried Schier mit Fachgebiet „Siedlungswasserwirtschaft“.

Eine ihrer Erfindungen ist der Wasserrucksack PAUL, mit dem sie bereits international für Aufsehen sorgten. Die Kasseler Wissenschaftler präsentierten PAUL voriges Jahr etwa bei der Kinder-Uni des Kommunalen Service-Verbundes Eisenberg in Korbach. Mit Unterstützung von Sponsoren kaufte auch die Kinder-Uni zwei Wasserrucksäcke, die weltweit in Notgebieten für sauberes Trinkwasser sorgen.

Kontakt durch Kinder-Uni

Durch den Kontakt über die Kinder-Uni haben sich Frechen und Schier ein Forschungsprojekt über die Bodenfilter in Korbach vorgenommen. Beim hessischen Umweltministerium liegt inzwischen ein Förderantrag vor. Gemeinsam mit Heinz-Willi Müller, Büroleiter im Korbacher Rathaus, trugen die Forscher ihr Projekt Anfang September dem Staatssekretär Mark Weinmeister im Wiesbadener Umweltministerium vor.

Mit Forschungsergebissen aus der sehr guten Anlage in Korbach möchten sie ein System entwickeln, das deutlich Kosten spart. Davon sollen dann künftig auch andere Kommunen profitieren. Eine Entscheidung in Wiesbaden steht noch aus.

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