Herrenlose Stubentiger fristen ihr Dasein teilweise unter erbärmlichen Bedingungen

Kastration gegen Katzenjammer

Korbach - Wenn die Tage länger werden, nimmt auch die Flut ungewollter Katzenbabys wieder zu. Durch rechtzeitige Kastration kann viel Leid verhindert werden, erklären Tierschutz und Tierärzte im Landkreis.

Die Frühjahrssonne­ kurbelt den Hormonhaushalt der Katzen an. In diesem Jahr kommt der Nachwuchs besonders früh: „Wir haben schon die ersten jungen Kätzchen aufgenommen“, berichtet Karina Kuhn, Leiterin des Korbacher Tierheims, „normalerweise haben wir im Mai die ersten Katzenbabys.“ Möglicherweise eine Folge des milden Winters, erklärt sich Kuhn das Phänomen. Vor allem in Kleingartenanlagen oder in der Nähe von Bauernhöfen explodieren die Populationen unkontrolliert.

„Katzen können zwei- bis dreimal im Jahr trächtig werden, jeder Wurf hat durchschnittlich vier Junge“, erklärt der Korbacher Tierarzt Dr. Thomas Liedtke. „Natürlich überleben nicht alle, aber man kann sich ungefähr ausrechnen, was das bedeutet.“ Abgemagert und krank Auf viele der frei lebenden Katzenbabys warten in freier Wildbahn Elend und Katzenjammer. Herrenlose Stubentiger haben die Selbstversorgung nie gelernt, sind daher häufig unterernährt, leiden unter Wurmbefall und müssen täglich ums Überleben kämpfen. „Auch das Risiko, an heimtückischen Viruserkrankungen wie Katzenleukose oder Katzenaids (FIV) zu erkranken, ist bei nicht kastrierten Katzen höher“, sagt Liedtke. Sie infizieren sich durch Paarungsbisse und Katerkämpfe.

Selbst in der Politik ist das Thema angekommen: Das Korbacher Stadtparlament hat bereits im vergangenen Jahr eine Kastrationspflicht nach Paderborner Vorbild diskutiert. Stubentiger dürfen dort nur noch ins Freie, wenn sie kastriert und gekennzeichnet sind. Mittlerweile steht das Paderborner Parademodell in einem kreisweiten Forum mit Veterinäramt, Kommunen, Tierärzten und Tierschutzorganisationen auf der Tagesordnung. Noch sind aber viele Fragen offen: „Wer soll das überprüfen und wie?“, fragt Tierheimleiterin Kuhn. „Das lässt sich nicht kontrollieren“, sagt auch Liedtke, der an Katzenbesitzer appelliert, die Tiere freiwillig zu kastrieren.

Die Katzenschwemme bringt indes die Tierschutzorganisationen im Landkreis an ihre finanziellen Grenzen: Bis zu 190 frei laufende Katzen im Jahr fangen Mitarbeiter der Tierheime mit Lebendfallen ein, lassen sie kastrieren und setzen sie anschließend wieder frei. Bis zu 400 Katzen aus unkontrollierter Vermehrung nehmen die vier Waldeck-Frankenberger Tierheime jährlich auf. Zusammen verursacht das Kosten von mehr als 90?000 Euro im Jahr, so Zahlen einer Erhebung des Veterinäramtes. Kurze Operation Eine Kastration ist nur ein kurzer Eingriff: Die Operation dauert mit Vorbereitungen etwa eine halbe Stunde. Bei Katern kostet eine Kastration ohne Komplikationen mindestens 60 Euro, bei weiblichen Katzen mindestens 92 Euro. Der genaue Preis hängt unter anderem von der Narkosetechnik, Verbrauchsmaterialien und eventuellen Zusatzuntersuchungen ab.

Kätzchen werden meist mit rund drei bis vier Monaten kastriert. Es geht aber auch schon mit sechs bis zwölf Wochen. Beim Kater hängt der früheste Zeitpunkt einer Kastration stärker von der körperlichen Entwicklung ab und ist in der Regel mit fünf bis sechs Monaten erreicht. „Mit der Kastration kennzeichnen wir auch die Tiere, in der Regel mit einer Tätowierung im Ohr“, sagt Liedtke.

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